Kruso
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Kruso |
| Autor(en): | Lutz Seiler |
| Originaltitel: | Kruso |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2014 |
| Schlagwörter: | Hiddensee, DDR, Insel, 1989 |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
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| Umfang dieser Ausgabe: | 480 Seiten |
| ISBN: | 9783518466308 |
| Rezensionen | |
Kruso ist der 2014 erschienene erste Roman von Lutz Seiler. Auf Hiddensee, im Sommer des letzten DDR-Jahres, wäscht ein Student Geschirr und gerät in die Lehre eines Mannes, der die Schiffbrüchigen retten will, indem er sie nicht fortschwimmen lässt. Seiler, selbst Abwäscher im Klausner, hat die Insel nicht zur Kulisse der Wende gemacht, sondern zu einem Ort außerhalb der Zeit, an dem die Zeit trotzdem zerreißt. Die Sprache ist sinnlich bis zum Ekel der Spüle und lyrisch, wo das Meer den Satz übernimmt. Der Deutsche Buchpreis und der Uwe-Johnson-Preis haben das Buch rasch festgesetzt.
Inhalt
Der Germanistikstudent Edgar Bendler, Ed, verlässt Halle, nachdem der Kater verschwunden ist, das letzte, was ihn an die tödlich verunglückte Freundin band. Auf Hiddensee, im Ausflugslokal Zum Klausner am Dornbusch, wird er Abwäscher und trifft Alexander Krusowitsch, Kruso, Sohn eines sowjetischen Generals, dessen Schwester am Strand verschwand – Unfall oder Flucht, das Buch lässt es offen. Kruso gebietet über die Saisonkräfte und die Schiffbrüchigen: jene, die mit der DDR abgeschlossen haben und drei Tage auf der Insel bleiben sollen. Heilige Suppe, Waschung, ein Bett – danach, so seine Lehre, spüren sie die Freiheit im Herzen und können zurück, bis die Menge der Freiheit die Unfreiheit sprengt. Ed glaubt das eine Weile, weil er glauben will.
Ed wird in die Rituale gezogen, schreibt Gedichte, schläft, arbeitet, hört Trakl. Das Radio Viola bringt Nachrichten aus Ungarn und Prag; der Klausner hört kaum hin. Kruso will niemanden über die Ostsee lassen, obwohl die Toten im Wasser eine bekannte Rechnung sind. Grenztruppen und Staatssicherheit rahmen die Utopie, und Kruso weiß das. Als die Westgrenzen offen sind, leert sich das Schiff; die Besatzung geht, die Arche sinkt im Bild. Kruso, der den Zerfall seiner Lehre nicht erträgt, greift Ed an und verletzt sich selbst. Der Vater holt ihn auf einen sowjetischen Kreuzer; Salutschüsse erinnern an die Aurora. Ed bleibt allein, führt den Klausner und rekonstruiert Krusos verlorenen Gedichtband.
Am 12. November erfährt Ed aus dem Radio, dass die Grenzen seit Tagen offen sind. Im Nachwort sucht er – und mit ihm der Autor – bei dänischen Behörden nach den Namen der hundertvierundsiebzig DDR-Flüchtlinge, die seit 1961 in der Ostsee umkamen. Fast alle bleiben anonym; nur die Figur Speiche lässt sich zuordnen. Die Insel hat niemanden erlöst. Sie hat eine Freundschaft erzeugt, eine Lehre, und ein Meer, das die Lehre widerlegt. Ed geht, mit den Gedichten und mit den Toten, die keinen Vers bekommen haben.
Einordnung
Seiler hat den Wenderoman geschrieben, indem er die Wende fast aussparte. Hiddensee war in der DDR geduldete Nische und überwachte Insel zugleich; der Klausner wird zur letzten Bastion einer Freiheit, die sich als gemeinsame Täuschung erweist. Die Freundschaft von Kruso und Ed folgt dem Muster Robinson und Freitag, ohne dass die See hier eine Südsee wäre. Trakl, Johnson, Plenzdorf und Rimbaud liegen im Gepäck; die Spüle bleibt trotzdem Spüle. Die Jury des Buchpreises hat die sinnliche Genauigkeit gerühmt, die Kritik die poetische Verweigerung der großen Geste.
Thomas Stubers Fernsehfilm von 2018 mit Albrecht Schuch und Jonathan Berlin hat Gesichter geliefert; die Bühne hat den Stoff mehrfach genommen. Wer nach Seiler über 1989 spricht, spricht hinter diesem Band: hinter einer Insel, auf der man die Freiheit üben wollte, während andere ertranken. Es ist ein erstes Buch, das die Lyrik nicht verrät und die Geschichte nicht illustrativ macht. Die Toten der Ostsee bleiben der letzte Satz, den die Utopie nicht aufwiegen kann.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
