Materie und Gedächtnis

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Henri Bergson · 1896 · Sachbuch, Philosophie
Das Werk
Deutscher Titel: Materie und Gedächtnis
Autor(en): Henri Bergson
Originaltitel: Matière et mémoire
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1896
Schlagwörter: Gedächtnis, Körper, Geist, Dauer
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Meiner


Umfang dieser Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 9783787310272
Verweise
Umschlag

Materie und Gedächtnis (französisch Matière et mémoire), Untertitel eine Abhandlung über die Beziehung zwischen Körper und Geist, ist das 1896 erschienene zweite Hauptwerk von Henri Bergson. Es baut auf der Zeitlehre von 1889 auf und antwortet auf das Leib-Seele-Problem über eine Analyse des Gedächtnisses. Bergson widerspricht Théodule Ribot, der das Erinnerungsvermögen im Nervensystem und damit in der Materie suchte. Das Gedächtnis sei grundlegend geistig; das Gehirn richte Inhalte an der gegenwärtigen Lage aus und schalte sie in die Handlung ein. Die Meiner-Ausgabe mit der älteren Übertragung von Julius Frankenberger hat den Text im deutschen Sprachraum gehalten.

Inhalt

Bergson schreibt gegen die Reduktion der Erinnerung auf Gehirnzustände und gegen die cartesische Trennung von denkender und ausgedehnter Sache, sofern sie als räumlicher Gegensatz genommen wird. Wird das Gehirn beschädigt, erlischt nicht zuerst der Vorrat der Erinnerungen, sondern die Fähigkeit, sie in die Lage einzukörpern. Die Inhalte bestehen fort, sind aber unvermögend; die praktische Aufgabe des Gehirns fällt aus. Geist und Körper unterscheidet Bergson zeitlich: der Geist ist der Ort der Vergangenheit, der Körper der Ort der Gegenwart. Bewusstsein heißt, das Gegenwärtige vom Vergangenen her beleuchten; wer nur dem Reiz folgt, hat kein Bewusstsein dessen, was er tut.

Zwei Formen des Gedächtnisses tragen die Behauptung. Das Gewohnheitsgedächtnis wiederholt das Vergangene, ohne es als Vergangenes zu fassen. Es nutzt angeeignete Fertigkeiten, läuft fast von selbst und ist dem Leib eingeschrieben: auswendig gelernte Verse, die man hersagt, ohne eigens zu denken. Das reine Gedächtnis oder Erinnerungsgedächtnis bewahrt Erlebtes in Erinnerungsbildern, erkennt es als vergangen und dient der Betrachtung. Es ist frei, geistig und das eigentliche Gedächtnis: es weiß, dass die Verse gelernt wurden und nicht angeboren sind. Zwischen Reiz und Antwort muss eine Weile liegen, damit Bewusstwerdung geschehen kann. In dieser Zwischenzeit arbeitet die Vergangenheit am Gegenwärtigen auf eine Zukunft hin.

Unsicher wird das Buch, wo die Metaphysik der Dauer die klinischen Befunde tragen soll. Bergson stützt sich auf Aphasien und andere Störungen, um die Eigenständigkeit des geistigen Gedächtnisses zu sichern, und zieht daraus eine Lehre von Freiheit und Bestimmung, die er in Übung und schöpferische Entwicklung wendet. Die impulsive Persönlichkeit zeigt, wie das Bewusstsein hinter dem Aufgehen in der Sache zurücktreten kann. Ob die Erinnerungsbilder wirklich unabhängig vom Gehirn überdauern oder ob Bergson den neurologischen Ausfall nur umdeutet, bleibt der Streitpunkt der Kritik. Gegen Descartes’ räumlichen Dualismus gewinnt er eine zeitliche Unterscheidung; ob sie das Problem löst oder verschiebt, entscheidet nicht der Ton der Anschaulichkeit, in dem das Buch geschrieben ist.

Einordnung

Unter Bergsons vier großen Abhandlungen beantwortet diese die Frage nach Geist und Körper, wie die frühere die nach der Zeit und die spätere die nach der schöpferischen Entwicklung. Gilles Deleuze hat den Bergsonismus im 20. Jahrhundert neu gelesen; die Phänomenologie der Wahrnehmung und neuere Theorien des verkörperten Geistes finden hier einen Vorläufer, der den Körper ernst nimmt, ohne das Gedächtnis an ihn zu verkaufen. Wilhelm Windelband leitete die ältere deutsche Ausgabe ein.

Neben Descartes’ Meditationen und dem empiristischen Bild vom Geist als Tafel steht das Buch als dritte Auskunft: weder zwei Substanzen im Raum noch Eindrücke, die sich stoßen, sondern zwei Zeiten in einer Handlung. Wer über Erinnerung, Aphasie und die Freiheit des Handelns spricht, hat in Bergson den Autor, der das Gehirn als Organ der Auswahl, nicht als Speicher der Vergangenheit fasste. Die Meiner-Ausgabe bewahrt den Anspruch, Metaphysik an einem medizinischen Befund zu prüfen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.