Der Begriff Angst

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Begriff Angst
Autor(en): Søren Kierkegaard
Herausgeber:
Erscheinungsort: Begrebet Angest
Verlag: Reclam
Serie:
Erscheinungsjahr: 1844
Seitenanzahl: 300 Seiten
Originaltitel: Begrebet Angest
Originalsprache: dänisch
ISBN-10: 3150144566
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150144565
Schlagwörter: Angst, Freiheit, Sünde, Glaube
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Der Begriff Angst ist die 1844 unter dem Decknamen Vigilius Haufniensis – »Hüter Kopenhagens« – erschienene Schrift von Søren Kierkegaard. Sie nimmt die christliche Lehre von der Erbsünde zum Ausgang und fragt, wie der Einzelne in die Schuld gerät, ohne dass man ihm die Freiheit absprechen dürfte. Kierkegaard schreibt gegen Georg Wilhelm Friedrich Hegels System, das am konkreten Menschen vorbeidenkt, und gegen jede Psychologie, die die Sünde erklären will, als wäre sie ein Fall. Das Buch gilt als eine der Gründungsschriften der Existenzphilosophie, obwohl es sich selbst als psychologische Erörterung eines dogmatischen Problems ausgibt.

Inhalt

Kierkegaard besteht darauf, dass jede Wissenschaft in ihrer Stimmung bleiben muss. Die Sünde gehört keiner Wissenschaft; am ehesten noch der Ethik, weil deren Stimmung der Ernst ist. Die Psychologie darf nur Erscheinungen beschreiben, die wirkliche Möglichkeit der Sünde, nicht den Sprung, mit dem sie eintritt. Adam steht nicht außerhalb des Geschlechts: Was für ihn gilt, muss für jeden gelten, sonst wäre die Ursünde ein einmaliges Kuriosum. In der Unschuld träumt der Geist; er kennt Gut und Böse noch nicht und ängstigt sich vor dem Nichts, das seine Freiheit ist. Die Angst ist zugleich Anziehung und Abstoßung, sympathetische Antipathie. Der qualitative Sprung in die Sünde hat keinen Grund, den man hinter ihm aufstöbern könnte; er setzt sich selbst, und die vielen Sünden danach sind quantitativ mehr, der Qualität nach nicht dasselbe wie die erste. Wer fragt, wie aus Unschuld Schuld wird, sündigt schon in der Frage, weil er die eigene Tat wegschieben will.

Der Mensch ist eine Synthese aus Seele und Leib, die nur im Geist Wirklichkeit wird; verstimmt sich das Verhältnis, ist der Mensch verstört. Mit der Sünde ist die Sinnlichkeit gesetzt, und im Augenblick tritt die zweite Synthese hinzu: Zeitliches und Ewiges. Kierkegaard unterscheidet die Angst vor dem Bösen – die Furcht, wieder zu sündigen – von der Angst vor dem Guten, die er das Dämonische nennt: eine Verschlossenheit, die die Erlösung als Bedrohung erfährt, Hysterie, Übersensibilität, das Verstummen des Inneren. Angst ist nicht Furcht. Furcht hat einen Gegenstand draußen, den man benennen und oft beheben kann; Angst hat keinen Grund als das Nichts und verdunkelt Dasein und Welt. Sie kann den Menschen unfrei machen, bis er nicht mehr selbst handelt. Sie kann aber auch die Möglichkeit der Freiheit sein, weil sie das Endliche als endlich entlarvt und den Einzelnen vor den Abgrund seiner Wahl stellt.

Das fünfte Kapitel kehrt die Richtung um: Angst als das, was kraft des Glaubens erlöst. Man muss lernen, sich zu ängstigen; das sei das Höchste, was sich lernen lässt. Wer die Angst im Ernst durchlebt, ohne sie in Zerstreuung oder Selbstmord abzuleiten, dem zeigt sie, dass keine endliche Sicherung trägt. Der Glaube – Kierkegaard zitiert Hegel und meint etwas anderes – ist die innere Gewissheit, welche die Unendlichkeit vorwegnimmt; ohne ihn bleibt der Schwindel der Freiheit, der Blick ins Mögliche und das Ergreifen des Falschen. Die Schrift ist dicht, voller Anspielungen auf Kopenhagen, und sie weigert sich, das Ärgernis der Sünde in eine Theorie aufzulösen: Sie will treffen, nicht belehren. Der Deckname schützt den Autor und gibt die Haltung an: ein Wächter, der zusieht, wie der Geist sich zu sich selbst verhält.

Einordnung

Im dänischen Hegelianismus der vierziger Jahre war die Sünde eine Stufe, die der Geist hinter sich bringt. Kierkegaard reißt sie aus diesem Fortschritt heraus und gibt sie dem Einzelnen zurück, der sie nicht ableiten, nur bekennen kann. Die deutsche Aufnahme blieb lange schwach; Christoph Schrempf übersetzte 1890, Emanuel Hirsch 1952 maßgebend. Karl Jaspers las in Kierkegaard das Entweder-Oder gegen Hegels Versöhnung, die Religiosität gegen die Spekulation. Martin Heidegger hat in Sein und Zeit die Angst als Erschließung des Nichts aufgenommen und den Glauben abgestreift. Die Existenzphilosophie und die dialektische Theologie haben das Buch oft gegen seinen christlichen Ernst als Steinbruch benutzt.

Die Missverständnisse liegen nahe. Wer nur die Psychologie nimmt, verfehlt den Sprung; wer nur die Dogmatik nimmt, verfehlt, dass Adam jeder ist. Die biographische Lesart, die hinter der Angst die gebrochene Verlobung mit Regine Olsen sucht, erklärt den Ton, nicht den Begriff. Neben Kritik der reinen Vernunft, die der Vernunft eine Grenze zieht, ohne den Glauben zu füllen, steht Kierkegaards Schrift als die andere Grenze: Nicht das Ding an sich ist unerkennbar, sondern der Akt, in dem der Einzelne sich selbst verfehlt. Die Angst ist seither aus der Philosophie nicht mehr wegzudenken, verdünnt oft zur Stimmung, selten so streng an Freiheit und Schuld gebunden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.