Protagoras
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Protagoras |
| Autor(en): | Platon |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 223 Seiten |
| Originaltitel: | Πρωταγόρας |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3150017087 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150017081 |
| Schlagwörter: | Tugend, Sophistik, Lehrbarkeit, Wissen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Protagoras ist ein früher Dialog von Platon, wahrscheinlich um 390 vor Christus entstanden. Er spielt in Athen, im Hause des reichen Kallias, und stellt den Lehrer Sokrates dem berühmten Sophisten Protagoras gegenüber. Die Frage lautet, ob die Vortrefflichkeit – griechisch Arete, Tüchtigkeit und Tugend in einem Wort – lehrbar sei, und wer sie lehren dürfe. Platon schreibt gegen den Anspruch der Wanderlehrer, politisches Gelingen und sittliche Haltung als Ware zu verkaufen. Der Dialog gilt als literarisches Meisterstück und als eine der schärfsten frühen Abrechnungen mit der Sophistik.
Inhalt
Sokrates erzählt, wie der junge Hippokrates ihn vor Tagesanbruch weckt, weil Protagoras in der Stadt ist und er um jeden Preis dessen Schüler werden will. Im Hof hält Sokrates den Eifernden fest: Sophisten verkaufen Nahrung für die Seele, ohne dass man vorher prüfen kann, ob sie bekommt. Im Haus des Kallias sitzen Protagoras, Hippias von Elis und Prodikos von Keos je in einer Schar von Zuhörern; auch Alkibiades und Kritias finden sich ein. Protagoras verspricht, den Schüler zum tüchtigen Bürger zu machen, der Haus und Stadt zu führen versteht. Sokrates widerspricht mit der athenischen Praxis: Über den Schiffsbau reden nur Fachleute, über die Polis darf jeder mitreden, und selbst Perikles hat seinen Söhnen die eigene Tüchtigkeit nicht beibringen können. Also scheint die politische Vortrefflichkeit kein Wissen zu sein, das man wie ein Handwerk erwirbt.
Protagoras antwortet mit einem Mythos. Prometheus stiehlt den Menschen das Feuer und die technischen Künste; die politische Kunst behält Zeus zurück, bis die zerstreuten Menschen aneinander zugrunde gehen. Dann lässt Zeus Rechtsgefühl und Scham an alle verteilen, nicht nur an wenige, weil ohne sie keine Stadt besteht. Deshalb darf in Athen jeder über Gerechtigkeit mitreden, und deshalb zürnt man dem Ungerechten, während man dem Krüppel sein Gebrechen nachsieht: Ungerechtigkeit gilt als vermeidbar und also als lehrbar. Strafe zielt auf die Zukunft, nicht auf Rache. Sokrates lässt die Lehrbarkeit gelten und verschiebt die Frage: Sind Gerechtigkeit, Besonnenheit, Frömmigkeit, Tapferkeit und Weisheit Teile eines Ganzen wie Augen und Ohren, oder nur Namen derselben Einheit? Protagoras hält sie auseinander, vor allem die Tapferkeit; Sokrates treibt ihn in Widersprüche, bis der Sophist längere Reden will und Sokrates das Gespräch abzubrechen droht. Die Zuhörer vermitteln; man wechselt die Rollen, und Protagoras versucht es mit der Dichterauslegung des Simonides, die Sokrates zerlegt, um zu zeigen, dass man eigene Gründe vorbringen muss, nicht fremde Verse.
Dann setzt Sokrates die Behauptung, niemand handle freiwillig schlecht. Was die Menge Willensschwäche nennt – griechisch Akrasia, das Handeln gegen besseres Wissen –, sei in Wahrheit Unwissenheit: Man wählt das nähere Angenehme, weil man Lust und Leid nicht richtig misst. Wer die Messkunst besäße, täuschte sich nicht über das Fernere. Tapferkeit ist demnach Wissen vom wirklich Gefährlichen, Feigheit Unkenntnis desselben. Protagoras muss zustimmen, und damit kehrt sich die Ausgangslage um: Die Tugend erscheint als Wissen und also lehrbar, aber nicht in dem Sinn, den der Sophist meinte, während offenbleibt, was sie selbst sei. Sokrates verlässt das Haus; der letzte Satz deutet an, dass Hippokrates mitgeht, und die Erzählung an den Freund am Anfang erweist sich als Rückweg vom Streit. Platon lässt Sokrates siegen, ohne ihm eine fertige Lehre in den Mund zu legen, und zeichnet Protagoras würdiger als die übrigen Sophisten – eitel und geschäftstüchtig, aber kein bloßer Scharlatan.
Einordnung
Der Protagoras gehört zu den Dialogen, in denen Platon die sophistische Bildung vorführt, um sie von innen zu entkräften. Die Einheit der Tugend und die Unmöglichkeit, wissentlich das Schlechte zu wählen, werden später in Der Staat in die Lehre von den Seelenteilen überführt. Der späte Politikos nimmt die Frage nach der Staatskunst wieder auf und bestimmt sie als Weben gegensätzlicher Naturen, nicht als Verkauf von Redefertigkeit. Wer den Protagoras nur als Widerlegung eines Gegners liest, verfehlt, dass Platon hier ein Kalkül von Lust und Unlust durchspielt, das er im Gorgias verwerfen wird. Die Forschung streitet, ob Sokrates den Hedonismus ernst meint oder ihn nur als Maßstab der Messkunst braucht.
Die Nachwirkung liegt weniger in einer Schule als in einer Figur: der Sophist als Lehrer des Erfolgs, der Wahrheit durch Wirkung ersetzt. Aristoteles hat in der Nikomachischen Ethik die Willensschwäche gegen Platon wieder zugelassen. Mit dem platonischen Dialog als Form hängt der Text eng zusammen: Das Streitgespräch selbst ist das Argument. Neben Der Staat bleibt der Protagoras der Ort, an dem Platon die demokratische Allzuständigkeit Athens ernst nimmt und zugleich zeigt, warum sie ihm nicht als Wissen gilt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
