Aniara
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Aniara |
| Autor(en): | Harry Martinson |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Guggolz |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1956 |
| Seitenanzahl: | 179 Seiten |
| Originaltitel: | Aniara. En revy om människan i tid och rum |
| Originalsprache: | schwedisch |
| ISBN-10: | 3945370515 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783945370513 |
| Schlagwörter: | Weltraum, Verbannung, Erde, Gesang |
| Sachgebiete: | Versepos |
| Rezensionen | |
Aniara. Eine Revue vom Menschen in Zeit und Raum ist das Versepos von Harry Martinson, 1956 auf Schwedisch erschienen, in einhundertdrei Gesängen. Es ist kein Roman, auch wenn man es oft in einem Atem mit Zukunftserzählungen nennt: gebundene Sprache, Revue, Klage. Ein Raumtransporter mit achttausend Auswanderern sollte von der vergifteten Erde zum Mars; nach einem Ausweichmanöver treibt das Schiff aus dem Sonnensystem, unsteuerbar, die Vorräte endlicher als die Nacht. Martinson, Seemann und Nobelpreisträger von 1974, hat das Buch als Spiegel geschrieben, in dem sich der Kosmos in einem Tautropfen zeigt. Die erste deutsche Fassung kam 1961 bei Nymphenburger; 2025 folgte Lena Mareen Bruns' Neuübersetzung bei Guggolz.
Inhalt
Die Erde heißt Doris und ist durch Krieg und Ausbeutung kaum noch bewohnbar. Die Aniara, ein goldonder, fährt die Route zum Mars wie einen Fahrplan, bis sie einem unbekannten Körper ausweichen muss, in einen Meteorschauer gerät und die Steuerfähigkeit verliert. Das Schiff bleibt heil und rast doch ins Leere. Die Geschwindigkeit, die den Menschen gewaltig scheint, ist gegenüber der Raumzeit ein Stillstand; Martinson vergleicht die Aniara mit einer Luftblase im Glas von Gottes Geist. Der Ich-Erzähler ist der Mimarob, Hüter der Mima, einer denkenden Maschine, die Gedankenfragmente aus dem All auffängt und als Bilder zeigt. Die Bilder sind Trost und Unterhaltung, solange die Mima will. Chefone, der Befehlshaber, verschweigt das Ausmaß der Lage, bis es sich nicht mehr verschweigen lässt.
An Bord suchen die Menschen, was Menschen suchen, wenn Rettung ausfällt: Religion, Körper, Lehre, Tanz. Daisy Doody tanzt. Die Pilotin Isagel hält Kurs auf ein Ziel, das keines mehr ist. Die blinde Dichterin von Rind spricht, was die anderen nicht hören wollen. Die Mima zeigt zuletzt Bilder der sterbenden Erde, der Zerstörung, die man hinter sich glaubte, und geht zugrunde an dem, was sie empfängt. Der Mimarob verliert sein Amt und seinen Halt. Die Gesellschaft an Bord zerfällt in Kulte und Gleichgültigkeit; Feste werden gellender, die Moral dünner. Es gibt keine Ankunft, nur den Verbrauch von Luft, Erinnerung und Hoffnung.
Die späteren Gesänge gelten dem Sterben des Schiffs als Gemeinschaft. Einzelne sterben, andere verfallen, die Aniara fliegt weiter, ein Sarg mit Geschwindigkeit. Martinson schreibt keine Rettung und keinen neuen Planeten. Was bleibt, ist der Gesang selbst: die Revue, die den Menschen in Zeit und Raum zeigt, klein, verloren, noch fähig, Verse zu machen, während der Sauerstoff zur Neige geht. Der letzte Trost ist ästhetisch, nicht technisch. Wer ein Weltraumabenteuer erwartet, trifft ein Requiem. Wer ein Lehrgedicht über die Zerstörung der Erde erwartet, trifft es – in Strophen, nicht in Thesen.
Einordnung
Martinson hat das Atomzeitalter und die Angst vor der unbewohnbaren Erde in die Form des Epos gezwungen, ohne Homer zu imitieren. Die Gesänge sind modern, spröde, bildstark; die Mima ist keine bloße Rechenmaschine, sondern Gedächtnis und Gewissen, das an der Welt zerbricht. 1974 erhielt Martinson den Nobelpreis, hauptsächlich für dieses Werk, gemeinsam mit Eyvind Johnson; der Preis hat ihm in Schweden auch Hohn eingetragen. Karl-Birger Blomdahls Oper von 1959 nach Erik Lindegrens Libretto hat Aniara auf die Bühne gebracht. Der Film von Pella Kågerman und Hugo Lilja (2019) hat aus dem Epos einen Kammerspiel-Schrecken im Schiff gemacht und schwedische Filmpreise gewonnen.
Neben der Odyssee steht hier eine Heimkehr, die nicht stattfindet: kein Ithaka, kein Bett aus Ölbaum, nur Richtungslosigkeit als Schicksal. Die deutsche Versübertragung war lange die von Herbert Sandberg; Guggolz hat den Text 2025 neu hörbar gemacht. Aniara als Roman zu führen wäre bequem und falsch. Es ist ein Versepos des zwanzigsten Jahrhunderts, eine Revue, die den Menschen misst, nachdem er die Erde verbraucht hat. Wer nach Martinson über Flucht ins All spricht, spricht hinter diesen einhundertdrei Gesängen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
