Körper von Gewicht
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Körper von Gewicht |
| Autor(en): | Judith Butler |
| Originaltitel: | Bodies That Matter |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1993 |
| Schlagwörter: | Körper, Geschlecht, Norm, Materie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp 1737 |
| Umfang dieser Ausgabe: | 400 Seiten |
| ISBN: | 9783518117378 |
| Verweise | |
Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts ist die 1993 erschienene Untersuchung von Judith Butler, 1995 deutsch von Karin Wördemann, seit 1997 in der edition suhrkamp. Sie antwortet auf die Kritik an Das Unbehagen der Geschlechter: Butler löse den Körper auf, mache Geschlecht zur freien Wahl aus dem Kleiderschrank, entkörpere die Frau zugunsten reinen Texts. Hier soll weitergedacht werden, wie die heterosexuelle Vorherrschaft sexuelle und politische Gegenstände formt. Nicht nur das soziale Geschlecht ist kulturell hergestellt; auch das biologische Geschlecht ist eine Norm, die Körper materialisiert. Der englische Titel Bodies That Matter spielt mit Gewicht und Bedeutung: Körper, die zählen, weil sie Materie geworden sind.
Inhalt
Butler schreibt gegen zwei Missverständnisse: den Voluntarismus, der Konstruktion mit Beliebigkeit verwechselt, und den Naturalismus, der ein vordiskursives biologisches Geschlecht als Tatsache hinter die Kultur legt. Materie ist immer zu Materie Gewordenes. Festigkeit, Oberfläche, Dauer sind Wirkungen von Macht, die durch Wiederholung und Zitat erzeugt, was sie nur zu benennen scheint. Performativität heißt hier nicht, dass ein Subjekt durch einen Akt ins Dasein spricht, sondern die wiederholende Macht des Diskurses, die Phänomene hervorzubringen, die sie regelt. Körper entstehen innerhalb von Zwängen, Verwerfungen, einer geschlechtlichen Matrix; sie sind nicht frei wählbar. Den Körper als konstruiert zu denken bedeutet eine Rückkehr zum gelebten Leib als Ort von Möglichkeiten, nicht dessen Streichung.
Die Anrufung »Es ist ein Mädchen« setzt die Grenze und schärft die Norm ein: Das Kind wird in Sprache und Verwandtschaft gerufen, naturalisiert, lange bevor es wählen könnte. Benennen identifiziert das Eigene und schließt das Andere aus; die Analyse dieser sprachlichen Gewalt ist Dekonstruktion. Butler liest Lacan, Freud, Žižek, um die psychische Dimension der körperlichen Gestalt und die Wirkungsweise von Diskursen über die Geschlechterdifferenz zu fassen. Das biologische Geschlecht ist selbst eine kulturelle Norm, die Materialisierung regiert, ein normatives Phantasma, das durch rituelle Praktiken gefestigt werden muss und doch verschiebbar bleibt. Die Frage »Wer konstruiert das Subjekt?« ist grammatisch falsch gestellt: Das Ich geht dem Prozess nicht voraus und folgt ihm nicht nach, es entsteht nur innerhalb der Matrix geschlechtsspezifischer Beziehungen.
Unsicher wird das Buch, wo die Erweiterung der Begriffe Konstruktion und Performativität das gewöhnliche Verständnis so weit hinter sich lässt, dass Gegner und Anhänger denselben Satz verschieden hören. Barbara Duden hat die Entkörperung der Frau diagnostiziert; Butler beharrt, sie wolle den Körper nicht auflösen, sondern die Naturalität als Konstrukt sichtbar machen, ohne in einen radikalen sprachlichen Konstruktivismus zu fallen, der das biologische Geschlecht zur bloßen Fehlbezeichnung macht. Die Gefahr ist benannt und nicht immer gebannt. Der Ton ist dicht, schulmäßig, polemisch gegen die eigene Vereinfachung von 1990. Die Kapitel sind Auseinandersetzungen, kein Lehrgang. Wer eine leichte Korrektur des ersten Buchs erwartet, trifft eine Verschärfung: Die Materie selbst ist politisch.
Einordnung
Zusammen mit Das Unbehagen der Geschlechter hat dieser Band die Geschlechterforschung der neunziger Jahre umgestellt. Die Unterscheidung von sozialem und biologischem Geschlecht, die den Feminismus lange entlastete, gilt seither als selbst begründungsbedürftig. Seyla Benhabib, Drucilla Cornell und Nancy Fraser haben den Streit um Differenz geführt; Paula-Irene Villa und Hannelore Bublitz haben Butler im Deutschen erklärt, ohne die Schärfe zu nehmen. Die Kritik an der Schwerverständlichkeit und an der Vernachlässigung leiblicher Erfahrung ist geblieben und produktiv gewesen.
Neben Michel Foucaults Machtanalytik und John Langshaw Austins Lehre vom Sprechakt steht Butler als diejenige, die beides auf die Materialität des Geschlechts gewendet hat. Die edition suhrkamp hat den Text zum Seminarstoff gemacht. Geblieben ist die Warnung, Konstruktion nicht als Willkür zu lesen, und die Behauptung, dass Körper zählen, weil Normen sie als zählbar hervorbringen – und andere als unzählbar verwerfen. Die Debatte über transgeschlechtliche Existenz, über Intersexualität und über die Politik der Anrufung findet in einem Feld statt, das dieses Buch geöffnet hat, auch dort, wo ihm widersprochen wird.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
