Die Blendung

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Elias Canetti· 1935· Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Die Blendung
Autor(en): Elias Canetti
Originaltitel: Die Blendung
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1935
Schlagwörter: Bibliothek, Wahnsinn, Wien, Gelehrter
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 592 Seiten
ISBN: 9783596903214
Rezensionen
Umschlag

Die Blendung ist der 1935 erschienene einzige Roman von Elias Canetti, im Jahr darauf bei Reichner in Wien gedruckt. Der Sinologe Peter Kien lebt in einer Festung aus fünfundzwanzigtausend Bänden, heiratet die Haushälterin, weil sie Bücher zu achten vorgibt, und verbrennt am Ende mit der Bibliothek. Canetti hat das Buch in Wien geschrieben, nach einem Sommer in Berlin, der ihm die Stadt als Irrenhaus zeigte. Der ursprüngliche Held hieß Brand, dann Kant; Hermann Broch drängte auf Kien, das harzreiche, leicht entzündliche Holz. 1981 erhielt Canetti den Nobelpreis; die Blendung blieb das eine große Erzählwerk daneben.

Inhalt

Peter Kien, „größter lebender Sinologe“, hat die Wohnung in eine Bibliothek verwandelt und die Welt ausgesperrt. Die Haushälterin Therese Krumbholz behandelt die Bände so gewissenhaft, dass Kien sie heiratet. In der Hochzeitsnacht fegt sie Bücher vom Diwan; der Kampf um Räume, Möbel und Geld beginnt. Therese will Besitz und Nähe, Kien Ruhe und Sprechverbot. Sie prügelt ihn, er verwandelt sich wochenlang in Stein am Schreibtisch. Schließlich wirft sie ihn aus der eigenen Wohnung.

Kien irrt durch die Stadt mit einer Kopfbibliothek, einem eingebildeten Katalog, den er mit sich trägt. In der Kneipe Zum idealen Himmel trifft er Siegfried Fischer, genannt Fischerle, einen buckligen Zuhälter, der sich für ein Schachgenie hält und nach Amerika will. Kien „rettet“ Bücher vor der Verpfändung im Theresianum; Fischerle schickt denselben Packen immer wieder vorbei und saugt Kiens Geld ab. Er telegrafiert an Kiens Bruder, den Pariser Psychiater Georg Kien, und wird später von einem Komplizen ermordet. Therese beginnt ein Verhältnis mit dem Hausbesorger Benedikt Pfaff, einem sadistischen Aufseher, und will die Bibliothek versetzen. Im Theresianum prallen Kien, Therese und Pfaff aufeinander; Kien hält Therese für tot und gesteht der Polizei einen Mord, den es nicht gibt.

Georg holt den Bruder zurück in die Wohnung, treibt Therese und Pfaff hinaus und reist nach Paris. Kien sieht in Georg nur noch einen Feind der Bücher. Verfolgt von der Vorstellung, lebenslänglich einsitzen zu müssen, und von den Schreien der im Theresianum verbrennenden Bände, zündet er die Bibliothek an und geht mit ihr ins Feuer. Der Gelehrte, der die Welt durch Schrift ersetzen wollte, wird von der Schrift nicht gehalten.

Einordnung

Canetti hat die Figuren als „akustische Masken“ gebaut: enge Wortschätze, Wiederholungen, Wiener Redensarten, hinter denen Trieb und Gier durchschlagen. Therese spricht in Floskeln über Jugend und Kartoffeln, Pfaff in Sätzen über Vaterrecht; Kien spricht in Titeln. Die Welt, so Canetti nach Berlin, war zerfallen und nur noch in extremen Individuen darzustellen. Kafka, Gogol und Stendhal hat er als Anreger genannt; Rezensenten haben die Mitleidlosigkeit betont, mit der die Blendung ihre Menschen vorführt. Der Brand des Wiener Justizpalastes 1927 und das Gefühl, dass Recht zur Farce wird, liegen unter dem Buch.

Lange blieb der Roman ohne Echo; nach 1945 und vollends mit dem Nobelpreis wurde er als Jahrhundertbuch des Wahnsinns und der Masse vor der Masse gelesen – Canettis Essay Masse und Macht führt denselben Schrecken theoretisch weiter. Verfilmungen haben dem Stoff kaum beigekommen; er hängt am Satz und an der Stimme, an Therese, die den Kopf schief hält, und an Kien, der in Stein sitzt. Wer Canetti nur als Aphoristiker oder als Autobiographen der geretteten Zunge kennt, findet hier die Erfindung, die alles andere trägt: den Menschen, der in Büchern wohnt und an der Welt verbrennt. Die Fischer-Taschenbuchausgabe der Werke ist die greifbare Form.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.