Nostromo

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Joseph Conrad · 1904 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Nostromo
Autor(en): Joseph Conrad
Originaltitel: Nostromo
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1904
Schlagwörter: Silber, Umsturz, Hafen, Charakter
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Manesse


Umfang dieser Ausgabe: 560 Seiten
ISBN: 9783717525738
Verweise

Nostromo ist ein Roman von Joseph Conrad, 1904 unter dem Untertitel A Tale of the Seaboard erschienen. Schauplatz ist die fiktive südamerikanische Republik Costaguana mit der Hafenstadt Sulaco und der Silbermine von San Tomé, um die sich einheimische Caudillos, britische Kapitalisten und ein italienischer Vorarbeiter drehen, den alle »unseren Mann« nennen. Nostromo, eigentlich Giovanni Battista Fidanza, gilt als unbezahlbarer Charakter, bis das Silber ihn korrumpiert. Conrad hat nach Herz der Finsternis die Kolonie ins Innere eines Kontinents verlegt, an dem Europa verdient. Der Satzbau ist verschachtelt, die Zeit springt, keine Stimme bleibt unbeteiligt.

Inhalt

Costaguana wechselt Diktaturen und Aufstände, als hätte Simón Bolívar das Meer gepflügt. In der Westprovinz Sulaco finanzieren ausländische Interessen die Mine, die Charles Gould als moralische Ordnung betreibt: Silber gegen Chaos. Seine Frau Emilia hält den menschlichen Rest zusammen. Kapitän Mitchell von der O.S.N.-Reederei leiht den Blancos stolz seinen Capataz de Cargadores: Nostromo, den Prachtkerl vom Volk, Adoptivsohn der Familie Viola, Garibaldi-Italiener im Exil. Dr. Monygham, verbogen von Folter und Schuld, durchschaut mehr als die Herren. Als ein populistischer Umsturz Sulaco bedroht, soll das Silber nicht den Rebellen fallen. Gould lässt es fortschaffen.

Nostromo und der Journalist Martin Decoud bringen die Barren nachts auf die Inseln der Isabellen; der Golf ist windstill, die Stadt hinter ihnen in Aufruhr. Decoud bleibt allein bei der Ladung, zerbricht an der Stille, beschwert seinen Körper mit Silber und versinkt. Nostromo kehrt zurück, erklärt den Schatz für verloren und verbirgt ihn. Sulaco spaltet sich vom restlichen Costaguana, wird eine Republik des Kapitals, Eisenbahn und Hafen blühen. Nostromo ist der Held des Volks und der nützliche Mann der Reichen; heimlich besitzt er, was niemandem gehören sollte. Der Charakter, auf den alle zählten, nährt sich fortan von einem Diebstahl, den er vor sich selbst als Recht des Betrogenen rechtfertigt.

Er verkehrt mit den Viola-Töchtern, zieht Giselle Linda vor, geht nachts zum versteckten Silber. Der alte Giorgio, der einen Dieb oder Freier wähnt, schießt. Nostromo stirbt, ohne den Ort des Schatzes ganz preiszugeben. Emilia und Monygham bleiben in einer Stadt, die sich für gerettet hält und das Silber weiter aus der Erde zieht. Conrad lässt den Titelhelden spät ins Zentrum treten: Erst ist er Werkzeug, dann Geheimnis, dann Leiche. Die Mine überlebt jede Revolution. Die materiellen Interessen, so Conrads bittere Formel, wechseln nur die Verwalter.

Einordnung

Nostromo gilt als Conrads politischster Roman und als eines der Bücher, in denen die Moderne die Erzählstimme zersplittert hat: Mitchell prahlt, Decoud spottet, Monygham misstraut, Emilia hofft, und der Erzähler rückt die Zeiten ineinander. Der Name ist Wortspiel: Schiffsmaat und »nostro uomo«, unser Mann – die Herr-Knecht-Formel, die den Stolz des Volkes zur Dienstbarkeit macht. Gegenüber Herz der Finsternis ist die Gewalt hier nicht der Kongo einer Firma, sondern der Kreislauf von Anleihe, Mine und Putsch. Juan Gabriel Vásquez hat Costaguana später in einem eigenen Roman weitergeschrieben; der Name Nostromo wanderte als Schiffsname in spätere Abenteuerfilme. Die Mine von San Tomé ist kein Schatzinsel-Motiv, sondern ein Betrieb, der Moral aus Dividende zieht.

Die Fernsehverfilmung von 1996 hat den Stoff entwirrt und damit die Form verfehlt, die das Buch schwer und groß macht. Wer nach Conrad über Imperialismus spricht, findet in Sulaco keine klare Anklage, sondern ein Netz aus guten Absichten und Profit. Gould glaubt an die Mine als Sittlichkeit; Nostromo glaubt an seinen Ruf; beide werden vom Silber gesprochen. Die Neuübersetzung von Julian und Gisbert Haefs mit Nachwort von Robert Menasse hat dem deutschen Leser die Härte der Ironie zurückgegeben, die ältere Fassungen oft glätteten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.