Analytica posteriora: Unterschied zwischen den Versionen
(Neuer Werkartikel (Geisteswerke).) |
(Werk-Wikilinks auf vorhandene Seitentitel.) |
||
| Zeile 29: | Zeile 29: | ||
== Einordnung == | == Einordnung == | ||
| − | Im ''[[Organon]]'' steht die Zweite Analytik nach der Ersten und vor der ''[[Topik]]'': erst der gültige Schluss, dann der wissenschaftliche, dann der bloß wahrscheinliche. Zur ''[[Nikomachischen Ethik]]'' hat sie die Nachbarschaft der Klugheit, die das Besondere trifft, während der Beweis das Allgemeine festmacht; Tugendwissen ist hier nicht gemeint. [[Autor:Immanuel Kant|Immanuel Kant]] hat in der ''[[Kritik der reinen Vernunft]]'' die transzendentale Logik gegen die allgemeine gesetzt, ohne die Analytiken zu ersetzen. Die Scholastik las sie als Organon der Theologie; die neuere Forschung, etwa David Bronstein, liest sie als Lehre vom Lernen: Man weiß, indem man vom Bekannten zum Grund aufsteigt. | + | Im ''[[Organon]]'' steht die Zweite Analytik nach der Ersten und vor der ''[[Topik]]'': erst der gültige Schluss, dann der wissenschaftliche, dann der bloß wahrscheinliche. Zur ''[[Nikomachische Ethik|Nikomachischen Ethik]]'' hat sie die Nachbarschaft der Klugheit, die das Besondere trifft, während der Beweis das Allgemeine festmacht; Tugendwissen ist hier nicht gemeint. [[Autor:Immanuel Kant|Immanuel Kant]] hat in der ''[[Kritik der reinen Vernunft]]'' die transzendentale Logik gegen die allgemeine gesetzt, ohne die Analytiken zu ersetzen. Die Scholastik las sie als Organon der Theologie; die neuere Forschung, etwa David Bronstein, liest sie als Lehre vom Lernen: Man weiß, indem man vom Bekannten zum Grund aufsteigt. |
Das Missverständnis liegt darin, Aristoteles zum Ahnherrn eines zeitlosen Kalküls zu machen oder die Schrift für eine bloße Anwendung der Ersten Analytik zu halten. Sie begrenzt das Beweisen, indem sie ihm Prinzipien gibt, die selbst nicht bewiesen werden. Geblieben ist die Unterscheidung von Wissen und Meinung und der Satz, dass Erklärung den Grund nennt – und die Warnung, eine Wissenschaft, die ihre Anfänge nicht kennt, sei noch keine. | Das Missverständnis liegt darin, Aristoteles zum Ahnherrn eines zeitlosen Kalküls zu machen oder die Schrift für eine bloße Anwendung der Ersten Analytik zu halten. Sie begrenzt das Beweisen, indem sie ihm Prinzipien gibt, die selbst nicht bewiesen werden. Geblieben ist die Unterscheidung von Wissen und Meinung und der Satz, dass Erklärung den Grund nennt – und die Warnung, eine Wissenschaft, die ihre Anfänge nicht kennt, sei noch keine. | ||
Aktuelle Version vom 22. August 2026, 15:36 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Analytica posteriora |
| Autor(en): | Aristoteles |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Meiner |
| Serie: | Philosophische Bibliothek |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 636 Seiten |
| Originaltitel: | Ἀναλυτικὰ ὕστερα |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3787315950 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783787315956 |
| Schlagwörter: | Beweis, Wissen, Prinzip, Definition |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Die Analytica posteriora (Zweite Analytik) sind die Wissenschaftslehre von Aristoteles, das vierte Buch des später so genannten Organon. Nach der Schlusslehre der Ersten Analytik fragt sie, was ein Beweis ist und woraus Wissen entsteht. Wissenschaftliches Wissen heißt hier nicht Meinung und nicht bloße Wahrnehmung, sondern Einsicht in den Grund, warum etwas nicht anders sein kann. Die lateinische Fassung des Boethius und die Übersetzung Jakobs von Venedig um 1150 machten den Text zur Neuen Logik des Mittelalters. In der zweisprachigen Meiner-Ausgabe steht er mit der Ersten Analytik in einem Band.
