Theaitetos
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Theaitetos |
| Autor(en): | Platon |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 320 Seiten |
| Originaltitel: | Θεαίτητος |
| Originalsprache: | altgriechisch |
| ISBN-10: | 3150140145 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150140147 |
| Schlagwörter: | Wissen, Wahrnehmung, Meinung, Irrtum |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Der Theaitetos ist ein Dialog Platons, in dem Sokrates mit dem jungen Mathematiker Theaitetos und dessen Lehrer Theodoros von Kyrene die Frage erörtert, was Wissen sei. Das Gespräch endet in der Ratlosigkeit: Eine haltbare Bestimmung von Wissen gegenüber richtiger Meinung gelingt nicht. Drei Versuche – Wahrnehmung, richtige Meinung, richtige Meinung mit Erklärung – scheitern nacheinander. Die Ideenlehre, die andere Dialoge tragen, tritt hier nicht auf; ob das Absicht oder Krise ist, bleibt Streit. Das Buch zählt als Grundtext der Erkenntnistheorie, weil es zuerst hartnäckig fragt, was zu einer richtigen Meinung hinzukommen müsste, damit aus ihr Wissen wird.
Inhalt
Platon schreibt gegen die Gleichsetzung von Wissen und Wahrnehmung, die er der Lehre des Protagoras zuschreibt, und gegen die Bequemlichkeit, Wissen durch Beispiele zu erläutern, statt es zu bestimmen. Die Rahmenhandlung spielt in Megara: Eukleides lässt Terpsion die Aufzeichnung eines Gesprächs vorlesen, das Sokrates kurz vor seiner Hinrichtung mit Theaitetos führte. Theaitetos, äußerlich unscheinbar und innerlich von seltener Verbindung aus Scharfsinn und Charakter, nennt zuerst Fertigkeiten und Fächer; Sokrates verlangt das Wissen an sich. Die Hebammenkunst, die Sokrates von seiner Mutter übernimmt, soll Theaitetos’ Gedanken zur Welt bringen und prüfen, ob ein lebensfähiges Kind oder ein Trugbild geboren wurde. Staunen, so Sokrates, ist der Anfang der Philosophie.
Drei Bestimmungen scheitern. Wissen als Wahrnehmung stützt sich auf den Satz, der Mensch sei das Maß aller Dinge, und auf die Lehre vom unablässigen Wandel. Sinnestäuschung, Traum und der Selbstwiderspruch des Relativismus – auch das Gegenteil wäre wahr, sobald es jemand vertritt – zersetzen die Gleichung. Eine Abschweifung stellt dem geknechteten Redner vor Gericht den weltfremden Philosophen gegenüber, der Zeit hat und das Göttliche sucht. Wissen als richtige Meinung scheitert an der Frage, wie Irrtum möglich sei: Wachsblock und Taubenschlag, zwei Gleichnisse des Gedächtnisses, erklären Verwechslung und Fehlgriff und geraten in den Widerspruch, Wissen und Nichtwissen zu vermischen. Wissen als richtige Meinung mit Erklärung – logos – scheitert daran, dass weder die Summe unerklärbarer Elemente noch die Angabe des unterscheidenden Merkmals das Meinen in Wissen überführt, ohne das Gesuchte vorauszusetzen.
Unsicher bleibt, ob Platon die Aporie teilt oder den Leser zur Ideenlehre führen will, die im Dialog nicht auftritt. Vertreter der Entwicklungshypothese sehen darin eine Krise der mittleren Lehre; andere lesen die Fehlschläge als Nachweis, dass Wissen ohne Ideen nicht zu haben ist. Sokrates bekennt sich unwissend und hilft dennoch zur Geburt; das Paradox des Nichtwissens ist Methode. Wer den Dialog als Lehrbuch der Erkenntnistheorie liest, verfehlt die Ironie; wer ihn nur als literarisches Porträt des Theaitetos liest, verfehlt die Härte, mit der jede Definition auch auf unbewiesene richtige Meinung zutrifft. Der Schluss wertet die Einsicht in das Nichtwissen als Fortschritt.
Einordnung
Der Theaitetos eröffnet eine Trilogie mit dem Sophistes und dem Politikos und gehört zu den späten Dialogen, in denen die Definitionsarbeit selbst zum Thema wird. Gegen Protagoras und Heraklit wird die Möglichkeit objektiver Wahrheit verteidigt, ohne dass ein Kriterium gelänge. Die neuzeitliche Erkenntnistheorie hat den Text als Vorläufer der Unterscheidung von Wissen und bloßer Meinung gelesen, oft ohne Platons metaphysischen Hintergrund. Aristoteles wird später Wissen an Beweis und Ursache binden; der Theaitetos zeigt zuerst, warum Wahrnehmung und Meinung nicht reichen.
Das Missverständnis, Platon predige Skepsis, verfehlt Sokrates’ Behauptung, ohne Unterscheidung von wahr und falsch sei kein Gespräch möglich. Geblieben ist die Frage, was zu einer richtigen Meinung hinzukommen müsste, damit aus ihr Wissen wird – und der Verdacht, dass dieses Hinzukommende sich nicht wieder als Meinung fassen lässt. Die zweisprachige Reclam-Ausgabe von Ekkehard Martens macht den Dialog als Gespräch über episteme lesbar: theoretisches Wissen und praktisches Können in einem Wort, das die moderne Sprache trennt. Die Ratlosigkeit am Ende ist keine Kapitulation, sondern die Bedingung eines besseren zweiten Versuchs.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
