Gut gegen Nordwind
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Gut gegen Nordwind |
| Autor(en): | Daniel Glattauer |
| Originaltitel: | Gut gegen Nordwind |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2006 |
| Schlagwörter: | Briefe, Zufall, Liebe, Abstand |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Goldmann
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| Umfang dieser Ausgabe: | 222 Seiten |
| ISBN: | 9783442465866 |
| Verweise | |
Gut gegen Nordwind ist der 2006 bei Deuticke erschienene Roman von Daniel Glattauer, später als Taschenbuch bei Goldmann. Eine Wienerin tippt die Adresse einer Zeitschrift falsch und landet im elektronischen Postfach eines Mannes, den sie nicht kennt; daraus wird ein Briefwechsel, der eine Begegnung zugleich herbeiwünscht und fürchtet. Glattauer, Journalist, hat den alten Briefroman auf die elektronische Post der zweitausender Jahre gelegt, ohne Wechselgespräch im Netz und ohne Bilder: nur Sätze, die ankommen oder nicht. Der Band stand lange auf den Verkaufslisten und wurde auf deutschsprachigen Bühnen nachgespielt, weil zwei Stimmen ohne Gesicht schon ein Personal sind. Die Fortsetzung Alle sieben Wellen führt das Paar weiter, nachdem der erste Band die Frage offengelassen hat, ob man sich sehen darf.
Inhalt
Emmi Rothner will das Abo der Zeitschrift Like kündigen. Durch einen Tippfehler gehen die Nachrichten an Leo Leike. Leo klärt den Irrtum auf; Emmi schreibt trotzdem wieder, aus Trotz und aus Neugier. Die beiden kennen weder Gesicht noch Stimme und richten sich in einer Vertrautheit ein, die nur auf dem Bildschirm existiert. Emmi ist verheiratet und wehrt Fragen nach dem Mann ab; Leo kommt aus einer gescheiterten Bindung und laboriert an der Nähe. Sie setzen mehrmals an, den Austausch zu beenden, und scheitern an der nächsten Nachricht.
Der Ton wechselt von Witz zu Verletzung. Leo will ein Treffen; Emmi zögert, weil die Sätze größer sind als eine Person im Café. Sie vereinbaren einen Ort. Leo sitzt dort; Emmi bleibt weg. Die Enttäuschung ist literarisch vorbereitet und trotzdem roh: Der Roman hat die Begegnung so lange aufgeschoben, dass ihr Ausbleiben wie ein Verrat an den Lesern wirkt, die mitgegangen sind. Danach schreiben sie wieder, vorsichtiger, und lassen offen, ob es eine zweite Verabredung geben wird.
Glattauer zeigt nichts außerhalb der Briefe: keine Beschreibung des Ehealltags, keine Büroszene, die nicht zitiert würde. Was Emmi und Leo tun, während die andere Seite wartet, muss der Leser sich denken. Gerade diese Leere macht die Spannung. Der Titel meint ein Mittel gegen Kälte, das die Figuren aneinander ausprobieren, ohne zu wissen, ob es bei Körperkontakt noch wirkt. Der letzte Austausch beendet den ersten Band, nicht die Geschichte; wer weiterlesen will, braucht das zweite Buch. Glattauer hat die Form so knapp gehalten, dass jede Ausrede, man habe nur aus Versehen geschrieben, als Lüge kenntlich wird. Der Nordwind im Titel ist die Kälte zu zweit, nicht das Wetter über Wien.
Einordnung
Der Briefroman – von Richardson über Goethe bis zu den Netzbriefen der Jahrtausendwende – erhält hier eine Form, in der Tippfehler Schicksal sind. Kritiker nannten das leicht, klug, zu glatt; Leserinnen hielten die Stimmen für wahr. Die Bühnenfassungen und der Film von 2019 haben Gesichter eingesetzt, die der Text verweigert, und damit genau das Risiko vorgeführt, vor dem Emmi flieht. Gegen ältere Liebesromane fehlt die Gesellschaft als Druck; es bleibt die Angst, dass der andere kleiner ist als seine Sätze.
Gut gegen Nordwind hat eine Form populär gemacht, die seither oft nachgeahmt wurde: zwei Namen, ein Irrtum, eine Korrespondenz. Glattauers Witz liegt in der Ökonomie – kein Satz zuviel über das Wetter Wiens – und in der Weigerung, das Paar zur Belohnung zusammenzusetzen. Wer ein versöhnliches Ende erwartet, wird an den Tisch geschickt, an dem nur einer sitzt. Das ist keine Grausamkeit gegen die Figuren, sondern die Behauptung, dass elektronische Nähe eine eigene Gattung von Liebe ist, die den Körper nicht automatisch nach sich zieht.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
