Die Lutherbibel

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Lutherbibel
Autor(en): Martin Luther
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Deutsche Bibelgesellschaft
Serie:
Erscheinungsjahr: 1534
Seitenanzahl: 1115 Seiten
Originaltitel: Biblia, das ist die gantze Heilige Schrifft Deudsch
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3438033054
ISBN-13/

EAN-Code:

9783438033055
Schlagwörter: Bibelübersetzung, Reformation, deutsche Sprache, Wartburg
Sachgebiete: Sachbuch, Religion
Rezensionen

Die Lutherbibel ist die Übersetzung der Heiligen Schrift durch Martin Luther, 1534 erstmals vollständig gedruckt. Sie hat die Reformation getragen und nebenbei die deutsche Schriftsprache geschaffen.

Inhalt

Vor Luther war die Bibel in Deutschland vorhanden und trotzdem unzugänglich. Maßgeblich war die lateinische Vulgata, und wer kein Latein konnte, war auf das angewiesen, was ihm von der Kanzel gesagt wurde. Deutsche Fassungen gab es durchaus – etwa viertausend Handschriften waren im Mittelalter im Umlauf, achthundert sind erhalten, und seit 1466 kamen achtzehn gedruckte deutsche Bibeln hinzu. Aber sie übersetzten das Latein Wort für Wort, klangen entsprechend hölzern, und keine setzte sich durch. Dazu kam, dass es ein Deutsch, in dem man für alle hätte schreiben können, damals gar nicht gab, sondern ein Nebeneinander von Kanzleisprachen und Mundarten.

Die Arbeit begann als Nebenprodukt einer Flucht. Nach dem Wormser Reichstag brachte man Luther zu seiner Sicherheit auf die Wartburg, wo er als Junker Jörg saß und wenig zu tun hatte; zwischen Dezember 1521 und März 1522 übersetzte er dort das Neue Testament, in elf Wochen, aus dem griechischen Text des Erasmus – nicht aus dem Latein. Melanchthon las gegen, im September 1522 erschien das Ergebnis als sogenanntes Septembertestament. Das Alte Testament kostete zehn Jahre; für das Hebräische, das er sich mühsam erschloss, holte Luther eine Runde von Fachleuten zusammen, mit der er Vers für Vers verhandelte. Wie er dabei vorging, erklärte er 1530 im Sendbrief vom Dolmetschen: Man müsse nicht die lateinischen Buchstaben befragen, sondern dem Volk aufs Maul sehen und dann so schreiben, wie die Mutter im Haus und der gemeine Mann auf dem Markt reden. Für die Opfertiere ließ er sich beim Schlachten die Innereien zeigen, für die Edelsteine der Offenbarung die Schmucksammlung des Kurfürsten öffnen. 1534 druckte Hans Lufft in Wittenberg die vollständige Bibel; bis zu Luthers Tod folgten mehr als zweihundertfünfzig immer wieder überarbeitete Auflagen, und allein aus Luffts Werkstatt kamen bis 1570 etwa hunderttausend Exemplare.

Die Wirkung ging weit über die Kirche hinaus. Wer im Norden oder Süden gelesen werden wollte, schrieb nun in Luthers ostmitteldeutscher Sprachform, und aus einem Dialekt unter vielen wurde die gemeinsame Schriftsprache. Aus dem Buch stammen Wörter, die längst niemand mehr zuordnet – Sündenbock, Lückenbüßer, Feuertaufe, Machtwort –, und Wendungen, die man täglich benutzt: Perlen vor die Säue werfen, sein Licht unter den Scheffel stellen, im Dunkeln tappen, ein Wolf im Schafspelz. Theologisch war die Übersetzung der eigentliche Angriff. Wenn jeder selbst nachlesen kann, was dort steht, ist die Deutung nicht mehr allein Sache der Geistlichkeit – und der Grundsatz, dass die Schrift für sich selbst spricht, wird überprüfbar. Dass die Bauern 1525 dasselbe Buch lasen und daraus Forderungen nach Freiheit ableiteten, gehört zu dieser Wirkung dazu; Luther hat sie danach in einer Schrift verworfen, die zum Erschlagen der Aufständischen aufrief.

Einordnung

Übersetzen heißt entscheiden, und Luther hat sich dabei nicht versteckt. Im Römerbrief fügte er dem Satz, der Mensch werde durch den Glauben gerecht, ein „allein“ hinzu, das im Griechischen nicht steht – gegen den erwartbaren Vorwurf verteidigte er sich im Sendbrief mit dem Hinweis, im Deutschen verlange die Stelle dieses Wort, damit der Sinn ankomme. Ganz ähnliche Übersetzungsleistungen haben andernorts dasselbe bewirkt: die Vizsoly-Bibel für das Ungarische, Primož Trubars Neues Testament für das Slowenische, die King James Version für das Englische. Die deutsche Fassung wurde mehrfach behutsam revidiert, zuletzt 2017, wobei die Bearbeiter an vielen Stellen zu Luthers Wortlaut zurückkehrten, weil die Modernisierungen des 20. Jahrhunderts blasser klangen als das Original. Über allem liegt ein Schatten, den man nicht wegreden sollte: Derselbe Mann veröffentlichte als alter Mensch Schriften gegen die Juden, die vier Jahrhunderte später den Nationalsozialisten als Berufung dienten. Das Buch, das er hinterließ, ist trotzdem dasjenige, das die deutsche Sprache am stärksten geformt hat – kein anderer Text ist so oft abgeschrieben, vorgelesen und auswendig gelernt worden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Claude Opus 5, Anthropic). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.