Die Akte Odessa

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Akte Odessa
Autor(en): Frederick Forsyth
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Piper
Serie:
Erscheinungsjahr: 1972
Seitenanzahl: 272 Seiten
Originaltitel: The Odessa File
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3492302165
ISBN-13/

EAN-Code:

9783492302166
Schlagwörter: NS-Täter, Journalist, Hamburg, Israel
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Die Akte Odessa ist der 1972 erschienene Spannungsroman von Frederick Forsyth, deutsch 1973. Ein Hamburger Reporter liest das Tagebuch eines Überlebenden und jagt den Lagerkommandanten Eduard Roschmann durch die Bundesrepublik der sechziger Jahre. Forsyth mischt erfundene Jagd mit zeitgeschichtlichen Fakten: deutsche Raketenbauer in Ägypten, Simon Wiesenthal in Wien, die schleppende Verfolgung von NS-Tätern. Die Organisation Odessa, im Buch eine straffe SS-Nachfolge, ist literarische Zuspitzung, keine belegte Behörde. Der Roman stand 1973 wochenlang auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste.

Inhalt

Hamburg, 1963. Der Illustriertenreporter Peter Miller stößt nach dem Selbstmord des alten Salomon Tauber auf dessen Tagebuch, das schon auf dem Müll liegt. Tauber hat sich umgebracht, weil er dem Kommandanten von Riga, Eduard Roschmann, auf der Straße begegnet ist – unbehelligt, unter neuem Namen. Miller recherchiert bei Behörden, die desinteressiert, eingeschüchtert oder von oben gebremst sind. Ein Staatsanwalt der Zentralen Stelle deutet ihm das Berlin Document Center an; dort weckt Miller die Aufmerksamkeit ehemaliger Nationalsozialisten. In Wien erklärt ihm Simon Wiesenthal das Netz, das Forsyth Odessa nennt: Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen, mit Seilschaften in Wirtschaft, Polizei und Fluchtwegen nach Südamerika und Ägypten.

Miller hat einen privaten Grund: Im Tagebuch erkennt er den Tod seines Vaters, eines Wehrmachtsoffiziers, den Roschmann erschossen hat. Überlebende und der Mossad schleusen den Journalisten als angeblichen SS-Mann in das Netz; er lernt Rituale, trägt eine ältere Maske, sucht die Liste eines Passfälschers, die alte und neue Namen verbindet. Ein Killer der Odessa baut eine Bombe in Millers Wagen, die nicht zündet. Miller findet Roschmann als Fabrikanten von Radiogeräten, hinter deren Fassade Lenksysteme für ägyptische Raketen gegen Israel entstehen. Der Zugriff misslingt; Leibwächter überwältigen Miller, Roschmann flieht. Der Mossad-Agent Uri Ben Shaul, von Millers Freundin Sigi alarmiert, kommt rechtzeitig.

Die Forschungsabteilung wird aufgelöst, die unmittelbare Raketengefahr gebannt. Die Akte des Passfälschers enttarnt Namen, viele Odessa-Leute ziehen sich zurück. Roschmann entkommt nach Südamerika, wie so viele Täter der wirklichen Nachkriegsjahre, die Forsyth in die Erfindung hineingezogen hat. In Yad Vashem spricht Ben Shaul ein Gebet für Tauber. Forsyth widmet das Buch allen Reportern. Der Schluss gibt dem Toten, was die deutsche Justiz ihm verweigert hat: ein Gedächtnis, das nicht in der Schublade bleibt, und eine Jagd, die wenigstens auf dem Papier zu Ende kommt.

Einordnung

Forsyth, selbst Journalist, hat den politischen Spannungsroman auf Recherche und Fahrplan gebaut, näher an der Reportage als am Rätsel. Die erste Hälfte, Millers Gang durch deutsche Dienststellen, hält die Bundesrepublik der Adenauer- und Erhard-Jahre fest: Eliten, die zurückgekehrt sind, jüngere Beamte mit gebundenen Händen. Die zweite Hälfte steigert zur Verschwörung und zur Raketenakte; zeitgenössische Kritiker wie Hellmuth Karasek fanden genau das überzogen. Historiker haben die straffe Odessa seither als Mythos beschrieben; Fluchtwege gab es, ein Kommandozentrum dieses Namens nicht. Das ändert den Roman nicht in eine Lüge, aber in eine Zuspitzung, die wie Wahrheit gelesen wurde.

1974 kam die Verfilmung mit Jon Voight heraus; sie hat Roschmann und die Jagd popularisiert und Wiesenthal als Figur ins Kino geholt. Wer Forsyth nach Der Schakal liest, findet hier denselben kalten Aufbau und einen deutschen Schauplatz, der unbequemer ist als Paris. Das Buch hat der Nachkriegsjustiz ein Bild gegeben, das genauer ist als seine Organisationstheorie: nicht die geheime Zentrale, sondern die Müdigkeit der Amtsstuben. Es bleibt lesenswert als Dokument einer Zeit, in der die Täter noch Nachbarn waren, und als Maschine aus Terminen, Decknamen und Dienstwegen. Die Piper-Taschenbuchausgabe ist die greifbare deutsche Form.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.