De anima

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Aristoteles · -350 · Sachbuch, Philosophie
Das Werk
Deutscher Titel: De anima
Autor(en): Aristoteles
Originaltitel: Περὶ ψυχῆς
Originalsprache: griechisch
Erstveröffentlichung:
Schlagwörter: Seele, Leben, Wahrnehmung, Vernunft
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Meiner


Umfang dieser Ausgabe: 260 Seiten
ISBN: 9783787327898
Verweise
Umschlag

De anima (griechisch Perì psychês, Über die Seele) ist die um 350 vor Christus entstandene Abhandlung von Aristoteles über das, was einen natürlichen Körper lebendig macht. Sie ist die erste erhaltene Schrift der Antike, die die Seele eigens zum Gegenstand hat, nicht als Nebenstück der Naturlehre. Seele heißt hier kein unsterbliches Innenleben, sondern das Prinzip, durch das Pflanzen, Tiere und Menschen leben. Aristoteles widerspricht Platon, der die Seele vom Körper trennen wollte, und bleibt bis in die Hochscholastik das Lehrbuch der Psychologie. Die Angaben der Infobox folgen der zweisprachigen Meiner-Ausgabe von Klaus Corcilius.

Inhalt

Aristoteles beginnt mit der Warnung, dass zuverlässiges Wissen über die Seele zum Schwierigsten gehöre, und prüft zuerst die Vorgänger. Die Vorsokratiker und Platon hatten die Seele als Ursache von Leben, Wahrnehmung und Selbstbewegung gefasst: als das sich selbst Bewegende, als Harmonie, als Zahl, als aus den Elementen gemischten Körper. Alle diese Bestimmungen scheitern. Die Seele ist kein räumlich ausgedehntes Ding und keine bloße Mischung; sie ist auch kein selbständiges Wesen, das den Körper bewohnt wie ein Schiffer das Schiff. Gegen Platon gilt: Wer die Seele vom organischen Körper löst, erklärt nicht das Lebendigsein, sondern erfindet ein zweites Inventar. Die Fragen, die bleiben – ob die Seele teilbar ist, ob sie eigene Vorgänge hat, die dem Lebewesen nicht zukommen, ob Pflanzen, Tiere und Menschen dieselbe Definition brauchen –, zwingen zu einer neuen Art der Auskunft.

Die eigene Lehre setzt im zweiten Buch ein. Die Seele ist Entelechie, Wirklichkeit und Vollendung eines natürlichen Körpers, der dem Vermögen nach Leben hat; organisch heißt hier: als Werkzeug dienend, nicht bloß mit Organen versehen. Sie verhält sich zum Körper wie das Sehvermögen zum Auge: ohne Auge kein Sehen, ohne Körper keine Seele, die dieses Leben vollzieht. Deshalb ist sie vom Körper nicht trennbar. Aristoteles unterscheidet Vermögen und stuft die Lebewesen danach: die pflanzliche Seele ernährt, wächst und zeugt; die tierische nimmt wahr, begehrt und bewegt sich oft von Ort zu Ort; allein der Mensch besitzt dazu die Vernunft, den Nous. Schon der Tastsinn, den jedes Tier hat, unterscheidet Angenehmes und Unangenehmes und erzeugt Begehren. Wahrnehmung ist Aufnahme der Form ohne den Stoff; Vorstellung, die Phantasia, ist eine Bewegung, die aus der Wahrnehmung folgt und dem Denken den Stoff reicht. Ohne Sinne gäbe es keine Erfahrung; der Geist gleicht zu Beginn einer unbeschriebenen Tafel.

Im dritten Buch wird die Lehre unsicher, wo sie am weitesten reicht. Damit Vernunft wirklich werde, braucht es ein erleidendes und ein tätiges Prinzip: den nous pathētikós, der Eindrücke aufnimmt, und den nous poiētikós, der abstrahiert und schließt. Die erleidende Vernunft stirbt mit dem Körper; die tätige hält Aristoteles für unvergänglich – nicht als Unsterblichkeit der Person, sondern als Vermögen, das „von außen“ kommt. Die Formen, die der Intellekt aufnimmt, existieren nur in den wahrgenommenen Dingen, nicht in einer eigenen Ideenwelt. Denken vollzieht sich durch Vorstellungen; sich selbst erkennt der Geist nur nebenbei, als Mitläufer eines Akts, der auf ein Äußeres geht. Genau hier bleibt eine Lücke, an der später Alexander von Aphrodisias, Averroes und Thomas von Aquin verschiedene Seelen bauen werden: ob der tätige Intellekt ein Vermögen dieses Menschen ist oder eine getrennte Substanz. Aristoteles entscheidet die Streitfrage nicht schulmäßig; er lässt sie stehen, weil seine Psychologie eine Naturlehre des Lebendigen ist, keine Heilslehre.

Einordnung

Neben der Nikomachischen Ethik, die das gelungene Leben als Tätigkeit der Seele gemäß der Tugend fasst, gibt De anima die Naturlehre dieser Seele: ohne Wahrnehmung kein Denken, ohne Körper keine Tugendübung. Thomas von Aquin las den tätigen Intellekt als Vermögen der einen menschlichen Seele und machte daraus die katholische Schulmeinung; Averroes hatte ihn als gemeinsame Substanz gedacht. René Descartes trennte in den Meditationen Geist und Körper wieder, gegen die aristotelische Einheit, und musste die Leidenschaften später mühsam anschließen. Die Kritik an Aristoteles ist so alt wie die Kommentare: die Entelechie erkläre das Leben, indem sie es voraussetze; die Unsterblichkeit der tätigen Vernunft sei ein Rest Platon, der nicht zur Lehre von Form und Stoff passe.

Geblieben ist die Verschiebung: Seele ist Form des lebendigen Körpers, nicht Gast in ihm. Wer heute über Geist und Leben spricht, ohne Pflanzen und Tiere aus dem Begriff zu werfen, spricht noch in dieser Staffelung, auch wo er sie bestreitet. Die Schrift ist Vorlesung, dicht und oft spröde, und gerade darin das Gegenteil einer Erbauung über die unsterbliche Seele.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.