Briefe über die Empfindungen

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Moses Mendelssohn · 1755 · Sachbuch, Philosophie
Das Werk
Deutscher Titel: Briefe über die Empfindungen
Autor(en): Moses Mendelssohn


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1755
Schlagwörter: Vergnügen, Empfindung, Schaubühne, Selbstmord
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Meiner


Umfang dieser Ausgabe: 352 Seiten
ISBN: 9783787321896
Verweise
Umschlag

Briefe über die Empfindungen sind die 1755 in Berlin bei Voß erschienene zweite Veröffentlichung von Moses Mendelssohn, oft unter dem Kurztitel Über die Empfindungen geführt. Der deutsch-jüdische Aufklärer entwickelt darin eine Theorie des Vergnügens und wertet das ästhetische Empfinden zu einem Erkenntnisvermögen auf. Die greifbare Ausgabe liegt in den Ästhetischen Schriften des Meiner Verlags. Das Buch fordert eine eigene Sittlichkeit der Schaubühne und bereitet die Trennung von Ethik und Ästhetik vor, die Immanuel Kant später vollzieht.

Inhalt

Mendelssohn schreibt gegen die Vermischung von moralischem Urteil und Kunsturteil und gegen die Lehre, das Trauerspiel müsse zuerst bessern. Das Vergnügen an schönen Gegenständen hat eigene Gründe: Vollkommenheit, sinnliche Klarheit, das Spiel der Seelenkräfte. Die angenehme Empfindung ist nicht bloß verdünnte Sittenlehre. Die Schaubühne – so der damalige Name des Theaters – darf Leidenschaften erregen, ohne die Unzulässigkeit einer Tat zu leugnen. Damit entsteht ein eigener Bezirk des Ästhetischen neben Metaphysik und Moral, noch nicht als autonome Kunstreligion, aber als Vermögen, das ernst genommen werden will.

Im zweiten Teil wird das am Selbstmord durchgespielt. Moralisch weist Mendelssohn jede Rechtfertigung der Selbsttötung zurück. Ästhetisch darf sie auf der Bühne stehen, weil Zweck des Trauerspiels die Erregung von Leidenschaften ist, vor allem des Mitleids. Die Heftigkeit, die den Selbstmörder treibt, rührt den Zuschauer, ohne die Tat zu empfehlen. Was sittlich verwerflich bleibt, kann theatralisch tauglich sein. Die vermischten Empfindungen – Lust am Schmerz, Wohlgefallen am Erhabenen, Rührung – werden so zu einem Prüfstein: das Objekt, die künstlerische Hervorbringung und die Wirkung auf den Betrachter fallen nicht in eins. Schönheit und moralische Würde können auseinandertreten, ohne dass eine die andere widerlegt.

Das Buch bleibt brieflich, gesellig, noch nicht systematisch. Es teilt die Form der zeitgenössischen Moralistik und der Freundschaftsphilosophie. Spätere Fassungen in den Philosophischen Schriften haben verdeutlicht und geglättet. Die Grenze zur Psychologie ist durchlässig: Empfindung, Billigung, Vollkommenheit greifen ineinander. Wer Mendelssohn nur als Popularisator Gottfried Wilhelm Leibniz’ und Christian Wolffs liest, verfehlt die Eigenständigkeit der Bühnenforderung. Wer ihn als Vorläufer Kants auf eine Formel bringt, verfehlt den Ton der Briefe, der überzeugen will, ohne zu zwingen. Lessing hat die Schrift rasch besprochen; beide arbeiten in denselben Jahren am Trauerspiel und am Mitleid.

Einordnung

Mit den Briefen tritt Mendelssohn in die Ästhetik ein, die in Deutschland noch jung ist, und gibt ihr eine jüdische Stimme der Berliner Aufklärung. Die Forderung, die Schaubühne habe ihre eigene Sittlichkeit, hat das Trauerspiel des achtzehnten Jahrhunderts mehr bewegt als manche Regelpoetik. Kant hat Ethik und Ästhetik getrennt; Mendelssohn hat die Trennung an einem Fall geübt, der die Theologie berührt: dem Selbstmord. Die Briefform hält den Ton gesellig, als ginge es um Überzeugung unter Freunden, nicht um ein Schulsystem.

Neben Gotthold Ephraim Lessings Dramaturgie und Kants Kritik der Urteilskraft steht das Buch als frühe Theorie vermischter Empfindungen. Die Wirkungsgeschichte ist leiser als die des Phädon, aber für die Kunstlehre folgenreich. Wer Kunst nur als Schule der Tugend oder nur als reines Wohlgefallen denkt, hat die Briefe nicht gelesen. Sie halten beides auseinander und beide ernst.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.