Spieltrieb

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Spieltrieb
Autor(en): Juli Zeh
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: btb
Serie:
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenanzahl: 576 Seiten
Originaltitel: Spieltrieb
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3442733693
ISBN-13/

EAN-Code:

9783442733699
Schlagwörter: Schule, Macht, Spieltheorie, Recht
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Spieltrieb ist der 2004 erschienene Roman von Juli Zeh. An einem Bonner Privatgymnasium geraten eine frühreife Schülerin, ein neuer Mitschüler und ein Lehrer in ein Verhältnis aus Abhängigkeit, Erpressung und Theorie. Zeh, Juristin und Autorin von Adler und Engel, hat den Schulroman mit Spieltheorie, Nihilismus und einem Gerichtsfinale beladen. Der Titel meint nicht den Sport, sondern den Antrieb, Regeln zu setzen und Menschen darin zu halten. Die Kritik spaltete sich in Bewunderung für die Sprache und den Vorwurf der Altklugheit.

Inhalt

Ada kommt ans fiktive Ernst-Bloch-Gymnasium, eine private Schule für Kinder, denen andere Anstalten nicht mehr weiterhelfen. Sie ist unterfordert, scharfzüngig, ohne den Glauben, den andere für selbstverständlich halten, und findet Anschluss nur über eine Schülerband. Im zweiten Jahr erscheint Alev, älter, wortmächtig, welterfahren und in den Leistungen unstet. Er gibt Ada Lektüre zur Spieltheorie und zieht sie in ein Vorhaben: den Deutsch- und Sportlehrer Szymon Smutek in eine Lage zu bringen, aus der sich Gehorsam und Geld erpressen lassen. Smutek, polnischer Herkunft, gewissenhaft und den Schülern zugewandt, ist bereits durch eine Rettungstat und die Nähe des gemeinsamen Laufens an Ada geraten. Alev bestimmt die Regeln, fertigt Beweismittel und stellt sie ins Netz der Schule.

Das abgekartete Spiel hält einige Wochen, dann entzieht es sich den Spielern. Ada und Smutek suchen einen Rest von Eigenwillen, Alev erklärt die Partie für beendet. Smutek schlägt Alev nieder und verletzt ihn schwer. Vor Gericht, unter der Richterin, die intern die kalte Sophie heißt, spricht Ada als Zeugin ein vorbereitetes Plädoyer zugunsten des Lehrers. Smutek bleibt straffrei, Alev erhält eine Bewährungsstrafe. Die Erzählerin, die sich als ebenjene Richterin zu erkennen gibt, schreibt den Fall in der Zeit zwischen den Instanzen nieder. Smutek, von der Frau getrennt, fährt mit Ada nach Wien und weiter nach Südosten. Der Roman schließt nicht mit der Sühne, sondern mit einer Reise, deren Ziel offener ist als das Urteil.

Nebenher stirbt der gefürchtete Geschichtslehrer Höfling, an dem Ada sich geistig gerieben hat; der neue Direktor Teuter will Denken als Beschreiten, nicht als Überschreiten. Zeh lässt die Schule den Namen Ernst Blochs tragen, das Prinzip Hoffnung, und stellt dagegen eine Jugend, die behauptet, nicht einmal mehr etwas zu haben, woran sie nicht glauben könne.

Einordnung

Zeh schreibt den Schulroman als Rechtsfall und als Disput. Ada und Alev berufen sich auf Pragmatismus und Spieltrieb, wo ältere Generationen noch Ideologien hatten; Smutek hält an Pflicht und Empfindung fest und stürzt genau darüber. Der Text zitiert Robert Musils Mann ohne Eigenschaften im Unterricht und steht neben den Verwirrungen des Zöglings Törleß: Jugendliche erproben Macht an einem Schwächeren, hier am Lehrer, nicht am Mitschüler. Nabokovs Ada und Lolita liefern Namen und das verkehrte Täter-Opfer-Schema, ohne dass Zeh die Vorlage nachspielt. Ulrich Greiner lobte in der Zeit Schärfe und Tempo; Richard Kämmerlings in der FAZ tadelte Geschwätzigkeit und schiefe Bilder.

Die Theaterfassung von Bernhard Studlar kam 2006 in Hamburg heraus, Gregor Schnitzlers Film 2013. Beide müssen die Essaylagen kürzen, die den Roman tragen, und machen aus dem Disput eine Geschichte, die sich auf der Bühne und auf der Leinwand halten lässt. Wer Zeh später in den Brandenburg-Romanen sucht, findet hier noch die juristische Kälte und die Bonner Herkunft, dazu eine Schule, die Hoffnung im Namen trägt und sie im Alltag nicht einlöst. Das Buch bleibt unbequem, weil es die Erpressung nicht nur anklagt, sondern als Experiment vorführt, dessen Ausgang die Theorie nicht vorhergesagt hat.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.