Faserland
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Faserland |
| Autor(en): | Christian Kracht |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | dtv |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1995 |
| Seitenanzahl: | 169 Seiten |
| Originaltitel: | Faserland |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3423191104 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783423191104 |
| Schlagwörter: | Reise, Marken, Leere, Bundesrepublik |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Faserland ist der 1995 bei Kiepenheuer und Witsch erschienene erste Roman von Christian Kracht. Ein namenloser Ich-Erzähler, Ende zwanzig, Sohn einer reichen Familie, fährt und fliegt von Sylt über Hamburg, Frankfurt, Heidelberg, München und Meersburg nach Zürich. An jedem Ort gibt es Alkohol, Rauschmittel und Feste, die niemand mehr als Freude erfährt. Die Kritik nahm das Buch zunächst kühl; später galt es als Gründungstext jener leichten Gegenwartsprosa der neunziger Jahre, die Marken und Nachtlokale für Literatur hielt – eine Zuordnung, der Krachts späteres Werk widersprochen hat.
Inhalt
Auf Sylt trifft der Erzähler die alte Internatsbekannte Karin aus Salem. Er hört nicht zu, während sie redet. Sie trinken Champagner im Lokal Odin, küssen sich am Strand; Karin will ihn am nächsten Abend wiedersehen, er wird dann schon fort sein. Im Zug nach Hamburg trinkt er fünf kleine Flaschen Wein. Bei seinem Freund Nigel findet er eine teure, heruntergekommene Wohnung. Auf einem Fest nimmt er zum ersten Mal eine Tablette, fühlt sich einer unbekannten Frau verbunden, bis sie sich übergeben hat, und fährt angewidert zurück. Er öffnet Nigels Schlafzimmertür und sieht ihn mit zwei Gästen beim Beischlaf zu dritt, geht zum Flughafen und fliegt nach Frankfurt.
Im Hotel Frankfurter Hof denkt er an den Freund Alexander, übergibt sich, schläft in der Badewanne ein und findet das Zimmer wie gereinigt vor. Im Café Eckstein erscheint Alexander und erkennt ihn nicht; der Erzähler nimmt Alexanders gewachste Jacke von der Lehne. Frankfurt ekelt ihn, er will nach Karlsruhe, steigt aber in Heidelberg aus, weil die Stadt schön sein soll. Der Student Eugen nimmt ihn mit auf ein Fest, wo Nadja ihm Gesellschaft leistet. Eugen drängt ihn zu Kokain und belästigt ihn sexuell; im Keller findet der Erzähler Nadja und Nigel, beide nicht mehr ansprechbar, und flieht. Rollo, ein alter Freund, weckt ihn und fährt ihn im Sportwagen nach München, zu einer Großveranstaltung am Stadtrand, dann in die Innenstadt, aus der sie gehen, weil eine Schlägerei mit Rechtsextremen ausbricht.
In Meersburg feiert Rollo in der Seevilla der Eltern Geburtstag. Der Erzähler trifft Karin wieder und sieht, dass Rollo abhängig ist und keine Freunde hat, nur Bekannte. Am See findet er ihn betrunken, verspricht Bier und Zuhören und stiehlt stattdessen den Wagen nach Zürich. Zwei Tage später liest er in der Zeitung, Rollo habe sich nach dem Fest das Leben genommen. Er träumt von einem Leben mit der Schauspielerin Isabella Rossellini in einer Holzhütte und fährt zum Friedhof Kilchberg, das Grab Thomas Manns zu suchen, dessen Bücher er den Pflichtschweizern der Schule vorgezogen hat. Er findet das Grab nicht, geht zum See und bietet einem Mann zweihundert Franken für die Überfahrt. Fast in der Mitte des Wassers endet der Roman mit den Worten: »Schon bald«.
Einordnung
Martin Halter schrieb 1995 von einem arroganten Geck, der Zeitgeist für Literatur halte. Vergleiche mit Bret Easton Ellis und Jay McInerney lagen nah. Moritz Baßler las das Buch als Gründungsphänomen des Literatur-Pop; Hubert Spiegel erklärte diese Blüte schon bei Krachts zweitem Roman 1979 für beendet. Georg Diez nannte Faserland das am meisten missverstandene Buch der neunziger Jahre: Es klinge lustig nach Fischbrötchen und Champagner und handle vom Ende einer Welt, bevor der Hauptstrom gemerkt habe, dass es sie gab. Die Teilnahmslosigkeit der Sprache macht die Wohlstandsverwahrlosung sichtbar, nicht ihre Verklärung.
Ob Kracht zur Identifikation einlädt oder die Kommunikationsunfähigkeit einer Schicht bloßstellt, ist unter Lesern unentschieden. Florian Illies lobte, dass Markenprodukte als Fundamente des Lebens erschienen; andere hörten nur Affirmation, wo die Oberfläche gestreichelt wird. 2013 war der Roman niedersächsische Abiturlektüre und stieß auf den Protest von Germanisten, das Lebensgefühl sei nicht das der Schüler. Kracht selbst hat das Buch später als ersten Teil eines Triptychons bezeichnet. Wer nach 1995 die Bundesrepublik als Reise durch Marken, Rausch und Unfähigkeit zum Beistand erzählt, erzählt hinter diesem Erzähler, der seinen Freund am See stehen lässt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
