Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Autor(en): Robert Musil
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1906
Seitenanzahl: 185 Seiten
Originaltitel: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 351801448X
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518014486
Schlagwörter: Internat, Grausamkeit, Erwachen, Macht
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Die Verwirrungen des Zöglings Törleß ist der 1906 erschienene erste Roman von Robert Musil. In einem Internat der k. u. k. Monarchie wird ein Dieb gefoltert, und ein Junge sieht zu, weil er verstehen will, was sich nicht rechnen lässt. Musil, selbst Zögling in Eisenstadt und Mährisch-Weißkirchen, hat daraus keine Anklageschrift gegen die Schule gemacht, sondern eine Geschichte des Erwachens, in der Grausamkeit und Erkenntnis denselben Raum teilen. Der Ton ist kühl, genau und schon ganz der des Mannes, der später den Mann ohne Eigenschaften schreiben wird. Das Buch skandalisierte und wurde dennoch gelesen.

Inhalt

Törleß lebt in einem Konvikt irgendwo im Osten der Monarchie, fern der Mutter, deren Briefe ihn rühren und nicht mehr erreichen. Seine Freunde sind Reiting, der die anderen zu beherrschen liebt, und Beineberg, der indische Seelenlehre und Machtphantasien mischt. Sie ertappen den Mitschüler Basini beim Diebstahl. Statt ihn anzuzeigen, erpressen sie ihn: Basini muss dienen, sich demütigen, nachts auf den Boden kommen, wo sie ihn schlagen und sexuell missbrauchen. Törleß macht nicht mit wie die anderen; er sieht zu. Ihn interessiert, wie aus dem Mitschüler ein anderer Zustand wird, weich, verächtlich, und warum dasselbe Gesicht tagsüber im Unterricht sitzen kann.

Daneben steht die andere Verwirrung: Törleß begreift die imaginären Zahlen nicht, dieses Rechnen mit etwas, das es nicht gibt und das doch stimmt. Der Mathematiklehrer verweist ihn an die Philosophie; der junge Fürst, ein Mitschüler, verlässt die Schule, weil ihm die Luft zu roh ist. Törleß geht zu einer Prostituierten im Ort, Božena, und findet dort nicht die Erlösung, sondern denselben Zwiespalt von Ekel und Reiz. Basini fleht ihn an, ihn zu retten; Törleß stößt ihn ab und fühlt sich von der Demut angezogen. Reiting und Beineberg steigern die Qualen, bis Basini zerbricht.

Törleß rät Basini, sich selbst anzuzeigen, bevor die anderen ihn vernichten. Basini gesteht den Diebstahl; eine Untersuchung setzt ein. Törleß, vor dem Kollegium, redet von Zuständen, die sich der Moral entziehen, und wird nicht verstanden. Die Anstalt schickt ihn zu den Eltern, als sei die Schwierigkeit eine nervöse. Reiting und Beineberg bleiben, Basini wird entfernt. Auf der Fahrt nach Hause sieht Törleß die Mutter und weiß, dass etwas hinter ihm liegt, das er nicht mehr rückgängig machen wird. Er ist nicht besser geworden. Er hat gesehen, wozu Jungen fähig sind, wenn niemand sie hält – und wozu er fähig ist, wenn er nur denkt.

Einordnung

Musil hat den Internatsroman der Jahrhundertwende in eine Erkenntniskrise gedreht. Nicht die Prügel sind das Unerhörte, sondern Törleß’ Blick: Er will das Böse nicht rechtfertigen und nicht verurteilen, sondern die Stelle finden, an der ein Mensch kippt. Die imaginären Zahlen sind das Gleichnis dafür. Volker Schlöndorffs Film von 1966 hat den Stoff in die Nähe des Faschismus gerückt, was das Buch erlaubt, ohne es darauf zu reduzieren; die Monarchie liefert die Anstalt, nicht schon die Lehre. Neben Wedekinds Frühlings Erwachen gehört Törleß zu den genauen Büchern über das Erwachen, weil es die Grausamkeit nicht als Betriebsunfall der Pubertät abtut.

Die Nachwelt hat den Roman als Vorläufer des großen Spätwerks gelesen und als Schultext benutzt, was seine Kälte manchmal zudeckt. Der Mann ohne Eigenschaften beginnt hier, in einem Hof, in dem schon gerechnet und gequält wird. Wer nach Musil über Macht und Blick spricht, spricht hinter diesem Band: hinter einem Zögling, der die Folter beobachtet, als wäre sie eine Aufgabe. Es bleibt ein erstes Buch, das keins mehr braucht, um zu gelten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.