Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte |
| Autor(en): | Oliver Sacks |
| Originaltitel: | The Man Who Mistook His Wife for a Hat |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1985 |
| Schlagwörter: | Gehirn, Fallgeschichte, Wahrnehmung, Nervenheilkunde |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Psychologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Rowohlt
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| Umfang dieser Ausgabe: | 352 Seiten |
| ISBN: | 9783499012464 |
| Verweise | |
Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte (englisch The Man Who Mistook His Wife for a Hat) ist der 1985 erschienene Band von Oliver Sacks mit vierundzwanzig neurologischen Fallgeschichten. Ein Musikprofessor tastet den Kopf seiner Frau, als wäre er ein Hut; ein Seemann hat das Gedächtnis seit 1945 verloren; Zwillinge, die als geistig behindert gelten, rechnen Kalender über Jahrhunderte. Sacks schreibt die Fälle nicht als Defekte, sondern als Welten, in die eine winzige Verletzung den Menschen verschiebt. Das Buch begründete seinen Weltruhm und hat die Fallgeschichte wieder zu einer Form gemacht, in der Medizin Literatur ist, ohne die Klinik zu verraten.
Inhalt
Der titelgebende Dr. P. leidet an einer Seelenblindheit: Er sieht Einzelheiten und erkennt keine Gesichter, keine Blumen, keine Frau. Die Welt zerfällt ihm in Merkmale, die er musikalisch wieder zusammensetzen muss; singen führt ihn durch den Tag. Sacks erzählt das ohne Spott und ohne Rührung, als Bericht eines Arztes, der staunt, statt nur zu messen. Die erste Abteilung gilt den Verlusten: Gedächtnis, Körperbild, die Hälfte des Raums, die der Schlaganfall auslöscht, sodass der Patient eine Seite des Tellers ignoriert. Die zweite gilt den Überschüssen: Tourette, unwillkürliche Bewegungen und Flüche, die ein Mann in die Trommlerkunst rettet; eine neunzigjährige Frau, der ein später Schub von Syphilis die Hemmung nimmt und die Jugendlust zurückgibt. Sacks weigert sich, in diesen Zuviel nur Krankheit zu sehen. Oft ist das Symptom auch Fähigkeit, oft die Fähigkeit auch Fluch.
Die dritten und vierten Teile gelten den Entrückungen und der Welt der Einfachen. Ein Student riecht plötzlich wie ein Hund und trauert, als der Geruch vergeht; Patienten hören Musik, die niemand spielt; autistische Menschen zeichnen oder rechnen mit einer Genauigkeit, die das übrige Leben nicht trägt. Die Zwillinge, die Wochentage in die Ferne werfen, verlieren die Gabe, sobald man sie trennt und »fördert«. Gegen die ältere Klinik, die den Fall zur Illustration des Syndroms macht, setzt Sacks die Person, die das Syndrom bewohnt. Er kennt Josef Breuers und Sigmund Freuds Studien über Hysterie und Freuds Zur Psychopathologie des Alltagslebens, holt aber die Störung aus der Seele in das Gehirn, ohne den Menschen darüber zu vergessen. Die neurologische Läsion ist bei ihm kein Ende der Geschichte, sondern deren Anfang: Was bleibt, wenn das Vertraute wegfällt, und was wächst nach.
Der Ton ist human, manchmal predigend, näher an der Erzählung als am Arztbrief. Kritik hat Sacks vorgeworfen, er mache aus Patienten Figuren und aus dem Leiden eine Erbauung für gesunde Leser. Das Buch gibt dem Einwand Nahrung, wo die Pointe zu rund sitzt. Es widerlegt ihn, wo der Arzt die Würde des Seltsamen festhält und die Versuchung, zu heilen um jeden Preis, aushält. Die deutsche Übersetzung von Dirk van Gunsteren und Hainer Kober hat den Band bei Rowohlt festgesetzt. Eine Oper von Michael Nyman hat Dr. P. auf die Bühne gebracht; das hat die Fälle weiter vom Krankenzimmer entfernt. Sacks selbst hat später, in anderen Büchern, die Grenze zwischen Fall und Bekenntnis noch durchlässiger gemacht. Hier steht sie noch: Der Arzt beobachtet, nimmt teil, und lässt den Leser in Welten, in die Gesunde sonst nicht vordringen.
Einordnung
1985 hat Sacks die neurologische Fallgeschichte aus der Lehrbuchnische geholt und ihr eine Leserschaft gegeben, die Medizin als Frage nach dem Selbst versteht, nicht nur als Reparatur. Gegen die Psychoanalyse, die den Fehltritt als Sinn liest, setzt er die Läsion, die Sinn zerstört und anderen Sinn erzeugt; gegen die kalte Neurologie der Messwerte setzt er die Prosa, in der Dr. P. ein Mensch bleibt. Zeit des Erwachens, früher und härter, hatte dieselbe Haltung an der Enzephalitis geprüft; der Hut-Band hat sie popularisiert. Die Nachfolge in Hörsendungen, Fernsehen und Erbauungsliteratur hat aus dem Staunen oft eine Ware gemacht. Wer Sacks nur als Sammler merkwürdiger Defekte liest, hat die ethische Pointe verfehlt: dass eine Welt, die nur noch Merkmale kennt, immer noch eine Welt ist. Wer ihn nur als Tröster führt, unterschlägt, dass viele seiner Patienten nicht geheilt, sondern verstanden werden. Die Psychologie und die erzählende Medizin nach 1985 sprechen hinter diesem Band, auch wo sie seine Wärme für naiv halten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
