Fiktionen
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Fiktionen |
| Autor(en): | Jorge Luis Borges |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Fischer Verlag |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1944 |
| Seitenanzahl: | 187 Seiten |
| Originaltitel: | Ficciones |
| Originalsprache: | spanisch |
| ISBN-10: | 3596124034 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783596124039 |
| Schlagwörter: | Labyrinth, Unendlichkeit, Bibliothek, Phantastik |
| Sachgebiete: | Erzählungen |
| Rezensionen | |
Fiktionen (spanisch Ficciones) ist der 1944 erschienene Erzählband von Jorge Luis Borges, der siebzehn Texte versammelt. Sieben davon hatte der Argentinier bereits 1941 in einer kleineren Sammlung veröffentlicht. Neben Das Aleph ist es sein bekanntestes Buch.
Inhalt
Die Erzählungen sind keine Geschichten im üblichen Sinn, sondern Gedankenexperimente in erzählerischer Form: Jede entwickelt eine paradoxe Voraussetzung mit der Ruhe eines Lexikonartikels. In Tlön, Uqbar, Orbis Tertius stößt der Erzähler auf Spuren einer erfundenen Welt, deren Sprachen keine Substantive kennen und deren Gegenstände allmählich in die wirkliche Welt einwandern. In Die Bibliothek von Babel besteht das Universum aus sechseckigen Galerien mit allen möglichen Büchern – und damit fast ausschließlich aus Unsinn, in dem irgendwo jede Wahrheit steht.
Andere Texte greifen das Verhältnis von Autor, Text und Leser an. Der fiktive Franzose Pierre Menard schreibt Wort für Wort einige Kapitel des Don Quijote neu, und weil er es im 20. Jahrhundert tut, bedeuten die identischen Sätze etwas völlig anderes. Der Garten der Pfade, die sich verzweigen verkleidet eine Spionagegeschichte aus dem Ersten Weltkrieg als Rätsel über einen Roman, in dem alle Möglichkeiten gleichzeitig eintreten. Die kreisförmigen Ruinen erzählt von einem Mann, der einen Menschen erträumt, und am Ende bemerkt, dass er selbst geträumt wird.
Immer wieder geht es um Gedächtnis, Zufall und Ordnung. Die Erzählung über den Landjungen Funes zeigt einen Menschen, der nach einem Sturz nichts mehr vergessen kann und gerade darum nicht mehr denken kann, weil Denken Verallgemeinern heißt. Die Lotterie in Babylon beschreibt einen Staat, der das Los zum einzigen Prinzip erhebt, Der Tod und der Kompass einen Detektiv, dessen scharfsinnige Deutung ihn genau in die für ihn gebaute Falle führt. Borges beglaubigt all das mit erfundenen Fußnoten, Verlagsorten und Jahreszahlen, sodass sich Erdachtes und Belegbares nicht mehr trennen lassen.
Einordnung
Borges stellt sich mit dem Titel in die Tradition von Poe und E. T. A. Hoffmann, erfindet aber eigene Gattungen – etwa die Rezension eines Buches, das es nicht gibt. Sein Bildungsmaterial reicht von den Vorsokratikern über die Scholastik bis zu Schopenhauer, und er behandelt es als Steinbruch, nicht als Autorität. Die Vermischung von Realität und Fiktion, die knappe, klare Prosa und die Bilder von Labyrinth, Spiegel und Bibliothek haben Generationen von Autoren geprägt und gelten als Ausgangspunkt der literarischen Postmoderne.