Wahrheit und Methode
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Wahrheit und Methode |
| Autor(en): | Hans-Georg Gadamer
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1960 |
| Schlagwörter: | Verstehen, Überlieferung, Sprache, Vorurteil |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Mohr Siebeck
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| Umfang dieser Ausgabe: | 494 Seiten |
| ISBN: | 9783161486920 |
| Verweise | |
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik ist das 1960 in Tübingen bei Mohr erschienene Hauptwerk von Hans-Georg Gadamer. Hermeneutik ist hier weder Verfahren noch Methodik der Geisteswissenschaften, sondern das Geschehen des Verstehens selbst und der Auslegung des Verstandenen. Gadamer will eine Wahrheit rechtfertigen, die Kunst und Geschichte offenbaren und die wissenschaftliche Beweisführung übersteigt. Der Titel nennt Methode nicht als Lösung, sondern als Grenze: Wahrheit, die sich im Verstehen zuträgt, fällt nicht mit dem Methodenideal der Naturwissenschaften zusammen.
Inhalt
Gadamer schreibt gegen die Aufklärung, soweit sie das Vorurteil nur als unbegründetes Urteil kennt und die Vernunft zur letzten Autorität macht. Absolute Vernunft sei unmöglich, weil jeder Geist endlich und von Vormeinungen gehalten sei. Autorität müsse durch Überlegenheit in Urteil und Einsicht erworben werden, nicht verliehen; Tradition sei übergeordnete Autorität, weil auch die Wissenschaft der Vernunft Geschichte habe. Verstehen bewegt sich im hermeneutischen Zirkel: das Ganze aus dem Einzelnen, das Einzelne aus dem Ganzen, Erwartung und Revision. Die Vormeinung ist nicht zu streichen, sondern auf Geltung und Herkunft zu prüfen und mit dem Sinn des Gegenübers zu vermitteln. Daraus wächst eine Horizonterweiterung, keine bloße Einverleibung fremden Sinns in das eigene Vorurteil.
Verstehen ist Anwendung auf eine Lage. Der Sinn eines Textes löst sich von der Absicht des Autors. Die Logik von Frage und Antwort bestimmt das hermeneutische Bewusstsein: Die Frage hat Richtung und bleibt offen; die Antwort hat nur im Sinne der Frage Sinn. Wesentlich am Einfall ist nicht die Lösung, sondern die bestimmte offene Frage. Sprache ist Medium und Grundvollzug des In-der-Welt-Seins. Wir lernen Welt, Menschen und uns selbst, indem wir sprechen lernen. Je lebendiger die Sprache, desto weniger fällt sie auf. Dialektik ist die Kunst, ein Gespräch zu führen, Begriffsbildung als Herausbildung des Gemeinsamen. Der Ausgang eines Gesprächs wird nicht von den Sprechenden beherrscht. Sein und Darstellung sind im Zur-Sprache-Kommen nicht zu trennen. Die Endlichkeit des menschlichen Geistes ist Voraussetzung der hermeneutischen Erfahrung; ein unendlicher Geist philosophiere nicht, weil er jeden Sinn aus sich denken könnte.
Der Ton ist geduldig, schulisch im besten Sinn, an Heidegger und Hegel geschult, ohne deren Gestus der Zerreißung. Gadamer stützt sich auf Sein und Zeit, wendet die Hermeneutik aber vom Dasein zur Überlieferung von Kunst, Recht und Geschichte. Unsicher wird das Buch, wo Rehabilitierung von Vorurteil und Autorität als Konservatismus gelesen werden muss und wo das „immer anders verstehen“ in einer Tradition die Kritik an herrschender Auslegung zu verschlucken droht. Gadamer beharrt auf der Endlichkeit und zugleich auf einem Wiedererkennen, das Andersverstehen wird. Die universelle Behauptung, Verstehen sei sprachlich, hat die Debatte mit der Ideologiekritik eröffnet.
Einordnung
Das Werk begründete Gadamers internationalen Ruhm und machte die philosophische Hermeneutik zu einer der maßgeblichen Richtungen der zweiten Jahrhunderthälfte. Der Band Hermeneutik und Ideologiekritik mit Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel markiert den Streit: Ob Überlieferung Einverständnis trägt oder Herrschaft verschleiert. Nachbarschaft hat das Buch zu Heideggers Sein und Zeit, zur Kritik der reinen Vernunft, deren Methodenfrage Gadamer geisteswissenschaftlich umwendet, und zu Strukturwandel der Öffentlichkeit, der Öffentlichkeit und Kritik gegen den Vorrang der Tradition setzt. In den Philologien wurde „Horizontverschmelzung“ oft zur Formel verdünnt.
Das Missverständnis liegt darin, Wahrheit und Methode als Absage an Methode überhaupt oder als Rezept der Interpretation zu lesen. Gadamer leugnet nicht, dass Wissenschaften Methoden haben; er bestreitet, dass Verstehen in Kunst und Geschichte in Methodik aufgeht. Geblieben ist der Zirkel als Bewegung, nicht als Fehler – und die Einsicht, dass wir einer Überlieferung schon angehören, bevor wir sie beurteilen, ohne deshalb aufhören zu müssen, sie zu befragen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
