AktenEinsicht

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: AktenEinsicht
Autor(en): Christina Clemm
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Kunstmann
Serie:
Erscheinungsjahr: 2020
Seitenanzahl: 240 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3956143574
ISBN-13/

EAN-Code:

9783956143571
Schlagwörter: Gewalt, Frauen, Justiz, Verfahren
Sachgebiete: Sachbuch, Recht
Rezensionen
Umschlag

Akteneinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt ist das 2020 im Verlag Antje Kunstmann erschienene Sachbuch der Berliner Rechtsanwältin Christina Clemm. Der Titel schreibt im Buch AktenEinsicht; er meint die Einsicht in Verfahren, in denen sexualisierte, häusliche und staatliche Gewalt gegen Frauen verhandelt wird. Clemm erzählt acht Fälle aus der anwaltlichen Praxis, mit Vorgeschichte, Tat, Prozess und den Einschüben zur Rechtslage. Im April 2020 stand der Band auf Platz vier einer überregionalen Sachbuch-Bestenliste. Er ist Studie gegen das Schweigen, kein Roman.

Inhalt

Clemm schreibt gegen die Gewohnheit, Gewalt gegen Frauen für selten, privat oder juristisch erledigt zu halten. Polizei und Justiz sind nicht frei von sexistischen Einstellungen; die schlagen sich in Fragen und Feststellungen nieder, die das Opfer zur Mitverantwortlichen machen. Jeder Fall unterbricht die Erzählung durch Erläuterungen: was Mord von Totschlag unterscheidet, wie Ermittlungen laufen, was eine Gewaltschutzverfügung leistet. Das gesellschaftliche Umfeld gehört zur Akte, weil männliche Gewalt gesamtgesellschaftlich besser adressiert werden muss. Die Geschichten sind exemplarisch, nicht die schlimmsten, wie Clemm anmerkt. Nüchterner Ton ersetzt Juristendeutsch.

Die Behauptung entfaltet sich an acht Frauen, deren Verfahren Clemm als Muster der Wiederholung liest. Claudia S. wird vom eifersüchtigen Partner vergewaltigt, Marcella E. von Beamten in der Wohnung überwältigt, Alina S. von einem Abgewiesenen mit dem Messer lebensgefährlich verletzt: Aussage steht gegen Aussage, Gegenanzeige gegen Anzeige, die Verteidigung schiebt dem Opfer die Mitschuld zu. Mia P. schlägt ein Rechtsextremer am Rand einer Demonstration nieder, und der Richter lässt die Mindeststrafe zur Bewährung aussetzen; Eva H. wird beim Versuch der Trennung ermordet, und erst die Nebenklage deckt den Mord auf. Monique B. überlebt den Missbrauch durch den Vater, einen Pfarrer, ohne dass die Gemeinde anzeigt. Iryna R. flieht aus dem Flüchtlingsheim ins Frauenhaus und trifft auf eine Richterin, die das Kopftuch erst versteht, als es als Tarnung vor dem Mann erkennbar wird; Faizah M., durch Heirat nach Deutschland gekommen, wird eingesperrt und öffentlich weitergeschlagen, und ohne belastbare Aussage bleibt die Strafe gering. In allen acht Akten wiederholt sich dasselbe: Die Gewalt ist eindeutig, das Verfahren macht sie zweifelhaft.

Unsicher wird das Buch, wo acht Fälle das System beweisen sollen und die literarische Spannung der Nüchternheit entgegenarbeitet. Rezensentinnen haben es spannend wie Kriminalgeschichten genannt; das ist ein Lob der Lesbarkeit und eine Gefahr, das Leiden als Spannungsmittel zu verbrauchen. Clemm hält die Balance, so Carolin Emcke, zwischen der Beschreibung der Misshandlung und der Wiedergewinnung von Handlungs- und Sprechfähigkeit. Die Gegenposition ist jede Justiz, die den Zweifel regelmäßig gegen das Opfer sexualisierter Gewalt kehrt, und jede Öffentlichkeit, die Einzelfälle als Ausnahme verbucht. Amira Klute in der taz unterstrich das unerträgliche Ende vieler Verfahren in Freispruch oder Einstellung.

Einordnung

Das Buch hat die juristische Innenansicht in die literarische Öffentlichkeit geholt, ohne die Akten zu schönen. Die Zeit hob die eingeschobenen Rechtserklärungen hervor; Christine Gorny betonte die milieustudienhafte Genauigkeit. Es steht in der Nachbarschaft feministischer Rechtskritik und der Berichtsliteratur über häusliche Gewalt, verdichtet durch die Stimme der Nebenklage. Die Bestenliste signalisierte, dass das Thema als allgemeines Sachbuch gelesen werden sollte, nicht nur als Fachtext für Anwältinnen.

Das Missverständnis ist, hier Anklage ohne Verfahren oder umgekehrt nur Prozessbericht zu erwarten. Clemm zeigt, wie Gewalt und Justiz ineinanderliegen. Geblieben ist die Einsicht, dass jede dritte Frau Gewalterfahrung kennt und die Akte oft das zweite Unrecht ist. Wer nach 2020 über sexualisierte Gewalt, Polizei und Gerichte spricht, findet in diesem Band die Geschichten, die das abstrakte Wissen anschaulich machen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.