Krieg und Frieden

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Krieg und Frieden
Autor(en): Lew Tolstoi
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Carl Hanser Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 1868
Seitenanzahl: 2284 Seiten
Originaltitel: Wojna i mir
Originalsprache: russisch
ISBN-10: 3446235752
ISBN-13/

EAN-Code:

9783446235755
Schlagwörter: Napoleonische Kriege, Adel, Geschichtsphilosophie, Russland
Sachgebiete: Roman
Rezensionen

Krieg und Frieden (russisch Wojna i mir) ist der in vier Bänden 1868/69 erschienene Roman von Lew Tolstoi. Er schildert Russland in den Jahren 1805 bis 1812 und gilt als eine der größten Leistungen der Gattung. Die Angabe zum Umfang bezieht sich auf die zweibändige Ausgabe in der Übersetzung von Barbara Conrad.

Inhalt

Der Roman folgt vier Adelsfamilien durch sieben Jahre. Da ist Pierre Besuchow, unehelicher Sohn und plötzlicher Alleinerbe eines steinreichen Grafen, ein schwerfälliger, gutgläubiger Sucher, der von einer Weltanschauung zur nächsten stolpert und in eine Ehe mit der kalten Schönheit Hélène Kuragin gerät. Da ist die verarmte, warmherzige Familie Rostow mit der jungen Natascha. Da ist der friderizianisch strenge Fürst Bolkonski mit dem ehrgeizigen Sohn Andrej und der frommen Tochter Marja. Und da sind die Kuragins aus Petersburg, glatt, höfisch und ohne Skrupel.

Dazwischen liegt der Krieg. Andrej zieht in die Schlacht bei Austerlitz, wird schwer verwundet und liegt unter dem hohen, gleichgültigen Himmel, unter dem sein Heldentraum und der Ruhm Napoleons ihm zugleich lächerlich vorkommen. Natascha erlebt ihren ersten Ball, verlobt sich mit Andrej und lässt sich fast von Anatol Kuragin entführen; die Verlobung platzt. 1812 marschiert Napoleon nach Russland. Bei Borodino irrt Pierre als Zivilist über das Schlachtfeld, ohne zu begreifen, was er sieht, und der Leser mit ihm – Tolstoi zeigt Schlachten nicht als Feldherrnpläne, sondern als Chaos, in dem Befehle folgenlos verhallen.

Moskau brennt, Pierre bleibt zurück, um Napoleon zu töten, und gerät in Gefangenschaft. Dort lernt er von dem Bauern Platon Karatajew, dass Leben nicht verstanden, sondern gelebt wird – die Einsicht, die er in Büchern und Logen nie gefunden hat. Andrej, ein zweites Mal verwundet, stirbt in Nataschas Pflege, versöhnt und schon abgewandt. Am Ende heiraten Pierre und Natascha, Nikolai Rostow und Marja Bolkonskaja; der Epilog blickt auf das Jahr 1820, auf Kinder, Gutswirtschaft und die ersten Umrisse politischer Verschwörung. Tolstoi unterbricht die Handlung dabei immer wieder für Aufsätze über Geschichte, in denen er die Vorstellung zerlegt, große Männer würden sie lenken.

Einordnung

Angefangen hatte Tolstoi mit einem anderen Buch: Ein Fragment über eine Dekabristenfamilie, die nach dreißig Jahren aus sibirischer Verbannung zurückkehrt, führte ihn beim Zurückverfolgen der Lebensläufe bis in die Napoleonzeit. Für eine kürzere, harmlosere Fassung war der Titel Ende gut, alles gut vorgesehen. Geblieben ist eine Verbindung aus Familienchronik, Kriegsdarstellung und Geschichtsphilosophie, die den historischen Roman neu definierte – und in der die Hauptsache nie bei Napoleon, Alexander I. oder Kutusow liegt, sondern bei den Menschen, über die hinweg Geschichte gemacht wird.