Politikos: Unterschied zwischen den Versionen
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In der politischen Philosophie steht der ''Politikos'' zwischen der Härte von ''[[Der Staat]]'' und der Gesetzesfrömmigkeit der ''Nomoi''. [[Autor:Karl Popper|Karl Popper]] hat die ''Politeia'' als totalitäres Programm gelesen; der ''Politikos'' erschwert diese Lesart, weil er die starre Norm als Schutz gegen den unwissenden Herrscher verteidigt und die Tyrannis ausdrücklich aus der Staatskunst ausschließt. Zugleich bleibt die Verführung: Ein Wissender über dem Gesetz ist die schönste und gefährlichste Figur des Dialogs. Die neuere Forschung fragt, ob Platon seine Meinung geändert oder nur den Akzent verschoben hat. Der eleatische Fremde spricht wie ein Dialektiker der Akademie, nicht wie der Sokrates der Frühwerke. | In der politischen Philosophie steht der ''Politikos'' zwischen der Härte von ''[[Der Staat]]'' und der Gesetzesfrömmigkeit der ''Nomoi''. [[Autor:Karl Popper|Karl Popper]] hat die ''Politeia'' als totalitäres Programm gelesen; der ''Politikos'' erschwert diese Lesart, weil er die starre Norm als Schutz gegen den unwissenden Herrscher verteidigt und die Tyrannis ausdrücklich aus der Staatskunst ausschließt. Zugleich bleibt die Verführung: Ein Wissender über dem Gesetz ist die schönste und gefährlichste Figur des Dialogs. Die neuere Forschung fragt, ob Platon seine Meinung geändert oder nur den Akzent verschoben hat. Der eleatische Fremde spricht wie ein Dialektiker der Akademie, nicht wie der Sokrates der Frühwerke. | ||
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Aktuelle Version vom 22. August 2026, 15:37 Uhr
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Politikos |
| Autor(en): | Platon |
| Originaltitel: | Πολιτικός |
| Originalsprache: | griechisch |
| Erstveröffentlichung: | |
| Schlagwörter: | Staatsmann, Maß, Weben, Gesetz |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 224 Seiten |
| ISBN: | 9783150009628 |
| Verweise | |
Politikos – deutsch Der Staatsmann – ist ein Spätdialog von Platon, der dritte Teil einer Trilogie nach Theaitetos und Sophistes. Ein namenloser Fremder aus Elea unterredet sich mit Sokrates dem Jüngeren über das Wesen der Staatskunst; der ältere Sokrates hört zu. Das Gespräch spielt im Frühjahr 399, kurz vor dem Tod des Lehrers, in einer Palaistra. Platon will den Staatsmann vom Sophisten trennen und die wahre Herrschaft vom bloßen Gewaltverhältnis. Der Dialog ist Übung in der Zergliederung und eine der nüchternsten politischen Schriften Platons.
Inhalt
Der Fremde teilt das Wissen, bis die Staatskunst als erkennend, anordnend und selbstbefehlend erscheint, zuletzt als Hirtenkunst über die Herde nackter Zweifüßer. Die Definition krankt: Bauern, Ärzte, Bäcker können dasselbe Hirtentum beanspruchen. Ein kosmologischer Mythos hilft weiter. Unter Kronos lenkt der Gott die Menschenherde selbst; unter Zeus, in unserer gegenläufigen Weltzeit, müssen Sterbliche Sterbliche führen. Der Politiker ist also kein göttlicher Hirt, und nur die freiwillige Leitung zählt als Staatskunst, nicht die Tyrannis. Noch immer fehlt die Abgrenzung von den anderen Fürsorgern. Deshalb nimmt der Fremde ein Muster aus dem Vertrauten: die Wollweberei. Wie man das Weben vom Krempeln, Spinnen und Walken und von der Werkzeugherstellung scheidet, so muss man die Staatskunst von den Künsten scheiden, die ihr zuarbeiten.
Die Webekunst im eigentlichen Sinn ist das Zusammenflechten von Kette und Schuss. Analog webt der wahre Staatsmann die gegensätzlichen Naturen der Bürger, Mut und Besonnenheit, zu einem festen Tuch. Er erzieht, paart, setzt ein und schließt aus, nicht nach Willkür, sondern nach dem richtigen Maß, das die Messkunst kennt: nicht das zahlenmäßige Mehr und Weniger, sondern das Angemessene. Wo ein solcher Wissender herrscht, sind geschriebene Gesetze überflüssig, ja schädlich, weil die Regel den Fall verfehlt. Fehlt der Wissende, ist die Herrschaft der Gesetze die zweitbeste Ordnung, besser als die Gesetzlosigkeit der Unwissenden. Der Fremde ordnet die Verfassungen nach diesem Kriterium, nicht nach der Zahl der Herrschenden allein. Demokratie, Oligarchie, Königtum werden wahr oder nachahmend, je nachdem sie Wissen oder Gesetz oder keines von beiden verkörpern.
Der jüngere Sokrates folgt, stockt, stimmt zu; der ältere schweigt. Ob das Schweigen Billigung ist oder Distanz, teilt die Forschung. Der Ton ist schulmäßig, oft trocken, mit einem Mythos in der Mitte, der die Methode nicht ersetzt, sondern ihre Grenze zeigt: Ohne Bild kommt die Zergliederung nicht vom Hirten los. Unsicher bleibt das Verhältnis zu Der Staat. Die Philosophenherrschaft kehrt wieder, aber ohne Ideenschau als Bedingung, und die Gesetze, die in der Politeia hinter dem Wissen zurückstehen, erhalten im Mangelfall eine Würde, die auf die Nomoi vorausweist. Platon schreibt gegen die Verwechslung von Rhetor und Steuermann, die der Protagoras schon angegriffen hatte, und gegen die Hoffnung, ein Gesetzbuch ersetze die Einsicht. Das Weber-Gleichnis ist das Argument: Politik ist Mischung, nicht Reinheit.
Einordnung
In der politischen Philosophie steht der Politikos zwischen der Härte von Der Staat und der Gesetzesfrömmigkeit der Nomoi. Karl Popper hat die Politeia als totalitäres Programm gelesen; der Politikos erschwert diese Lesart, weil er die starre Norm als Schutz gegen den unwissenden Herrscher verteidigt und die Tyrannis ausdrücklich aus der Staatskunst ausschließt. Zugleich bleibt die Verführung: Ein Wissender über dem Gesetz ist die schönste und gefährlichste Figur des Dialogs. Die neuere Forschung fragt, ob Platon seine Meinung geändert oder nur den Akzent verschoben hat. Der eleatische Fremde spricht wie ein Dialektiker der Akademie, nicht wie der Sokrates der Frühwerke.
Der platonische Dialog erreicht hier eine Form, die das Gespräch fast zur Lehrstunde macht. Wer nur die Definition sucht, findet eine Kette von Korrekturen; wer nur den Mythos sucht, verfehlt die Weberei. Neben Aristoteles’ Politik, die den besten Mann und das Gesetz anders gewichtet, bleibt der Politikos der Text, der das Dilemma nicht löst, sondern scharf stellt: Flexibles Ermessen oder feste Vorschrift, Wissen oder Nachahmung des Wissens. Die Staatskunst ist eine königliche Kunst, und gerade deshalb braucht die Stadt, in der der König fehlt, das Gesetz, das ihn schlecht ersetzt und immer noch besser ist als sein Schatten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
