Mephisto

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Version vom 21. August 2026, 17:40 Uhr von Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (Diskussion | Beiträge) (Neuer Werkartikel, ausführlicher Inhalt.)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Mephisto
Autor(en): Klaus Mann
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Rowohlt
Serie:
Erscheinungsjahr: 1936
Seitenanzahl: 416 Seiten
Originaltitel: Mephisto. Roman einer Karriere
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3499276860
ISBN-13/

EAN-Code:

9783499276866
Schlagwörter: Laufbahn, Anpassung, Theater, Nationalsozialismus
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Mephisto ist der Roman von Klaus Mann, 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido erschienen, Untertitel Roman einer Karriere. Der Schauspieler Hendrik Höfgen steigt in der Weimarer Republik auf und dient sich nach 1933 den neuen Herren an, bis er Intendant unter dem Hakenkreuz ist und Mephisto spielt, als wäre das nur eine Rolle. Mann, Sohn Thomas Manns, im Exil, hat in Höfgen den Kollegen Gustaf Gründgens kenntlich gemacht, ohne eine Gerichtsakte zu schreiben. Das Buch wurde in der Bundesrepublik lange verboten, weil Gründgens’ Adoptivsohn klagte; erst 1981 erschien es wieder frei. Es bleibt der schärfste deutsche Roman über die Kunst, die sich mit der Macht verwechselt.

Inhalt

Höfgen, ehrgeizig, begabt, unsicher, spielt in Hamburg in einem linken Theater, redet von Revolution, übt Tanz und Dialekt, und bindet sich an die schwarze Tänzerin Juliette, die seinen Körper und seine Angst kennt, und an die reiche Barbara Bruckner, Tochter eines liberalen Rats, die er heiratet, weil sie ihn in eine andere Gesellschaft hebt. Die Bühne lohnt den Fleiß: Berlin, die großen Rollen, der Ruf, ein Mann der Zukunft zu sein. Freunde aus der Hamburger Zeit – darunter der Kommunist Otto Ulrichs – bleiben zurück oder werden unbequem. Höfgen glaubt, die Kunst schütze vor der Entscheidung. 1933 schützt sie nicht. Barbara geht ins Exil; Juliette wird abgeschoben, später misshandelt von der Nähe zu einem Mann, der sie verleugnet. Höfgen bleibt.

Er bleibt, weil die neue Macht Theater braucht und weil er gebraucht werden will. Ein Luftwaffengeneral, im Buch als mächtiger Gönner gezeichnet, nimmt ihn unter den Arm; Höfgen spielt den Mephistopheles und wird zum Vorzeigekünstler des Regimes, Intendant, gefeiert, in der Loge sichtbar. Er rettet, wo es ihn wenig kostet, einen alten Bekannten, und verrät, wo die Laufbahn droht. Ulrichs kommt um. Höfgen redet sich ein, er diene der Kunst und mildere von innen. Mann zeigt die Selbstgespräche, die Schminke, die Angst vor dem Telefon, die Kälte gegenüber denen, die draußen sind. Die Bühne, auf der Mephisto den Faust holt, wird zur Wahrheit des Darstellers: Er hat die Seele nicht verkauft, weil er keine mehr getrennt von der Rolle besitzt.

Am Ende steht Höfgen oben und ist hohl. Ein Fest, ein Auftrag, die Maske, die nicht mehr abgeht. Das Regime bleibt, die Freunde sind tot oder weg, die Frauen haben ihn durchschaut. Klaus Mann gibt ihm keine Bekehrung und keine Strafe durch ein Gericht; die Strafe ist das Gelingen. Wer Höfgen auf der Höhe sieht, sieht den Clown der Macht, der noch immer glaubt, er spiele nur. Der Roman einer Karriere ist der Roman einer Anpassungsleistung, die als Talent auftritt. Mephisto verneigt sich. Der Vorhang fällt nicht.

Einordnung

Mann hat den Schlüsselroman als Zeitdiagnose geschrieben: nicht Gründgens allein, sondern der Typus des begabten Dieners, der jede Sprache lernt, die man auf der Bühne braucht. Im Exil 1936 war das eine Anklage nach innen, an die deutsche Kultur, die weiterprobte. Thomas Manns späterer Doktor Faustus holt den Pakt auf eine andere Ebene, in die Musik und die deutsche Schuld; Klaus Mann hält sich an die Schminkkammer und die Intendanz. Das Verbot in der Bundesrepublik, erwirkt über das Persönlichkeitsrecht, hat dem Buch eine zweite Geschichte gegeben: die der Nachkriegsjustiz, die den Toten Gründgens schützte und den Exilanten schwächte. Seit der Freigabe ist Mephisto der Schultext zur Anpassung, oft gegen die Feinheit des Romans verkürzt.

István Szabós Film von 1981 mit Klaus Maria Brandauer hat Höfgen ins internationale Bild gesetzt und die Theatermetapher wörtlich genommen. Der Text bleibt bitterer, genauer in den Hamburger Anfängen, kälter in der Behandlung Juliettes. Die bundesdeutsche Sperre hat aus einem Exilroman ungewollt ein Lehrstück über Nachkrieg und Ansehen gemacht. Wer nach Klaus Mann über Kunst und Diktatur spricht, spricht hinter dieser Laufbahn; wer den Band nur als Abrechnung mit Gründgens liest, hat den Untertitel nicht verstanden: Es geht um eine Karriere, die viele hätten machen können.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.