Ben liebt Anna
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Ben liebt Anna |
| Autor(en): | Peter Härtling |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Beltz & Gelberg |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1979 |
| Seitenanzahl: | 95 Seiten |
| Originaltitel: | Ben liebt Anna |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3407740999 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783407740991 |
| Schlagwörter: | Schule, Liebe, Aussiedlung, Abschied |
| Sachgebiete: | Kinderbuch |
| Rezensionen | |
Ben liebt Anna ist ein Kinderbuch von Peter Härtling, 1979 bei Beltz & Gelberg erschienen, ein schmales Buch für Leser, die gerade lesen gelernt haben und doch schon wissen, dass Zuneigung wehtun kann. Ein Junge aus einer westdeutschen Grundschule verliebt sich in ein Mädchen, das mit der Familie aus Polen gekommen ist; die Klasse, die Baracke, die Sprache und der Wegzug der Eltern bilden den engen Kreis. Härtling, der für Erwachsene und für Kinder schrieb, hat die erste Liebe nicht als Vorstufe zur Erwachsenenerotik behandelt, sondern als ernstes Gefühl, das Spott, Eifersucht und Hilflosigkeit kennt. Das Buch stand auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises und erhielt den Zürcher Kinderbuchpreis. Es bleibt Schullektüre, weil es Migration nicht erklärt, sondern als Klassenzimmer zeigt.
Inhalt
Ben ist neun und geht in die vierte Klasse, als Anna neu dazukommt. Sie stammt aus Kattowitz, spricht noch unsicher Deutsch, wohnt mit den Eltern und sechs Geschwistern in einer Barackensiedlung am Rand der Stadt. Ben kann zunächst nichts mit ihr anfangen und denkt doch ständig an sie. Er beobachtet, wie die Klasse sie mustert, wie sie sich wehrt und wie sie Anschluss findet. Die Liebe beginnt als Unruhe: Ben prügelt sich mit Jungen, die Anna beachten, schreibt ihr einen Brief und fragt, ob sie mit ihm gehen wolle. Anna antwortet, der Brief sei schön, und lässt die Frage offen. Härtling bleibt bei Bens Blick; Anna wird sichtbar, ohne dass der Erzähler ihr Inneres ausbreitet.
Ben begleitet Anna nach Hause, sieht die Enge, die Geschwister, die Arbeit der Eltern. In den Pfingstferien verbringen die beiden Tage miteinander, unschuldig und aufgeregt, mit dem Wissen, dass Mitschüler lachen könnten. Der Lehrer Herr Seibmann und Bens Vater nehmen das Gefühl ernst, ohne es auszufragen. Dann wird Ben krank. Als er wieder aufsteht, hat Annas Vater Arbeit im Ruhrgebiet gefunden; die Familie zieht weg. In der Schule bleibt wenig Zeit zum Abschied. Anna will bleiben, weil sie sich in der Klasse gerade zurechtgefunden hat, und muss dennoch mit. Ben steht da, wo Kinder oft stehen: das Wichtige ist entschieden, ohne dass man mitentscheiden durfte.
Härtling erzählt in kurzen Szenen, mit Dialogen, die nach Schule klingen, und mit Lücken, in die junge Leser ihre eigenen Bilder setzen. Die Barackensiedlung, die Sprachschwierigkeiten, die Verwandtschaft, die alle in der Nähe wohnt, während Annas Heimat woanders liegt: das Buch deutet soziale Lage an, ohne Sozialkunde zu werden. Untypisch für ein Kinderbuch bleibt das offene Ende. Es gibt keinen Briefwechsel über Jahre und keine Wiedersehensszene. Anna ist weg, Ben behält die Liebe und die Kränkung. Die wenigen erotischen Sätze, die später Schuldebatten auslösten, beschreiben Berührung und Scham, nicht Belehrung. Das Buch traut Kindern zu, dass sie wissen, was Zärtlichkeit kostet.
Einordnung
Härtling hat in den siebziger Jahren eine Kinderliteratur mitgeschrieben, die den Ton der Erwachsenenprosa nicht herablässt: Oma, Das war der Hirbel, später Djadi, Flüchtlingsjunge. Ben liebt Anna gehört in diese Reihe als Buch der ersten Liebe und der Ankunft. Zeitgenossen warfen ihm vor, Anna bleibe Objekt von Bens Gedanken und die Lage der Aussiedler werde nur gestreift. Beides trifft zu und erklärt zugleich die Kraft: Das Buch spricht die Sprache der einheimischen Kinder, die das fremde Mädchen sehen und nicht verwalten. Kritik an der Verwendung im Unterricht hat einzelne Stellen überdehnt; der Text ist keusch und genau.
Die Verfilmungen – 1980 für das Fernsehen, 2015 von Vivian Naefe – haben die Geschichte ins Bild gesetzt, ohne die Knappheit des Buches zu ersetzen. Eva Muggenthalers Zeichnungen in der gängigen Taschenbuchausgabe geben Gesichtern Raum, wo Härtling schweigt. Neben Erich Kästners Emil und die Detektive, das die Stadt den Kindern übergibt, steht hier die Provinzschule, in der ein Umzug genügt, um eine Liebe zu beenden. Wer nach 1979 über Kinder und Zuwanderung schrieb, hatte diese Anna vor sich, ein Mädchen mit Koffer, das nicht Symbol sein will. Beltz & Gelberg hält den schmalen Band, der in einer Stunde gelesen ist und länger nachwirkt als viele dickere Schulbücher.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
