Der stille Don

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der stille Don
Autor(en): Michail Scholochow
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: dtv
Serie:
Erscheinungsjahr: 1928
Seitenanzahl: 1473 Seiten
Originaltitel: Тихий Дон
Originalsprache: russisch
ISBN-10: 3423127287
ISBN-13/

EAN-Code:

9783423127288
Schlagwörter: Kosaken, Bürgerkrieg, Don, Liebe
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Der stille Don ist das vierteilige Romanepos, das unter dem Namen Michail Scholochow zwischen 1928 und 1940 erschien. Der russische Titel nennt den Fluss, nicht die Stille; erzählt wird das Gegenteil von Ruhe: Weltkrieg, Revolution und Bürgerkrieg im Land der Donkosaken. Im Zentrum steht Grigori Melechow, der zwischen den Lagern zerrieben wird und am Ende ohne Sieg nach Hause kommt. Das Buch galt in der Sowjetunion als Muster des sozialistischen Realismus und trug 1965 zum Nobelpreis für Scholochow bei. An der alleinigen Autorschaft ist seit dem ersten Druck gezweifelt worden; die Zweifel gehören zur Geschichte des Werks, ohne dass sich der Streit eindeutig entscheiden ließe.

Inhalt

Grigori Melechow wächst in einem Chutor am Don auf, in einer Familie, deren türkische Ahnenlinie im Dorf als Makel gilt. Er liebt Aksinja, die Frau des Nachbarn Stepan Astachow; die beiden beginnen ein Verhältnis, das das Dorf nicht dulden will. Die Familie zwingt Grigori zur Heirat mit Natalja, einer stillen, rechtschaffenen Frau. Grigori flieht mit Aksinja, dient als Knecht, kehrt zurück, als Aksinja ihn betrügt, und zeugt mit Natalja Kinder. Der Weltkrieg holt ihn ein. Er kämpft tapfer, wird verwundet, sieht den industriellen Tod und bringt aus dem Feld einen Riss mit, den keine Parole schließt. Die Oktoberrevolution und der Bürgerkrieg zerlegen das Kosakenland: Rote, Weiße, Grüne, Atamanen, Kommissare. Grigori schließt sich den Bolschewiki an und verlässt sie wieder; er dient den Weißen und kann ihre Ziele nicht teilen. Er sitzt zwischen den Stühlen, weil er ein friedliches Kosakenleben will, das es nicht mehr gibt.

Die Familie stirbt um ihn herum. Der Bruder Petro fällt; der Vater, die Schwägerin, Verwandte und Freunde gehen im Krieg unter. Natalja, nachdem Grigori zu Aksinja zurückgekehrt ist, stirbt an einer misslungenen Abtreibung. Die Schwester Dunja heiratet Michail, einen überzeugten Bolschewiken, der den ehemaligen Rittmeister Grigori vor die neue Macht zerren will. Grigori ahnt, dass Rechenschaft den Tod bedeuten kann, schließt sich einer Bande an, die die Rote Armee zerschlägt, und versteckt sich. Er holt Aksinja zur Flucht; auf dem Weg wird sie erschossen. Grigori begräbt sie und legt die Waffen ab. Er kehrt in den Chutor zurück, getrieben von der Sehnsucht nach den Kindern.

Am Ende findet er den Sohn. Die Tochter ist tot; der gefährliche Schwager Michail ist an der Front. Vater und Sohn umarmen sich. Der Roman schließt nicht mit einer Lehre und nicht mit einem Sieg. Der Don fließt weiter, das Kosakentum ist als Lebensform zerbrochen, und Grigori hat alle Parteien durchlaufen, ohne einer anzugehören. Scholochow erzählt in Szenen und Dialogen, oft ohne Kommentar, mit hartem Wechsel von Ruhe und Gewalt, von derb Komischem und Trauer. Die Landschaft ist keine Folie: Steppe, Hochwasser, Ernte und die Höfe handeln mit. Wer den Band als bloße Heldengeschichte eines Reiters liest, hat die Leere am Schluss nicht ausgehalten.

Einordnung

Das Epos steht in der Nachbarschaft von Lew Tolstois Kriegsprosa, ohne deren moralische Instanz zu übernehmen. Es zeigt die Kosaken weder als reines Volk der Freiheit noch als bloße Konterrevolution; es zeigt, wie ein Stand zwischen den Mühlsteinen der Moderne zerrieben wird. Die sowjetische Kritik hat das Buch lange als Beweis gelesen, dass ein proletarischer Autor das große Epos schreiben könne. Dagegen steht die seit 1928 wiederkehrende These, der junge Scholochow habe Manuskripte anderer – etwa des Kosaken Fjodor Krjukow – benutzt oder fortgeschrieben. Gefundene Handschriften, statistische Stilvergleiche und ideologische Gegenreden haben den Streit nicht beendet. Für die Lektüre bleibt: Der Text ist reicher, volkstümlicher und widersprüchlicher als die übrigen unter Scholochows Namen gedruckten Bücher.

Verfilmungen, darunter die von Sergei Gerassimow, haben Grigori oft zum tragischen Helden einer Nation gemacht. Der Roman ist kälter. Er verweigert die Typisierung, die der sozialistische Realismus sonst verlangt, und lässt den Protagonisten in einer Umarmung stehen, die nichts wiedergutmacht. Wer nach 1940 über den Bürgerkrieg am Don spricht, spricht hinter diesem Buch; wer es nur als Nobelpreisbeleg nimmt, hat Aksinja im Schnee und Nataljas Tod nicht gelesen. Die deutsche Taschenbuchausgabe versammelt die vier Teile in einem Band und macht sichtbar, was die serielle Erstveröffentlichung verdeckte: einen Bogen von 1912 bis in die frühen zwanziger Jahre, ohne Versöhnung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.