De syllogismis hypotheticis

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: De syllogismis hypotheticis
Autor(en): Abbo von Fleury
Herausgeber: Franz Schupp
Erscheinungsort:
Verlag: Brill
Serie: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters
Erscheinungsjahr: 980
Seitenanzahl: 227 Seiten
Originaltitel: De syllogismis hypotheticis
Originalsprache: lateinisch
ISBN-10: 9004107487
ISBN-13/

EAN-Code:

9789004107489
Schlagwörter: Syllogismus, Logik, Bedingung, Folgerung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

De syllogismis hypotheticis (lateinisch Über die hypothetischen Syllogismen) ist die im zehnten Jahrhundert entstandene logische Schrift des Benediktiners Abbo von Fleury. Nach einer langen Pause, in der die spätantike Lehre von den Bedingungsschlüssen kaum gepflegt wurde, ist Abbo der erste mittelalterliche Autor, der sich wieder den hypothetischen und den kategorischen Syllogismen zuwendet. Er folgt eng Boethius, namentlich De hypotheticis syllogismis, und zieht für die sogenannten unbeweisbaren Schlüsse eine verlorene Nebenquelle heran. Die textkritische Ausgabe mit deutscher Übersetzung, Einleitung und Kommentar von Franz Schupp erschien 1997 bei Brill. Sie macht einen Traktat lesbar, der in wenigen Handschriften überlebt hat und erst 1966 von Robert Raes überhaupt gedruckt worden war.

Inhalt

Abbo schreibt gegen das Vergessen einer Kunst, die von der Stoa über Cicero und Boethius bis zu Cassiodor und Isidor gereicht hatte und im früheren Mittelalter abgerissen war. Der hypothetische Syllogismus ist ein Schluss, dessen Vordersätze nicht einfache Aussagen der Form „Sokrates ist ein Mensch“ sind, sondern Bedingungen und Ausschlüsse: wenn a, dann b; entweder a oder b. Das ist eine Logik von Aussagen, betont Schupp, und doch keine moderne Aussagenlogik; wer Abbo mit Wahrheitswerttafeln liest, verfehlt die mittelalterliche Konzeption. Zwei Sätze werden konjunktiv verbunden – ist er Mensch, so ist er Lebewesen – oder disjunktiv – ist es weiß, so ist es nicht schwarz – und in wechselnde Verhältnisse gesetzt. Dazu tritt in mehreren Kapiteln die lateinische Fügung mit cum, die zugleich „wenn“, „mit“ und „zusammen mit“ heißen kann. Die Schwierigkeit des Traktats liegt in dieser Grammatik der Bindung, nicht in einem Kalkül.

Die Behauptung entfaltet sich an übernommenen und umgeordneten Mustern. Die Kapitel I bis V und VII folgen Boethius’ Schrift über die hypothetischen Schlüsse, einschließlich dreigliedriger Formen der Art: wenn a ist, so ist, indem b ist, auch c. Kapitel IX hat andere Quellen; die elementaren hypothetischen Schlüsse gehören zum Grundbestand der antiken Logik, knapp in Ciceros Topica und ausführlicher in Boethius’ Kommentar dazu. Abbo kleidet sie in Beispiele, vom einfachsten – wenn er Mensch ist, ist er Lebewesen, er ist aber Mensch, folglich ist er Lebewesen – bis zu dem schon bei Boethius belegten Schluss, der aus der Geburt auf den Beischlaf führt, indem er die Verneinung der Verneinung aufhebt. Abbo merkt, was Spätere übersehen haben: dass zwischen Boethius’ Lehre vom hypothetischen Syllogismus und den berühmten sieben unbeweisbaren Schlüssen der stoischen Überlieferung ein innerer Zusammenhang besteht. Er versucht, beide Lehren zu vereinigen, und gerät damit an die alte Frage, wie sich stoische und peripatetische Aussagenlogik unterscheiden.

Unsicher wird die Schrift, wo die Vereinheitlichung nur teilweise gelingt und wo die Beispiele eine Ontologie mitschleppen, die der moderne Leser nicht mehr teilt. Mensch und Lebewesen, Weiß und Schwarz, Geburt und Beischlaf sind keine beliebigen Buchstaben; sie tragen eine Welt, in der Sätze an Dinge gebunden bleiben. Abbo überliefert nicht nur, er ordnet um und führt Andeutungen des Boethius weiter, bleibt aber Schulautor, kein Systembauer. Der Ton ist der der Dialektik des zehnten Jahrhunderts: Formel, Beispiel, Abwandlung, ohne den Ehrgeiz, eine neue Wissenschaft zu gründen. Die Gegenposition ist die kategorische Syllogistik des Aristoteles, die vom Allgemeinen auf das Besondere schließt und in den Analytica posteriora das Wissen an den Beweis bindet. Abbos Traktat ist die andere, lange randständige Hälfte derselben Überlieferung.

Einordnung

Die unmittelbare Wirkung war gering. Petrus Abaelardus behandelt in der Dialectica den hypothetischen Syllogismus, ohne Abbo zu nennen; später verschwinden eigene Traktate zu diesem Gegenstand aus den Lehrbüchern. Wenige Handschriften, eine späte Erstedition, dann Schupps kommentierte Ausgabe: das ist die Überlieferungsgeschichte eines Textes, der systematisch mehr leistet, als seine Nachwelt wahrnahm. Schupp, Theologe und Philosoph, hat den Traktat in die Frage nach Stoa und Peripatos zurückgestellt, die Michael Frede für die stoische Logik neu geöffnet hatte. Der Band in der Reihe Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters ist deshalb Edition und Argument zugleich.

Geblieben ist die Einsicht, dass das lateinische zehnte Jahrhundert die Bedingungsschlüsse nicht nur abgeschrieben, sondern wieder zusammengedacht hat. Wer die Geschichte der Logik als Sprung von Aristoteles zu den Universitäten des zwölften Jahrhunderts erzählt, überspringt Abbo. Die Brill-Ausgabe gibt dem Traktat den deutschen Lesetext, den die Handschriften verweigert hatten, und lässt sichtbar werden, wo die Vereinheitlichung trägt und wo sie bricht. Bedingung, Ausschluss und das kleine Wort cum bleiben an diese Schrift gebunden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.