Verney, der letzte Mensch

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Mary Shelley · 1826 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Verney, der letzte Mensch
Autor(en): Mary Shelley
Originaltitel: The Last Man
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1826
Schlagwörter: Seuche, Einsamkeit, Republik, Endzeit
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 590 Seiten
ISBN: 9783150207253
Verweise


Verney, der letzte Mensch ist der 1826 in London erschienene Endzeitroman von Mary Shelley, im englischen Original The Last Man. Die Verfasserin stellt dem Buch eine Fiktion voran: In der Sibyllengrotte bei Neapel habe sie auf Blättern eine Prophezeiung gefunden und daraus die Geschichte eines Mannes am Ende des einundzwanzigsten Jahrhunderts gemacht. England ist Republik geworden, eine Pest löscht die Menschheit aus, und Lionel Verney bleibt allein. Zeitgenossen fanden das Thema abgestanden und die Grausamkeit krank; das Buch verschwand, bis es 1965 neu gedruckt wurde. Die erste deutsche Fassung von 1982 bei Lübbe war stark gekürzt. Reclam legt die vollständige Übersetzung von Irina Philippi vor, unter dem Titel Der letzte Mensch.

Inhalt

Verney wächst verbittert als Waise auf, der Sohn eines verstoßenen Höflings. Adrian, Earl von Windsor und Sohn des letzten Königs, gewinnt ihn für Bildung und Freundschaft; Adrians Schwester Idris wird Verneys Frau, Verneys Schwester Perdita heiratet den Kriegshelden Lord Raymond, der statt der Krone das Amt des Lordprotektors nimmt. Shelley hat in Adrian Züge Percy Bysshe Shelleys gelegt, in Raymond Züge Lord Byrons, in Verney die eigene Stimme nach dem Tod der Freunde. Die erste Hälfte erzählt Politik und Liebe in einer aufgeklärten Republik: Raymond stützt heimlich die verarmte Griechin Evadne, Perdita wirft ihm Untreue vor, er legt das Amt nieder und zieht in den griechischen Krieg gegen die Osmanen. Vor Konstantinopel stirbt Evadne mit einer Prophezeiung; Raymond reitet allein in die von der Pest getroffene Stadt und kommt in einem Brand um. Perdita bleibt an seinem Grab.

Die Seuche greift auf Europa und Amerika über. In England übernimmt Adrian die Ordnung, als der neue Protektor stirbt; er hält Menschlichkeit aufrecht, während andere fliehen oder plündern. Schiffe mit Überlebenden aus Amerika landen in Irland, ziehen raubend durch die Inseln und fallen in England ein; Adrian stellt sich ihnen entgegen und beendet den Kampf ohne Schlacht. Idris, jahrelang von Angst ausgezehrt, stirbt in einem Schneestorm. Verney versöhnt sich am Grab mit der alten Gräfin, Adrians Mutter, die einst die Monarchie retten wollte. Die letzten Engländer setzen nach Frankreich über. Dort hat ein namenloser Hochstapler eine Sekte gesammelt, die Schutz vor der Pest verspricht und den Tod verheimlicht. Juliet deckt den Betrug auf und wird getötet; der Anführer tötet sich selbst. Die Reste schließen sich Adrian in Versailles an.

Die Überlebenden ziehen in die Schweiz, weil die Kühle Sicherheit vorgaukelt. Am Ende leben nur noch Verney, Adrian, Raymonds Tochter Clara und Verneys Sohn Evelyn. Evelyn stirbt an Typhus. Bei der Überfahrt nach Griechenland kentert das Boot; Adrian und Clara ertrinken. Verney rettet sich und ist der letzte Mensch. Er wandert durch die leeren Städte Italiens, schreibt die Chronik und denkt daran, die Meere zu befahren, vielleicht einem anderen Überlebenden zu begegnen, den es nicht gibt. Die Pest hat keine Moral und keinen Urheber; sie beendet Kriege, Republiken und Lieben gleichgültig. Was bleibt, ist eine Stimme, die niemanden mehr anredet.

Einordnung

Shelley hat nach Frankenstein kein zweites Schöpfungsbuch geschrieben, sondern ein Buch der Auslöschung. Die Romantik der Freunde – Philanthropie, Republik, der griechische Freiheitskrieg – zerfällt nicht an der Revolution, sondern an einer Krankheit, gegen die Reden nichts vermögen. Kari Lokke hat darin die Infragestellung der privilegierten Stellung des Menschen gegenüber der Natur gelesen; Hugh Luke die Einsicht, dass menschliches Dasein einsam und deshalb tragisch sei. Die Medizin der Zeit reicht nicht, der Astronom Merrival redet, während die Welt stirbt. Verney überlebt ohne Erklärung, immun und ohne Trost.

Die deutsche Rezeption hängt an der Ausgabe. Lübbe machte 1982 aus dem Titel einen Markennamen und schnitt den Text; Reclam hat 2021 die Länge und die Trauer zurückgegeben. Wer Shelleys Namen nur mit dem Geschöpf aus dem Labor verbindet, findet hier das Gegenstück: nicht der eine künstliche Körper, sondern das Ausbleiben aller Körper. Neben Frankenstein ist Verney, der letzte Mensch das Werk, in dem sie die Moderne als Seuche denkt, lange bevor die Gattung das Wort dafür hatte. Der letzte Satz gehört einem Mann, der schreibt, weil sonst niemand mehr da ist, der zuhören könnte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.