Neue Vahr Süd

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Sven Regener · 2004 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Neue Vahr Süd
Autor(en): Sven Regener
Originaltitel: Neue Vahr Süd
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2004
Schlagwörter: Bremen, Bundeswehr, Wohngemeinschaft, Wehrpflicht
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Goldmann


Umfang dieser Ausgabe: 640 Seiten
ISBN: 9783442497584
Verweise
Umschlag

Neue Vahr Süd ist der 2004 erschienene Roman von Sven Regener, die Vorgeschichte zu Herr Lehmann. Im Sommer und Herbst 1980 leistet Frank Lehmann, den noch niemand Herr Lehmann nennt, den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr, weil er verschlafen hat, den Kriegsdienst zu verweigern. Der Titel nennt das Bremer Neubaugebiet, in dem Frank aufgewachsen ist und aus dem er nicht herausfindet, auch dann nicht, wenn er in einer Wohngemeinschaft im Viertel am Ostertorsteinweg landet. Regener, Musiker der Band Element of Crime, schreibt in der alten Rechtschreibung, lakonisch, mit dem Refrain »dachte er«, und macht aus Kasernenhof, Abwaschstreit und Liebschaften einen Roman, der die Bundesrepublik der Wehrpflicht von unten erzählt. Hermine Huntgeburth hat 2010 für die ARD mit Frederick Lau verfilmt.

Inhalt

Frank rückt in die Niedersachsen-Kaserne in Dörverden-Barme ein. Die erste Woche nutzen die Eltern, sein Zimmer in der Neuen Vahr für das Hobby des Vaters umzuräumen; Frank, vor die Tür gesetzt, zieht in eine WG, in der sich organisierte Linke, ehemals Organisierte und Punks die Küche teilen. Ein nachträglicher Antrag auf Verweigerung scheitert. Der Roman pendelt zwischen Stube und WG: Hemden auf DIN-A4 falten, durch den Schlamm robben, Befehle, die keinen Sinn haben außer dem Befehl; daneben Plenumsdebatten über den Abwasch, über Revolution, über die Frage, wer Sibille küssen darf. Frank denkt ununterbrochen und sagt wenig; die Komik entsteht daraus, dass beides nicht zusammenkommt.

Die Bundeswehr erscheint nicht als Anstalt des Bösen, sondern als Maschine der Lächerlichkeit, der man sich nicht entziehen kann, sobald man einmal drin ist. Kameraden, Unteroffiziere, der Alltag der Wehrpflicht – Regener nimmt sie ernst genug, um sie genau zu beschreiben, und nicht ernst genug, um ihnen Pathos zu leihen. In der Stadt proben die Mitbewohner den Umsturz und scheitern am Müll. Frank, hin- und hergerissen zwischen Anpassung und dem Wunsch, nicht der Spießer aus der Vahr zu sein, sucht eine Haltung, die keine der beiden Seiten ihm liefert. Liebschaften entstehen und zerfallen im Umkreis der WG, ohne dass daraus eine Rettung würde.

Gegen Ende steht das öffentliche Gelöbnis im Weserstadion, das Regener auf den 5. November datiert; die historischen Krawalle waren am 6. Mai 1980, mit Hunderten Verletzten und dem Slogan, der in Bremen noch Jahre an den Wänden stand. Frank erlebt die Stadt und die Kaserne in denselben Wochen als zwei Wirklichkeiten, die voneinander nichts wissen wollen und denselben Mann brauchen. Im November fährt er nach Berlin; dort setzen Der kleine Bruder, Wiener Straße und Glitterschnitter die Vorgeschichte fort, bis 1989 Herr Lehmann den Barkeeper zeigt, der aus diesem Wehrpflichtigen geworden ist. Neue Vahr Süd endet, bevor Berlin ihn umtauft; der Name Frank reicht noch.

Einordnung

Regener hat den deutschen Comicroman der Gegenwart nicht erfunden, aber eine Stimme gefunden, die Bremen 1980 so trocken erzählt, als wäre Lakonie eine Form von Genauigkeit. Der innere Monolog – Hunderte Male »dachte er« – ist kein Kunstgriff um seiner selbst willen: Frank ist ein Mensch, dem das Denken davoneilt, während der Körper strammsteht. Gegenüber Herr Lehmann, das den Mauerfall aus der Kneipe betrachtet, ist Neue Vahr Süd das Buch der Institution: Bundeswehr und WG als zwei Schulen der Gemeinschaft, die beide den Einzelnen überfordern. Die Entscheidung, die Orthographie von 1980 zu halten, gehört zum Beharren darauf, dass Vergangenheit nicht in heutiger Schreibung stattfindet.

Die Verfilmung hat den Stoff ins Fernsehen geholt und verkürzt, was der Roman durch Wiederholung gewinnt: den Kasernenalltag, das Nicht-Ereignis, das Denken im Kreis. Regener, der als Musiker vom Refrain kommt, baut den Roman aus Wiederholungen, die nicht langweilen, weil jede eine kleine Verschiebung trägt. Wer die Bundesrepublik der Wehrpflicht nur aus Politikerreden kennt, findet hier den Mann, der den Antrag verpasst hat und trotzdem kein Soldat wird, nur jemand, der die Zeit absitzt. Die angegebene Goldmann-Taschenbuchausgabe von 2026 zählt 640 Seiten; die Erstausgabe erschien 2004 bei Eichborn.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.