Zwei Dogmen des Empirismus
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Zwei Dogmen des Empirismus |
| Autor(en): | Willard Van Orman Quine |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | stw 8 |
| Erscheinungsjahr: | 1951 |
| Seitenanzahl: | 160 Seiten |
| Originaltitel: | Two Dogmas of Empiricism |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3518280082 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518280089 |
| Schlagwörter: | Analytizität, Empirismus, Holismus, Bedeutung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Zwei Dogmen des Empirismus ist der 1951 in der Philosophical Review erschienene Aufsatz von Willard Van Orman Quine, der den logischen Empirismus an seiner empfindlichsten Stelle trifft: der Trennung von Bedeutungs- und Tatsachenwahrheit. Die deutsche Fassung steht in dem Band Von einem logischen Standpunkt. Quine bestreitet, dass sich Sätze in analytische, allein kraft Bedeutung wahre, und synthetische, an der Erfahrung prüfbare, sauber teilen lassen, und bestreitet zugleich, dass einzelne Sätze für sich vor die Sinneserfahrung treten. Was übrig bleibt, ist ein Netz von Aussagen, das nur als Ganzes mit der Erfahrung streitet. Der Aufsatz gehört zu den wenigen philosophischen Texten des zwanzigsten Jahrhunderts, die eine Schule nicht ergänzt, sondern umgestellt haben.
Inhalt
Quine schreibt gegen den Empirismus, der von Gottfried Wilhelm Leibniz, David Hume und Immanuel Kant die Unterscheidung analytisch/synthetisch geerbt und sie zur Grundlage der Wissenschaftstheorie gemacht hat. Analytisch soll ein Satz wahr sein allein durch die Bedeutung der Wörter, etwa dass Junggesellen unverheiratet sind; synthetisch ein Satz, der von der Welt abhängt, etwa dass Lebewesen mit Herz auch Nieren haben. Quine prüft die üblichen Erklärungen der Analytizität und findet sie zirkulär. Definition setzt Synonymie voraus, statt sie zu begründen; Ersetzbarkeit in allen Zusammenhängen unterscheidet Bedeutungsgleichheit von zufälliger Wahrheit nur, wenn man Wörter wie »notwendigerweise« schon versteht, die selbst Analytizität voraussetzen; semantische Regeln formaler Sprachen verschieben das Problem, statt es zu lösen. Ohne einen haltbaren Begriff der Synonymie fällt die Grenze zwischen Wörterbuch und Enzyklopädie.
Das zweite Dogma ist der Reduktionismus: die Meinung, jeder sinnvolle Satz lasse sich in eine Klasse von Sinnesdaten übersetzen und einzeln bestätigen oder widerlegen. Rudolf Carnap hatte das in Der logische Aufbau der Welt versucht und das Programm später selbst aufgegeben. Beide Dogmen hängen zusammen, sagt Quine: Sie teilen die Wahrheit eines Satzes in einen sprachlichen und einen tatsächlichen Anteil. Wo der tatsächliche Anteil Null ist, gilt der Satz als analytisch. Dagegen setzt Quine den Holismus, den schon Pierre Duhem für die Physik formuliert hatte: Unsere Aussagen über die Außenwelt treten nicht einzeln vor das Tribunal der Erfahrung, sondern als Körperschaft. Ein widerspenstiges Experiment trifft nie nur einen Satz; es trifft ein Geflecht, und welche Fäden man opfert, ist nicht durch die Erfahrung vorgeschrieben.
Im letzten Abschnitt entwirft Quine das Bild eines Netzes oder einer Kugel. Am Rand liegen Beobachtungssätze, weiter innen physikalische Gesetze, noch weiter innen Logik und Mathematik. Stört eine neue Erfahrung den Rand, kann man den Rand korrigieren oder, mit größerem Aufwand, das Zentrum; im Prinzip ist kein Satz gefeit, auch nicht der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, und im Prinzip kann man an jedem Satz festhalten, indem man anderswo ändert. Die »natürliche Tendenz« geht dahin, möglichst wenig umzubauen. Zwischen den Göttern Homers und den physikalischen Gegenständen besteht dann kein Unterschied der Art, nur der Bewährung: Beide sind kulturelle Setzungen, die Gegenstände haben sich als handlicher erwiesen, den Fluss der Erfahrung zu ordnen. Rational ist diese Wahl, wo sie pragmatisch ist. Der Empirismus bleibt, aber ohne die zwei Dogmen, die ihn wie eine Metaphysik der Bedeutung gesichert hatten.
Einordnung
Der Aufsatz beendet die Selbstverständlichkeit, mit der die analytische Philosophie Bedeutung und Erfahrung getrennt hatte. Die Debatte um Analytizität ist nicht verstummt; sie hat sich verschoben, von der Definition zur Frage, wie viel Holismus die Wissenschaft wirklich braucht. Rudolf Carnap antwortete mit präziseren Sprachrahmen; andere retteten eine abgeschwächte Analytizität für die Logik. Quines Pragmatismus steht näher bei Charles Sanders Peirce als bei Kant, dessen Unterscheidung er als historisches Vorbild nennt und als unhaltbar verabschiedet. Wer die Kritik der reinen Vernunft als Tafel der reinen Urteile liest, trifft hier den schärfsten neuzeitlichen Widerspruch: Es gibt keine Wahrheiten, die die Erfahrung nicht erreichen könnte.
In der Wissenschaftstheorie wurde die Duhem-Quine-These zur Warnung vor naiver Falsifikation: Ein Experiment widerlegt ein System, nicht einen isolierten Satz. Karl Popper hat das als Zumutung an die Kritik gelesen und an der Falsifizierbarkeit festgehalten; Thomas Kuhn hat den Holismus in die Geschichte der Paradigmen übersetzt. Quines eigene Ontologie – Unbestimmtheit der Übersetzung, Unterbestimmtheit der Theorie – wächst aus diesem Aufsatz, ist aber nicht schon sein Inhalt. Geblieben ist die Nüchternheit, mit der er den Glauben an Bedeutungen als Museumssinn zerschlägt und die Wissenschaft als fortgesetzte Anpassung eines Erbes an neue Reize beschreibt. Das klingt bescheiden und ist es nicht: Es nimmt der Philosophie das Privileg, vor der Erfahrung sicher zu sein.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
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