Der Mensch in der Revolte
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Der Mensch in der Revolte |
| Autor(en): | Albert Camus |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Rowohlt |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1951 |
| Seitenanzahl: | 400 Seiten |
| Originaltitel: | L'Homme révolté |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3499221934 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783499221934 |
| Schlagwörter: | Auflehnung, Nihilismus, Maß, Mord |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Der Mensch in der Revolte (französisch L'Homme révolté) ist die 1951 bei Gallimard erschienene philosophisch-politische Essaysammlung von Albert Camus. Nach Der Mythos des Sisyphos, der das Absurde am Einzelnen durchbuchstabierte, fragt dieses Buch nach der kollektiven Pest: wie aus der Auflehnung gegen das Unrecht der Mord im Namen der Geschichte wird. Camus will nicht das Übel schildern, das einer erlitt, sondern zwei Jahrhunderte metaphysischer und historischer Revolte protokollieren. Die deutsche Ausgabe bei Rowohlt hat das Buch durchgehalten. Der Bruch mit Jean-Paul Sartre lag in diesen Seiten schon bereit.
Inhalt
Camus schreibt gegen zwei Erlösungen: die außerweltliche der Kirchen und die innerweltliche der Geschichtsphilosophien, die den Menschen einer kommenden Freiheit opfern. Die Revolte beginnt, wo einer Nein sagt und damit ein Maß bejaht, das nicht nur für ihn gilt. Sobald dieses Nein zum Ja einer totalen Ordnung wird – Jakobiner, Anarchisten bakuninscher Prägung, Marxisten, die die lebendige Freiheit für eine ideale beschlagnahmen –, schlägt die Auflehnung in Terror um. Camus entdeckt Verwandtschaften, die die Lager nicht wahrhaben wollen: im antibürgerlichen Marxismus eine bürgerliche Wissenschaftsfrömmigkeit, im Positivismus Unwissenschaftlichkeit, bei den Nationalsozialisten biblische Versatzstücke, Hitler als gestiefelten Jehova. Friedrich Nietzsche, den Alpenwanderer und Kritiker der Herdenmoral, gesellt er auf den Berg zu Moses. Fanatiker einer Ideologie und Fanatiker eines Glaubens sind einander näher, als sie glauben: beide verfehlen die relative Veränderung, die Aufmerksamkeit und Spannung verlangt.
Die metaphysische Revolte kündigt Gott; die historische Revolte kündigt den Herrn. Marquis de Sade, die Romantiker, Iwan Karamasow, der Surrealismus: Stationen eines Neins, das die Welt als Ganze vor Gericht stellt. Die historische Linie führt über die Französische Revolution, Hegel, Marx und die russischen Terroristen zur nationalsozialistischen und stalinistischen Gewalt. Der autoritäre Sozialismus, schreibt Camus gegen den damaligen Ostblock und gegen Sartre, der sich für die Kommunistische Partei erklärt hatte, hat die lebendige Freiheit zugunsten einer erst kommenden beschlagnahmt. Ein gelobtes Land absoluter Gerechtigkeit gibt es nicht. Das Maß, das Camus dagegen setzt, ist die menschliche Natur: ein gemeinsamer Wert, der den Mord ausschließt, wie der Mythos des Sisyphos den Selbstmord ausschloss. Die Revolte bleibt kohärent nur, solange sie das Spannungsverhältnis des Absurden nicht auflöst.
Das Buch wird unsicher, wo es aus der Ideengeschichte eine Moral zieht. Der Durchgang durch die Theorien spitzt zu, bis der Selbstwiderspruch erscheint; Gegner haben das als Glanz der Polemik und als Ungerechtigkeit gelesen. Camus weiß, dass er Nietzsche und Marx nicht schulgerecht abfertigt, und beharrt darauf, dass die Praxis der Revolte das Maß ihrer Wahrheit ist. Der Ton ist der der französischen Moralisten, streng und bildhaft, ohne die Ontologie von Sartres Das Sein und das Nichts. Wo der Sisyphos noch die individuelle Gewissheit eines erdrückenden Schicksals war, wird die Revolte hier kollektiv, wie in der Pest das Leiden aller. Die Grenze, die Camus zieht – kein Mord, kein Absolutum, kein Ende der Geschichte –, ist eine Ethik der Mittagshöhe, keine Theorie der Institutionen.
Einordnung
Der Essay zerbrach die Pariser Freundschaft. Sartre antwortete in Les Temps Modernes; Francis Jeanson führte die Attacke; Camus hielt die Revolte gegen die Revolution fest. Neben dem Mythos des Sisyphos und den Romanen Der Fremde und Die Pest ist dies die politische Auskunft: dass das Absurde eine Solidarität verlangt und keine Partei der Geschichte. Hannah Arendt hat die Revolution anders, als Neubeginn, gelesen; Camus misstraut dem Neubeginn, sobald er unschuldig morden will. Die Kritik nannte den Text eine Stimmung der Mäßigung, unzuständig für die koloniale Frage, die Camus selbst zerriss.
Geblieben ist der Satz, dass die Revolte ein Maß setzt oder aufhört, Revolte zu sein. Wer nach 1951 über Engagement, Terror und die Rechtfertigung des Mordes durch die Zukunft spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es. Die Rowohlt-Ausgabe hat den polemischen Atem bewahrt; er ist älter geworden und nicht erledigt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
