Deutschstunde
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Deutschstunde |
| Autor(en): | Siegfried Lenz |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | dtv |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1968 |
| Seitenanzahl: | 576 Seiten |
| Originaltitel: | Deutschstunde |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3423134119 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783423134118 |
| Schlagwörter: | Pflicht, Malverbot, Nordfriesland, Schuld |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Deutschstunde ist der Roman von Siegfried Lenz, 1968 bei Hoffmann und Campe erschienen, der den Autor über den Kreis der Kurzgeschichten hinaus zum Erzähler einer ganzen Schuldgeschichte machte. In einer Anstalt an der Nordsee schreibt der junge Siggi Jepsen einen Aufsatz über die Freuden der Pflicht und kommt nicht zu Ende, weil die Pflicht in seinem Elternhaus den Namen des Vaters trug. Der Schauplatz ist ein nordfriesisches Dorf in den Kriegsjahren, der Anlass ein Malverbot gegen den Expressionisten Max Ludwig Nansen – eine Figur nach dem Maler Emil Nolde, ohne dass Lenz eine Biographie nacherzählt. Das Buch wurde ein großer Verkaufserfolg der westdeutschen Nachkriegsliteratur und bleibt die schärfste Erzählung darüber, wie Gehorsam sich als Tugend verkleidet.
Inhalt
Siggi sitzt in der Jugendanstalt auf einer Insel und soll über die Freuden der Pflicht schreiben. Er schreibt stattdessen die Geschichte seines Vaters Jens Ole Jepsen, Polizeiposten in Rugbüll, und des Malers Max Ludwig Nansen, der am Deich lebt, Siggis Taufpate ist und Bilder malt, die das Regime entartet nennt. 1943 erhält Jepsen den Befehl, Nansen das Malen zu verbieten und das Verbot zu überwachen. Jepsen führt den Befehl aus, nicht aus Überzeugung für die Partei, sondern weil ein Befehl ein Befehl ist und Pflicht das Rückgrat seines Lebens. Der Sohn soll den Freund des Hauses beobachten, Skizzen wegnehmen, den Blick auf die Leinwand denunzieren. Siggi liebt die Bilder und den Maler; er gerät zwischen die beiden Männer, die einander kennen, seit sie jung waren, und nun auf gegenüberliegenden Seiten des Deichs stehen.
Nansen malt weiter, versteckt Blätter, gibt Siggi Zeichenunterricht, spricht von »ungemalten Bildern«, die niemand beschlagnahmen kann. Jepsen steigert die Überwachung: Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmen, die Kälte am Tisch, die Mutter, die schweigt, der Bruder Klaas, der sich dem Krieg verweigert und dafür bricht. Siggi hilft dem Maler, versteckt Arbeiten, lügt den Vater an und lernt, dass Pflicht in diesem Haus heißt, den anderen zu verraten. Nach dem Krieg bleibt Jepsen Polizist und bleibt bei der Pflicht; das Verbot ist aufgehoben, der Charakter nicht. Siggi stiehlt weiterhin Bilder, nun um sie vor dem Vater und vor einer Welt zu retten, die Nansen plötzlich wieder feiert. Die Anstalt, in die man ihn steckt, weil er nicht aufhört zu nehmen, was er für bedroht hält, verlangt den Aufsatz. Der Aufsatz wird zum Roman.
In den Heften der Anstalt schiebt Siggi die Kriegszeit, die Nachkriegsjahre und den Schreibgegenwart ineinander. Der Anstaltsleiter und der Psychologe wollen eine klare Linie: Täter, Opfer, Besserung. Siggi liefert Landschaften, den Nordwestwind, die Farben Nansens, die Stimme des Vaters, der noch immer erklärt, er habe nur seine Schuldigkeit getan. Am Ende ist der Aufsatz geschrieben und die Pflicht unerledigt. Jepsen begreift nichts; Nansen malt; Siggi hat erzählt, ohne frei zu sein. Lenz lässt keine Versöhnung am Deich zu. Die Deutschstunde, die der Titel meint, ist der Versuch, die Sprache der Pflicht zu zerlegen, indem man sie vollständig ausspricht. Wer fertig ist, hat nicht bestanden, sondern nur aufgehört zu schweigen.
Einordnung
Lenz hat den Nationalsozialismus nicht als Teufelswerk ferner Schergen erzählt, sondern als Dorfarbeit eines Mannes, der seinen Sohn zum Spitzel macht, weil das Amt es verlangt. Das ist unbequemer als die große Anklage: Jepsen ist kein Ungeheuer, er ist der Polizist, den das Dorf kennt. Der Maler Nansen trägt Züge Noldes, einschließlich der Ambivalenz eines Künstlers, der selbst nicht einfach nur Opfer war; Lenz hat die Figur dennoch zur Gegenseite der Pflicht gemacht, zur Behauptung des Blicks. In der westdeutschen Literatur nach 1945 steht der Roman neben Günter Grass’ Die Blechtrommel und den Väterbüchern der folgenden Jahre, ohne deren Groteske: Lenz schreibt klar, episch, mit der Geduld des Deichs. Der Erfolg von 1968 fiel in eine Zeit, die nach dem Gehorsam der Väter fragte; das Buch gab dieser Frage eine Geschichte, die man nicht abhaken konnte.
Die Verfilmung von Peter Beauvais (1971) und die spätere Neuverfilmung haben das Nordfriesische und das Verbot ins Bild gesetzt; die Anstalt als Schreibort, das eigentliche Kunstmittel des Romans, bleibt im Buch stärker. Schulausgaben haben Deutschstunde zur Pflichtlektüre über Pflicht gemacht – eine Ironie, die Lenz vorausgesehen haben könnte. Die Landschaft am Deich ist dabei kein Trost, sondern Gedächtnis: Derselbe Wind trägt die Stimmen weiter. Wer nach diesem Band über Befehl und Verantwortung spricht, spricht hinter Siggi Jepsens Heften; wer den Vater nur als Nazi und den Maler nur als Widerstand liest, hat die Freundschaft der beiden Männer und ihr Scheitern nicht ernst genommen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
