Die Philosophie des Als Ob
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Die Philosophie des Als Ob |
| Autor(en): | Hans Vaihinger
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1911 |
| Schlagwörter: | Fiktion, Erkenntnis, Nützlichkeit, Als-ob |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Meiner
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| Umfang dieser Ausgabe: | 804 Seiten |
| ISBN: | 9783787350155 |
| Verweise | |
Die Philosophie des Als Ob ist das 1911 erschienene Hauptwerk des Neukantianers Hans Vaihinger. Es legt eine Erkenntnislehre und eine lebenspraktische Weltansicht vor: menschliches Wissen ist irrtumsbehaftet und widersprüchlich, und dennoch gelangt man von falschen Annahmen zu brauchbaren Ergebnissen. Vaihingers Antwort heißt Fiktion: man handelt, als ob die Annahme wahr wäre, und rechtfertigt sie durch den Erfolg der Anwendung, nicht durch Übereinstimmung mit einem Ding an sich. Religiöse und metaphysische Sätze sind danach nicht in einem gegenständlichen Sinn wahr; zu fragen ist, ob es nützt, so zu leben, als ob sie es wären. Die Meiner-Ausgaben haben das dicke Systembuch und die kürzere Volksausgabe im zwanzigsten Jahrhundert gehalten.
Inhalt
Vaihinger schreibt gegen die Meinung, Wissenschaft und Metaphysik beruhten auf wahren Abbildern der Wirklichkeit, und gegen den Verzicht, der aus der Einsicht in den Irrtum den Stillstand folgert. Schon die Grundbegriffe der Erkenntnis – Atom, Unendliches, Ideal, Seele, Freiheit – sind Hilfsannahmen, die sich selbst widersprechen dürfen, sofern sie das Handeln und das Berechnen tragen. Die Fiktion unterscheidet sich von der Hypothese: die Hypothese will wahr werden, die Fiktion weiß um ihre Unwahrheit und behält sich als Werkzeug. Immanuel Kant hatte in der Kritik der reinen Vernunft die Ideen der Vernunft als regulativ, nicht konstitutiv beschrieben; Vaihinger treibt das zur allgemeinen Lehre, dass wir mit bewussten Unrichtigkeiten denken. Der Kant-Kommentar, den er parallel schrieb, nährt das System: was bei Kant Grenze der Erkenntnis ist, wird hier Methode.
Die Fiktionen gliedern sich in theoretische, praktische und religiöse. In der Mathematik und der Naturlehre arbeiten Begriffe, die so nicht vorkommen und doch rechnen lassen. In der Ethik handelt man, als ob Freiheit und Verantwortung bestünden, weil sonst Zurechnung zerfällt. In der Religion betet man, als ob Gott, Unsterblichkeit und Weltordnung wären; ihre Rechtfertigung ist der Halt, den sie dem Leben geben, nicht der Beweis. Vaihinger nennt das nicht Lüge, sondern nützliche Unwahrheit, und grenzt sie vom Irrtum ab, der sich für Wahrheit hält. Logik selbst ist nicht Abbild einer Weltordnung, sondern ein Verfahren, das sich bewährt. Die Frage „Ist es wahr?“ tritt hinter die Frage „Führt es?“ zurück. Das ist keine Einladung zur Beliebigkeit: die Fiktion muss arbeiten, sonst fällt sie.
Unsicher wird das Werk, wo Nützlichkeit zum einzigen Maß wird und die Grenze zur Selbsttäuschung verschwimmt. Gegner haben Vaihinger einen Relativismus vorgeworfen, der Wahrheit durch Erfolg ersetzt; Freunde haben ihn als ehrlichen Kantianer gelesen, der die regulativen Ideen beim Namen Fiktion nennt. Die Volksausgabe von 1923 hat das System verkürzt und in die Breite getragen, mit dem Risiko, aus der Fiktion ein Lebensrezept zu machen. Der Ton ist der des Systematikers, umständlich, einteilend, ohne den Glanz der Lebensphilosophie, gegen die er doch anschlussfähig blieb. Nietzsche klingt an, wo nützliche Unwahrheit das Leben trägt; Vaihinger will die Unwahrheit bewusst und kontrolliert, nicht dionysisch.
Einordnung
Das Buch hat den Fiktionalismus als Schulrichtung benannt und die Kant-Lektüre des frühen zwanzigsten Jahrhunderts mitgeprägt, bevor die analytische Wissenschaftstheorie andere Wege ging. Es steht neben Kants regulativen Ideen und neben dem amerikanischen Pragmatismus, der Wahrheit am Gelingen misst, ohne Vaihingers Betonung der bewussten Unrichtigkeit. Vaihinger blieb der Mann des Kant-Kommentars und dieser einen großen These. Die englische Übertragung durch C. K. Ogden hat den Als-ob-Gedanken in eine andere Debatte um Hypothese und Modell getragen.
Geblieben ist die Erlaubnis, mit Annahmen zu denken, von denen man weiß, dass sie so nicht sind, und die Pflicht, sie an ihrer Leistung zu prüfen. Wer nach 1911 über Modelle, Ideale und den Status religiöser Sätze spricht, spricht hinter diesem System oder gegen es. Die Meiner-Tradition hat den Kantianer bewahrt, der Kant zu Ende zu denken glaubte. Die Fiktion bleibt ein Werkzeug, kein Freibrief zur Beliebigkeit.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
