Allwissen und Absturz. Der Ursprung des Computers
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Allwissen und Absturz. Der Ursprung des Computers |
| Autor(en): | Werner Künzel, Peter Bexte
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1993 |
| Schlagwörter: | Kombinatorik, Lullus, Maschine, Ursprung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Medienwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Insel
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| Umfang dieser Ausgabe: | 216 Seiten |
| ISBN: | 9783458165279 |
| Verweise | |
Allwissen und Absturz. Der Ursprung des Computers ist das 1993 bei Insel erschienene Sachbuch von Werner Künzel und Peter Bexte. Die beiden Berliner Medienforscher erzählen die Herkunft der Denkmaschine nicht von Turing und Zuse her, sondern von der kombinatorischen Kunst des Raimundus Lullus im dreizehnten Jahrhundert. Sie hatten Lullus' logische Räder in Cobol und Assembler übersetzt, auf einem Großrechner laufen lassen und daraus das Programm »Ars Magna. Author: Raimundus Lullus, um 1300« gewonnen. Das Buch ist die Spurensicherung dieser Übersetzung: Allwissen als Versprechen der Kombination, Absturz als deren andere Seite.
Inhalt
Künzel und Bexte schreiben gegen die Geschichtslosigkeit der Computertheorie, die den Bildschirm als Gleichzeitigkeit alles Geschriebenen nimmt und darüber vergisst, dass die Maschine selbst eine Herkunft hat. Der Ursprung, den sie setzen, ist keine Vorläufergalerie, sondern ein Kurzschluss: Lullus' Ars magna will das Offenbarungswissen als Logik des Universums vorführen, in Rädern, die Begriffe kombinieren, bis nichts Wesentliches fehlt. Athanasius Kirchers Schriften des siebzehnten Jahrhunderts erscheinen als frühe Handbücher derselben Maschine; die kabbalistische Buchstabenlehre liefert Schaltpläne, bevor es Strom gibt. Wissenschaft und Kunst, Subjekt und Objekt, Religion und Technik greifen hier nicht als Gegensätze. Die Spur führt über zerbrochene Buchstäblichkeiten, die keine Kabbala mehr zusammenhält.
Die Behauptung ist medienarchäologisch, nicht fortschrittlich. Der Computer erbt die Allwissenheit der kombinatorischen Kunst und deren Absturz: die Kombination erzeugt Wahrheit und Unsinn mit derselben Bewegung. Gegenposition ist jede Technikgeschichte, die bei Babbage, Turing oder den militärischen Großrechnern der vierziger Jahre beginnt und das Mittelalter als Ornament streicht, und jede Theologie, die Lullus nur als Apologeten liest, nicht als Maschinenbauer. Künzel und Bexte haben die Räder laufen lassen; das Experiment soll zeigen, dass der älteste Systementwurf ablauffähig ist, wenn man ihn in eine spätere Sprache zwingt. Der Tigersprung ins Vergangene, den sie mit Benjamin denken, sprengt die Linie, auf der die Informatik sich als junge Wissenschaft erzählt.
Unsicher wird das Buch, wo die Genealogie zur Zwangsläufigkeit wird: als hätte der Großrechner auf Lullus gewartet. Die Prosa ist dicht, bildreich, näher am Essay als an der Handbuchgeschichte, und sie verlangt Leser, die Kircher und Cobol in einem Satz aushalten. Wer nur die Vorläuferliste will, findet eine andere: nicht die der Rechenhilfen, sondern die der universellen Kombination. Wer nur die Poesie der Abstürze will, unterschlägt, dass hier wirklich Programme geschrieben und Maschinen gefüttert wurden. Insel hat 1993 einen Band vorgelegt, der die Medienwissenschaft der neunziger Jahre mit Theologie und Code zusammenschloss, bevor das Netz denselben Kurzschluss zum Alltag machte.
Einordnung
Der Band gehört zu den Gründungstexten einer deutschen Medienarchäologie, die den Computer nicht als Bruch, sondern als späte Gestalt älterer Künste liest. Er steht neben Friedrich Kittlers Aufschreibesystemen, ohne deren militärische Härte, und neben einer Lullus-Forschung, die die Ars magna selten als Software denkt. Die Wirkung blieb spezialistisch: zitiert, wo man Herkunft gegen Innovation setzt, übersehen, wo die Informatik ihre Helden braucht. Wer nach Künzel und Bexte über den Ursprung des Rechners spricht, als begänne er bei Turing, hat die Räder nicht gesehen. Allwissen und Absturz gehören zusammen; das hat das Buch gegen die Heilsgeschichte der Digitalisierung festgehalten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
