Über den Begriff der Geschichte

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Über den Begriff der Geschichte
Autor(en): Walter Benjamin
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1940
Seitenanzahl: 412 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518585495
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518585498
Schlagwörter: Fortschritt, Jetztzeit, Messianismus, Engel
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Über den Begriff der Geschichte sind die geschichtsphilosophischen Thesen, die Walter Benjamin im Winter 1939/40 nach der Internierung in Frankreich schrieb. Unter dem Eindruck des Faschismus und des Hitler-Stalin-Pakts verbinden sie historischen Materialismus mit messianischer Hoffnung. Sie zielen gegen den Fortschrittsglauben der Sozialdemokratie und gegen eine Historie, die das Kontinuum der Sieger nacherzählt. Das Manuskript gab Benjamin in Marseille Hannah Arendt; er starb im September 1940 in Portbou. 1942 erschien der Text in geringer Auflage im Gedenkband des Instituts für Sozialforschung und gehört seither zu seinen am häufigsten zitierten Schriften.

Inhalt

Benjamin schreibt gegen eine Historie, die das Kontinuum der Sieger nacherzählt, und gegen eine Linke, die den Fortschritt für unaufhaltsam hielt, während der Faschismus siegte. Das Manuskript gab er in Marseille Hannah Arendt; er starb im September 1940 in Portbou. 1942 erschien der Text hektographiert in geringer Auflage im Gedenkband des Instituts für Sozialforschung, 1950 in der Neuen Rundschau. Achtzehn Thesen und ein zweiteiliger Anhang, aphoristisch verdichtet. Der bucklige Zwerg im Schachtürken ist die Theologie, die der historische Materialismus in seinen Dienst nehmen muss, wenn er gewinnen will. Eine schwache messianische Kraft ist jedem Geschlecht mitgegeben; die gewesenen Generationen haben uns erwartet. Nichts, was sich ereignet hat, ist für die Geschichte verloren, doch erst die erlöste Menschheit kann jeden Augenblick zitieren.

Kultur ist auch Dokument der Barbarei, Frucht namenloser Fron. Deshalb hat der Materialismus die Geschichte gegen den Strich zu bürsten, statt sich in die Sieger einzufühlen. Der Ausnahmezustand, in dem die Unterdrückten leben, ist die Regel; Aufgabe wäre der wirkliche Ausnahmezustand. In Paul Klees Angelus Novus erkennt Benjamin den Engel der Geschichte: Er blickt auf die Vergangenheit als eine einzige Katastrophe, möchte weilen und heilen, aber der Sturm, den wir Fortschritt nennen, weht ihn unaufhaltsam vorwärts. Die Sozialdemokratie hat Arbeit im protestantischen Geist säkularisiert, die Natur ausgebeutet und die Erlösung auf künftige Generationen verschoben; Marx, der Spartakusbund, Blanqui kämpften im Namen der vergangenen. Geschichte ist nicht homogene, leere Zeit, sondern von Jetztzeit erfüllte Konstruktion, Tigersprung ins Vergangene. Revolutionäre sprengen das Kontinuum; die große Revolution führte einen neuen Kalender ein.

Unsicher bleibt die Verbindung von Materialismus und Messianismus, die Benjamin selbst als jahrzehntelang verwahrten Gedanken ausgab. Der Text ist kein Programm der Partei und keine Theologie im kirchlichen Sinn. Wer die Thesen als Absage an jede Aufklärung liest, verfehlt den Kampf gegen den Faschismus; wer sie nur als marxistische Korrektur liest, verfehlt den Engel und das Eingedenken, das den Juden statt der Wahrsagerei geboten ist. Der Ton ist dicht, bildhaft, oft liturgisch, und dann von einer Schärfe gegen Dietzgen, das Gothaer Programm und das Vertrauen auf die Massenbasis, die denselben Apparat bediente. Die Bilder tragen mehr als die Lehrsätze, und das ist Absicht.

Einordnung

Zu Benjamins am häufigsten zitierten Texten gehörend, stehen die Thesen im gedanklichen Umkreis des Passagenwerks und der Baudelaire-Aufsätze. Theodor W. Adorno und Max Horkheimer haben sie veröffentlicht, ohne ihre messianische Seite zur Schulmeinung der Dialektik der Aufklärung zu machen. Gershom Scholem hat den Engel als jüdische Figur gelesen; Stéphane Mosès hat Benjamin neben Franz Rosenzweig gestellt. Gegen Hegels Weltgeist und gegen den Fortschritt des 19. Jahrhunderts steht die Jetztzeit, die Splitter messianischer Zeit enthält.

Das Missverständnis, Benjamin predige den Stillstand, verfehlt die revolutionäre Chance im messianischen Innehalten. Geblieben ist das Bild des Engels und der Satz, der Ausnahmezustand sei die Regel. Wer nach 1940 über Geschichte als Katastrophe und über das Eingedenken der Besiegten spricht, spricht hinter diesen Thesen – oft ohne Theologie, selten ohne den Sturm, den wir Fortschritt nennen. Die schwache messianische Kraft ist kein Trostpflaster; sie ist der Anspruch der Toten an uns.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.