Das ist bei uns nicht möglich: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
(Neuer Werkartikel, ausführlicher Inhalt.)
 
(Ideen-Zettel ergänzt)
 
Zeile 32: Zeile 32:
  
 
Neben den europäischen Diktaturromanen der dreißiger Jahre steht das Buch als der amerikanische Fall: nicht der charismatische Teufel, sondern der schlechte Redner mit guter Organisation. Wer es nur als Schlüssel zu einem späteren Präsidenten liest, verengt Fort Beulah. Es bleibt ein Roman über die Zeitung, die zu spät begreift, und über den Bürger, der Widerstand mit dem Satzanfang „bei uns“ verhindert hat. Die Minute Men sind erfunden und trotzdem kenntlich. Wer nach Lewis über die Möglichkeit des Faschismus in den Vereinigten Staaten spricht, spricht hinter diesem Titel.
 
Neben den europäischen Diktaturromanen der dreißiger Jahre steht das Buch als der amerikanische Fall: nicht der charismatische Teufel, sondern der schlechte Redner mit guter Organisation. Wer es nur als Schlüssel zu einem späteren Präsidenten liest, verengt Fort Beulah. Es bleibt ein Roman über die Zeitung, die zu spät begreift, und über den Bürger, der Widerstand mit dem Satzanfang „bei uns“ verhindert hat. Die Minute Men sind erfunden und trotzdem kenntlich. Wer nach Lewis über die Möglichkeit des Faschismus in den Vereinigten Staaten spricht, spricht hinter diesem Titel.
 +
 +
== Ideen ==
 +
 +
[[Zettel:Diktatur|Diktatur]]
  
 
[[Kategorie:Belletristik]]
 
[[Kategorie:Belletristik]]

Aktuelle Version vom 23. August 2026, 20:36 Uhr

Sinclair Lewis · 1935 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Das ist bei uns nicht möglich
Autor(en): Sinclair Lewis
Originaltitel: It Can't Happen Here
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1935
Schlagwörter: Faschismus, Amerika, Zeitung, Diktatur
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Aufbau Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 442 Seiten
ISBN: 9783746636948
Verweise
Umschlag

Das ist bei uns nicht möglich ist ein Roman von Sinclair Lewis, 1935 unter dem Titel It Can't Happen Here erschienen, deutsch 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido in der Übersetzung von Hans Meisel. Lewis, schon Nobelpreisträger, schrieb gegen die Beruhigung, Faschismus sei eine europäische Krankheit. Der Demagoge Buzz Windrip gewinnt die Präsidentschaft, die Minute Men werden zur Prätorianergarde, der Zeitungsmann Doremus Jessup lernt, dass es doch geht. Das Buch war in den Vereinigten Staaten ein Verkaufserfolg, geriet in Vergessenheit und kam mit späteren Wahlkämpfen zurück auf die Tische. Der deutsche Titel zitiert den Satz, den die Figuren sich vorsagen, bis er falsch ist.

Inhalt

In der Kleinstadt Fort Beulah in Vermont führt Doremus Jessup die örtliche Zeitung, skeptisch, gebildet, verheiratet, nicht zum Helden geboren. Der Senator Berzelius „Buzz“ Windrip wirbt mit fünfzehn Punkten, die jedem alles versprechen: Einkommen, Stolz, Rache an Intellektuellen, Juden, Unruhestiftern. Jessup hält Windrip für einen Hanswurst; die Nachbarn, die Krise und die Langeweile halten ihn für einen Erlöser. Windrip schlägt den vernünftigeren Kandidaten, zieht ins Weiße Haus und räumt Parlament, Gerichte und Presse beiseite. Die Minute Men, eine uniformierte Hilfstruppe, prügeln, verhaften, verschwinden lassen. Jessups Familie spaltet sich: Ein Schwiegersohn macht Karriere im neuen Staat, die Tochter Sissy und der Lehrer Buck Titus halten zu ihm, so lange das noch geht.

Jessup schreibt weiter, erst vorsichtig, dann im Untergrund. Windrips Amerika bekommt Lager, Zensur, einen Kriegston gegen Mexiko, eine Sprache, in der „bei uns“ die Ausnahme von jeder Grausamkeit war, die man in Europa schon sah. Lewis mischt Satire und Angst: Windrip ist grob, eitel, leserlich dumm – und trotzdem wirksam, weil die Anständigen zu spät zählen, was Dummheit anrichten kann. Jessup kommt ins Lager, kommt wieder raus, flieht, arbeitet für eine Widerstandszelle, die Flugblätter druckt und sich nicht zur Armee aufschwingt. Die Diktatur zerfällt nicht von selbst; sie verschleißt sich in Palastintrigen, während das Land schon gewöhnt ist.

Der Roman schließt nicht mit der Wiederherstellung der alten Republik als Fest. Jessup überlebt als Mann, der den Satz des Titels nicht mehr sagen wird. Windrip wird beiseitegeschoben, die Maschine läuft unter anderen Namen weiter, der Widerstand bleibt klein. Lewis, der durch seine Frau Dorothy Thompson vom deutschen Faschismus wusste, hat Huey Long und amerikanische Agitatoren in Windrip verdichtet, ohne eine Schlüsselgestalt zu porträtieren. Fort Beulah steht für tausend Orte, an denen die Zeitung noch an Anstand glaubte, als die Menge schon den Fackelzug wollte. Der Leser sieht den Umschlag früher als Jessup; genau das ist die didaktische Härte des Buches.

Einordnung

Lewis hat 1935 keinen prophetischen Zaubertrick geliefert, sondern eine Warnung aus verfügbarem Material: Krise, Demagogie, der Satz, Amerika sei immun. Der Nobelpreis von 1930 lastete auf ihm; dieser Roman ist journalistischer, plakativer als Babbitt, und gerade deshalb hat er als Pamphlet überlebt. Die Querido-Ausgabe erreichte deutsche Leser im Exil; in der DDR und später bei Aufbau kam der Text als Erinnerung und als aktuelle Lektüre wieder. Nach 2016 griffen amerikanische Verlage zu Neuauflagen; die deutsche Taschenbuchausgabe mit Nachwort von Jan Brandt stellt denselben Reflex her, ohne aus Lewis einen Tageskommentator zu machen.

Neben den europäischen Diktaturromanen der dreißiger Jahre steht das Buch als der amerikanische Fall: nicht der charismatische Teufel, sondern der schlechte Redner mit guter Organisation. Wer es nur als Schlüssel zu einem späteren Präsidenten liest, verengt Fort Beulah. Es bleibt ein Roman über die Zeitung, die zu spät begreift, und über den Bürger, der Widerstand mit dem Satzanfang „bei uns“ verhindert hat. Die Minute Men sind erfunden und trotzdem kenntlich. Wer nach Lewis über die Möglichkeit des Faschismus in den Vereinigten Staaten spricht, spricht hinter diesem Titel.

Ideen

Diktatur

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.