Pedro Páramo

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Pedro Páramo
Autor(en): Juan Rulfo
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Carl Hanser Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 1955
Seitenanzahl: 174 Seiten
Originaltitel: Pedro Páramo
Originalsprache: spanisch
ISBN-10: 3446230661
ISBN-13/

EAN-Code:

9783446230668
Schlagwörter: Mexiko, Geisterdorf, Kazike, Erzählexperiment
Sachgebiete: Roman
Rezensionen

Pedro Páramo ist der 1955 erschienene erste und einzige Roman des Mexikaners Juan Rulfo. Der schmale Band gilt als Klassiker der lateinamerikanischen Literatur und als Vorläufer des magischen Realismus.

Inhalt

Juan Preciado erfüllt das Versprechen, das er seiner sterbenden Mutter gegeben hat: Er reist nach Comala, um seinen Vater Pedro Páramo aufzusuchen und einzufordern, was dieser der Familie schuldet. Die Mutter hat ihm das Dorf als grünes, duftendes Tal beschrieben. Er findet eine Ruine in glühender Hitze, leere Gassen, verfallene Häuser und Menschen, deren Auskünfte immer merkwürdiger werden – bis er begreift, dass er mit Toten spricht. Auch der Maultiertreiber, der ihn hinuntergeführt hat, war eines der vielen Kinder Pedro Páramos und ist längst gestorben.

In siebzig kurzen, oft nur halbseitigen Bruchstücken mischen sich immer mehr Stimmen ein, und aus ihnen setzt sich die Vorgeschichte zusammen. Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters hat Pedro Páramo die Verhältnisse umgedreht: Er heiratet, um Schulden zu tilgen, treibt Nachbarn von ihrem Land, lässt töten, wenn Reden nicht reicht, und macht sich zum Kaziken der Gegend. Als die Revolution ins Tal kommt, kauft er die Aufständischen und schickt sie im eigenen Interesse weiter. Von seinen zahllosen Kindern erkennt er nur Miguel an, einen Vergewaltiger und Mörder, der bei einem Reitunfall ums Leben kommt.

Der Roman gibt seine eigene Konstruktion erst spät preis: Juan Preciado liegt selbst im Grab und erzählt neben der Toten Dorotea, was ihm zugetragen wird. Pedro Páramos Macht scheitert nicht an Gegnern, sondern an der Frau, die er nie erreicht – seiner Jugendliebe Susana San Juan, die dem Wahnsinn verfällt und stirbt, ohne ihn je wahrgenommen zu haben. Als das Dorf ihren Tod mit einem Fest verwechselt, lässt Pedro Páramo Comala verhungern und sitzt bis zuletzt regungslos vor seinem Haus, bis er in sich zusammenfällt wie ein Steinhaufen.

Einordnung

Rulfo verzichtet auf Chronologie, Erzählerhierarchie und Erklärung; Lebende und Tote sprechen im gleichen Ton, und der Leser muss die Reihenfolge selbst herstellen – Verfahren, die in Lateinamerika erst ein Jahrzehnt später verbreitet waren. Zugleich ist das Buch ein Anti-Revolutionsroman, der den Mythos der mexikanischen Erhebung als Beute lokaler Machthaber entlarvt. Gabriel García Márquez nannte die Lektüre den Anstoß, der ihm Hundert Jahre Einsamkeit ermöglichte.