Chaos. Die Ordnung des Universums

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Version vom 22. August 2026, 18:36 Uhr von Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (Diskussion | Beiträge) (Fehlenden Werkartikel bzw. Autorenlemma angelegt.)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
James Gleick · 1987 · Sachbuch, Naturwissenschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Chaos. Die Ordnung des Universums
Autor(en): James Gleick
Originaltitel: Chaos: Making a New Science
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1987
Schlagwörter: Chaos, Ordnung, Wetter, Fraktal
Sachgebiete: Sachbuch, Naturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Droemer Knaur


Umfang dieser Ausgabe: 445 Seiten
ISBN: 9783426263358
Verweise
Umschlag

Chaos. Die Ordnung des Universums (englisch Chaos: Making a New Science) ist das 1987 erschienene Berichtsbuch von James Gleick über die Entstehung der Chaostheorie. Edward Lorenz' Wetterrechnung, in der ein winziger Rundungsfehler den Himmel umwirft; Benoît Mandelbrots gebrochene Dimensionen; Mitchell Feigenbaums universelle Konstanten am Weg ins Chaos: Gleick erzählt das als Reportage aus Labors und Instituten, nicht als Lehrbuch, und hat damit einem Fach, das in Randnotizen der Physik und Mathematik steckte, eine Öffentlichkeit gegeben. Die deutsche Übersetzung von Peter Prange kam 1988 bei Droemer Knaur heraus, mit dem Untertitel vom Vorstoß in Grenzbereiche der modernen Physik.

Inhalt

Gleick beginnt beim Wetter, weil dort die klassische Hoffnung zerbricht, mehr Daten bedeuteten bessere Vorhersage. Lorenz, Meteorologe in Massachusetts, lässt 1961 ein Modell auf einem Rechner laufen, tippt gerundete Zahlen neu ein und erhält eine andere Zukunft. Der Schmetterling, der in Brasilien einen Wirbelsturm in Texas auslösen kann, ist die volkstümliche Fassung dieser Empfindlichkeit: Nicht die Kraft des Flügels, sondern die Tatsache, dass nichtlineare Systeme den Anfangszustand nicht vergessen, ihn aber unlesbar machen. Gleick hält fest, was daran neu ist. Determinismus und Vorhersagbarkeit fallen auseinander. Die Welt kann gesetzmäßig sein und trotzdem praktisch unberechenbar. Gegen die ältere Physik, die Reibung und Abweichung als Schmutz behandelte, setzt die neue Lehre genau diesen Schmutz als Gegenstand. Wolken, Tropfen, Herzrhythmus, die Börse, soweit sie Gleick streift: Überall tauchen dieselben Figuren auf, sobald man aufhört, sie wegzumitteln.

Die Mitte des Buches gilt den Leuten, die das gesehen haben, bevor es einen Namen hatte. Mandelbrot, Außenseiter bei IBM, misst Küstenlinien und findet, dass die Länge mit dem Maßstab wächst; das Fraktal – ein vom Buch popularisiertes Wort – ist die Form, die in der Vergrößerung nicht glatt wird. Feigenbaum entdeckt, dass ganz verschiedene Systeme auf dem Weg vom regelmäßigen Puls ins Chaos dieselbe Zahlenfolge durchlaufen. Yorke gibt dem Chaos den Namen. Physiker, die Biologen lesen, Mathematiker, die am Rand der Disziplin arbeiten: Gleick porträtiert sie als Grenzgänger, manchmal zu heldisch, immer anschaulich. Douglas R. Hofstadters Gödel, Escher, Bach hatte Schleifen und Selbstbezug als Denkform erzählt; Gleick findet sie in der Natur, als Attraktor, der keine Bahn ist, sondern ein Gebiet, in das das System immer wieder fällt, ohne sich zu wiederholen. Gegen Imre Lakatos' Beweise und Widerlegungen, wo Mathematik als Streit um Begriffe erscheint, ist Gleick journalistischer: Er will die Szene, das Aha, die Figur an der Tafel.

Der Ton ist der amerikanischen Wissenschaftsreportage, klar, erzählend, mit der Gefahr, aus einem Forschungsfeld eine Entdeckungsfahrt zu machen. Kritik hat die Heldenliste, die Vernachlässigung sowjetischer Vorläufer und die Neigung genannt, Chaos zur Weltformel der achtziger Jahre zu dehnen. Das Buch gibt dem Einwand Nahrung, wo es von der Börse und vom lebenden Chaos spricht, als wäre ein Wort schon eine Theorie. Es widerlegt ihn, wo es Lorenz' Zahlen und Feigenbaums Konstante so erklärt, dass ein Leser ohne Differentialgleichung versteht, warum Vorhersage an eine Wand stößt. Der deutsche Titel, der die Ordnung des Universums verspricht, hält mehr Harmonie bereit, als Gleick liefert; im Original geht es um das Machen einer neuen Wissenschaft. Wer nur die Fraktalbilder behält, hat den Schmetterling als Wandschmuck genommen. Wer nur das Weltgefühl der Unberechenbarkeit behält, hat die Härte verfehlt, dass hier Gesetze walten, nur keine, die den nächsten Sommer festlegen.

Einordnung

1987 hat Gleick der Chaostheorie die Leser gebracht, die Institute allein nicht erreichten, und einem Fach den öffentlichen Namen gegeben, unter dem es seither zitiert, missverstanden und weiterentwickelt wird. Die Naturwissenschaft hat das Buch als gelungene Popularisierung genommen, die Mathematik als Vereinfachung, das Feuilleton als Vorrat an Metaphern für jede Unordnung. Hofstadters Schleifen und Lakatos' Beweisdramen bleiben die näheren Nachbarn im Denken; Gleick bleibt der Erzähler der Labore. Die Nachfolge in Fernsehen und Kalenderblatt hat den Schmetterling zur Phrase gemacht. Trotzdem lässt sich nach diesem Band schwerer so tun, als sei Unvorhersagbarkeit nur Unwissen, das mehr Messung heilt. Wer über nichtlineare Systeme spricht, spricht hinter Gleick, auch wo er ihn nicht nennt; wer Chaos mit Zufall verwechselt, hat das Buch nicht gelesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.