Die Krankheit zum Tode

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Søren Kierkegaard · 1849 · Sachbuch, Philosophie
Das Werk
Deutscher Titel: Die Krankheit zum Tode
Autor(en): Søren Kierkegaard
Originaltitel: Sygdommen til Døden
Originalsprache: dänisch
Erstveröffentlichung: 1849
Schlagwörter: Verzweiflung, Selbst, Sünde, Glaube
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 212 Seiten
ISBN: 9783150143254
Verweise
Umschlag

Die Krankheit zum Tode (dänisch Sygdommen til Døden) ist das 1849 unter dem Namen Anti-Climacus erschienene Werk von Søren Kierkegaard. Es fasst die Verzweiflung als Krankheit des Geistes, an der jeder leidet, und deutet sie christlich: Heilung gibt es nur im Glauben, der das Selbst demütig unter Gott stellt. Der Titel spielt auf Lazarus an, dessen Krankheit nicht zum Tode sein sollte und der doch starb; der Tod des Geistes ist kein Ende, sondern ewiges Hinsiechen. Kierkegaard hatte Goethes Werther gelesen; die Krankheit zum Tode ist hier nicht die Lage eines Helden, sondern die Verfassung des Selbst.

Inhalt

Kierkegaard schreibt gegen die Beruhigung, man sei nicht verzweifelt, weil man es nicht fühle. Der Mensch ist ein Selbst: ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, gesetzt von Gott, nicht frei gewählt. In diesem Selbst kreuzen sich Endlichkeit und Unendlichkeit, Möglichkeit und Notwendigkeit, Zeitlichkeit und Ewigkeit. Wer mit diesem Selbst unzufrieden ist, hat nur Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft beobachtbar sind und alle in dieselbe Krankheit münden. Eine Grippe befällt den Körper einmal und endet in Heilung oder Tod; die Verzweiflung zieht man sich in jedem Augenblick neu zu, in dem das Selbst sich seiner Unzufriedenheit bewusst sein kann. Der Tod beendet sie nicht, weil sie keine Krankheit des endlichen Körpers ist. Geheilt wird sie nur, wenn ihre Möglichkeit ausgelöscht wird, nachdem sie durchlebt wurde.

Die Arten der Verzweiflung staffelt Kierkegaard nach den Momenten der Synthese und nach dem Grad des Bewusstseins. Uneigentlich verzweifelt, wer sich nicht bewusst ist, ein Selbst zu haben; stärker, wer verzweifelt nicht er selbst sein will; am stärksten, wer verzweifelt er selbst sein will und das gesetzte Selbst verwirft. Mit dem Bewusstsein potenziert sich die Krankheit: wer sie kennt, steht der Heilung näher und ist doch verzweifelter als der Unbewusste. Heilung verlangt, das eingebildete Selbst aufzugeben, das ursprüngliche zu gewinnen und sich mit allen Stärken und Schwächen unter Gott zu stellen. Verzweifelte sind leicht zu finden; Geheilte schwer. Der einzige Weg aus der Verzweiflung führt, so Anti-Climacus, zum Christentum.

Der zweite Abschnitt nennt die Sünde: Verzweiflung vor Gott. Nur der Christ kann sündigen, weil nur er die Offenbarung kennt und trotzdem verzweifelt. Das Gegenteil der Sünde ist nicht Tugend, sondern Glaube. Sünde ist gewollte Unwissenheit: das Erkannte muss dem Willen nicht gefallen. Hier wird das Buch hart und eng. Die psychologische Feinheit des ersten Teils, die das Selbst als Missverhältnis beschreibt, ohne schon zu predigen, mündet in eine Alternative, die keine dritte Stellung duldet. Kierkegaard weiß, dass die Allgemeinheit der Verzweiflung die Seltenheit des Glaubens beweist, und nimmt das als Bestätigung, nicht als Einwand. Der Ton ist diagnostisch, oft schulmäßig in der Gliederung, dann von einer Eindringlichkeit, die den Leser als Kranken anredet. Anti-Climacus ist strenger als Kierkegaard sich selbst zu sein erlaubte; das Pseudonym trägt die Überforderung.

Einordnung

Unter den Spätschriften ist dies die Psychologie des Selbst, an der die Existenzphilosophie sich abgearbeitet hat, oft ohne den zweiten Abschnitt. Jean-Paul Sartre nahm in Das Sein und das Nichts die Unmöglichkeit, mit sich zusammenzufallen, und strich Gott; die Verzweiflung wurde Freiheit ohne Heilung. Martin Heidegger übersetzte in Sein und Zeit das Selbstverhältnis in Sorge und nannte den Glauben nicht. Romano Guardini las die Schwermut als Ausgang der Denkbewegung. Die Theologie hat das Buch als Erneuerung der Sündenlehre genommen; die Psychologie als Phänomenologie der Verzweiflung, die den christlichen Schluss abstreifen zu können glaubte.

Die Kritik nennt den Anti-Climacus erpresserisch: entweder Glaube oder ewige Krankheit. Geblieben ist die Beschreibung des Selbst als Verhältnis, das misslingen kann, ohne dass ein äußeres Unglück nötig wäre. Wer nach 1849 über Verzweiflung spricht, als wäre sie eine Stimmung unter anderen, hat die Krankheit zum Tode nicht gelesen. Die Reclam-Ausgabe gibt den Text, an dem sich das Christentum und seine philosophischen Erben gleichermaßen messen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.