Über Menschen
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Über Menschen |
| Autor(en): | Juli Zeh |
| Originaltitel: | Über Menschen |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2021 |
| Schlagwörter: | Brandenburg, Nachbarschaft, Pandemie, Rechtsextremismus |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | btb
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| Umfang dieser Ausgabe: | 416 Seiten |
| ISBN: | 9783442772193 |
| Rezensionen | |
Über Menschen ist der 2021 bei Luchterhand erschienene Roman von Juli Zeh, im folgenden Jahr als Taschenbuch bei btb. Die Handlung spielt im Frühjahr 2020, in den Wochen der ersten Kontaktbeschränkungen, zwischen Berlin und dem erfundenen Straßendorf Bracken in der Prignitz. Zeh hat gesagt, sie wolle mentale Schranken überwinden helfen: zwischen Stadt und Land, zwischen linker Milieusprache und rechtem Nachbarn, zwischen privater Unzufriedenheit und politischer Sprengkraft. Der Titel verdreht das Wort Übermensch und meint zugleich das Gerede über Menschen, das sie zu Typen macht. Es war das meistverkaufte belletristische gebundene Buch des ersten Halbjahres 2021.
Inhalt
Dora, sechsunddreißig, Werbetexterin aus Kreuzberg, kauft mit ihrer Hündin ein verwahrlostes ehemaliges Gutsverwalterhaus in Bracken, zweihundertfünfundachtzig Einwohner, schlechte Busanbindung, schnelles Netz. Sie flieht nicht nur vor der Enge der Stadt in der Pandemie, sondern vor dem Lebensgefährten Robert, einem Klimaaktivisten, dem sie vorwirft, sich über andere zu erheben. Der Vater Jojo, Onkologe an der Charité, pendelt belehrend zwischen Münster und Berlin; der Bruder Axel führt den Haushalt, während die Schwägerin in einer Großkanzlei verdient. Dora arbeitet zunächst weiter für die Agentur, wird betriebsbedingt gekündigt und schreibt fortan für Dorfgewerbe: Blumen, Heizung, Schneiderei. Über die Gartenmauer spricht sie mit Gottfried Proksch, genannt Gote, der im Bauwagen wohnt, sich als Dorf-Nazi vorstellt, 1992 in Rostock-Lichtenhagen dabei war und auf Bewährung läuft, weil er an einem Messerangriff auf einen früheren Antifa-Mann beteiligt war. Die Tochter Franzi lebt im verfallenen Haus und liebt Doras Hündin. Gote hat einen Schlüssel, stellt ungebeten ein Bett in Doras Schlafzimmer und schnitzt später eine Wölfin.
Dora ringt um Abstand und Gespräch. Sie nennt ihre Sprachlosigkeit Rassismusstarre und fürchtet, die Demokratie zerbreche am Kampf der Ängste: die einen vor Zuwanderung, die anderen vor dem Klima, die einen vor Seuchen, die anderen vor der Gesundheitsdiktatur. Die Nachbarn fügen sich keiner Schablone. Tom und Steffen, ein Floristen- und Kabarettistenpaar, leihen das Fahrrad; Tom wählt die AfD, weil „die da oben“ die Leute für dumm verkauften; Steffens Programm Über Menschen beschimpft Neonazis als Herrenmenschen im Unterhemd, und Dora warnt, im Kampf dem Feind ähnlich zu werden. Die Nachtschichtarbeiterin Sadie schenkt Saatkartoffeln und berichtet, Gote habe zugestochen; Dora sucht Gründe, das nicht zu glauben, weil sie nicht neben einem Gewalttäter wohnen will. Der Nachbar Heinrich, im Dorf R2-D2 genannt, hilft ungefragt im Garten und reißt ausländerfeindliche Witze, die er nicht böse zu meinen scheint. Jojo kommt, als Gote einen Hirntumor hat, und nimmt ihn in die Berliner Klinik.
Das Dorf feiert den Kranken, als existiere nur die Gemeinschaft der Anwesenden. Der Roman gönnt dieser Wärme keinen versöhnlichen Schluss. In einem Streit über Gotts Hass auf Fremde sagt Dora den Satz, wegen dessen sie Robert verlassen hat: Sie sei hundertmal besser als er. Gote tötet sich. Bei der Beerdigung erscheint Heinrichs Frau als Pfarrerin, ein Paar, das keine Vermittlungsseite zusammengeführt hätte. Zeh bleibt dicht bei Dora, im Präsens, ohne das Panorama von Unterleuten, dem früheren Brandenburg-Roman, in dem viele Stimmen ein Dorf zerlegten. Bracken ist kleiner, die Frage schärfer: Wieviel Nähe braucht eine Linksliberale zum nächsten Neonazi, um leben zu können, und wann wird Nähe zur Selbsttäuschung.
Einordnung
Zeh knüpft an Unterleuten an – Umzug aufs Land, der Kampfläufer als geschützter Vogel, die Stadtbewohnerin, die Regeln nicht kennt – und verengt das Verfahren. Rezensenten nannten den Band den ersten wirklichen Corona-Roman, ein Rührstück, eine Fernsehdramaturgie, eine Überwindung plakativer Zuschreibungen. Beides liegt im Text: die witzigen Dialoge, die das Milieu entlarven, und die Gefahr, Gote zum herzerwärmenden Exoten zu machen. Die politische Pointe ist unbequem für alle Seiten. Überheblichkeit, nicht nur Hass, gilt als Mutter der Probleme; zugleich stirbt der Nachbar, ohne bekehrt zu werden. Der Bayern-2-Publikumspreis beim Bayerischen Buchpreis hat die Reichweite bestätigt, nicht die Einigkeit der Kritik.
Gegenüber Houellebecqs Unterwerfung, der Eliten bei einem Systemwechsel zeigt, bleibt Zeh in der Nachbarschaft und in der Bundesrepublik der Pandemie. Die Verfilmung ist angekündigt worden; der Roman braucht sie nicht, weil er bereits in Szenen denkt. Die Stärke liegt in den Dialogen, die Milieu und Angst entlarven, ohne Dora zur Richterin zu machen. Wer 2021 über Stadtflucht, Impfdebatten und den Umgang mit rechten Nachbarn las, las hinter diesem Buch, zustimmend oder mit dem Vorwurf, es erpresse Gefühl, wo Analyse nötig wäre.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