Inhalt
Aristoteles schreibt gegen die sophistische Kunst, mit plausiblen Sätzen zu siegen, und gegen eine Wissenschaft, die ihre eigenen Anfänge nicht kennt. Wissen (episteme) ist demonstratives Wissen: Es folgt aus wahren, ersten, unmittelbaren, bekannteren und ursächlichen Vordersätzen. Der Beweis (apodeixis) ist ein Syllogismus aus solchen Prämissen; er zeigt nicht nur, dass etwas so ist, sondern warum. Was selbst bewiesen werden müsste, darf nicht Prinzip sein, sonst entsteht ein unendlicher Rückgang oder ein Zirkel. Die Prinzipien werden nicht bewiesen, sondern vom Nous erfasst, der Einsicht, die aus Wahrnehmung, Erinnerung und Erfahrung das Allgemeine heraushebt. Wer alles beweisen will, zerstört das Beweisen; wer nichts beweisen will, bleibt bei der Meinung.
Das zweite Buch entfaltet die Lehre von der Definition. Definieren heißt, das Was einer Sache anzugeben, nicht ein beliebiges Merkmal. Die Frage, ob etwas ist, und die Frage, was es ist, gehören zusammen: Man definiert nicht das Nichtseiende. Die vier Ursachen – Stoff, Form, Bewegendes, Zweck – treten als Weisen auf, den Grund anzugeben; Wissenschaft erklärt, indem sie die Ursache trifft. Beispiele kommen aus der Geometrie und der Naturlehre: der Winkelsumme im Dreieck, der Mondfinsternis, dem Donner. Wahrnehmung liefert den Anstoß, nicht schon das Wissen; viele sehen das Ereignis, wenige begreifen den Grund. Die Zweite Analytik ist darum keine Methodenlehre im neuzeitlichen Sinn, sondern eine Auskunft darüber, wann wir berechtigt sind zu sagen, wir wüssten.
Unsicher wird der Text, wo die Forderung nach notwendigen, allgemeinen Prämissen auf die Erfahrungswissenschaft trifft, die vom Einzelnen ausgeht. Aristoteles kennt die Induktion und weist ihr den Weg zu den Prinzipien zu, ohne sie mit dem Beweis gleichzusetzen; die Spannung bleibt. Die Chronologie im Organon ist nicht die Reihenfolge der Entstehung; die Zweite Analytik setzt die Syllogistik voraus und reicht in die Metaphysik hinüber, wo dasselbe Wissen vom Seienden als Seiendem handelt. Der Ton ist trocken, definitorisch, ohne Dialog. Die Zumutung bleibt, dass Wissen Fortschritt nur ist, wo Gründe angegeben und Prinzipien nicht erschlichen werden.
Einordnung
Im Organon steht die Zweite Analytik nach der Ersten und vor der Topik: erst der gültige Schluss, dann der wissenschaftliche, dann der bloß wahrscheinliche. Zur Nikomachischen Ethik hat sie die Nachbarschaft der Klugheit, die das Besondere trifft, während der Beweis das Allgemeine festmacht; Tugendwissen ist hier nicht gemeint. Immanuel Kant hat in der Kritik der reinen Vernunft die transzendentale Logik gegen die allgemeine gesetzt, ohne die Analytiken zu ersetzen. Die Scholastik las sie als Organon der Theologie; die neuere Forschung, etwa David Bronstein, liest sie als Lehre vom Lernen: Man weiß, indem man vom Bekannten zum Grund aufsteigt.
Das Missverständnis liegt darin, Aristoteles zum Ahnherrn eines zeitlosen Kalküls zu machen oder die Schrift für eine bloße Anwendung der Ersten Analytik zu halten. Sie begrenzt das Beweisen, indem sie ihm Prinzipien gibt, die selbst nicht bewiesen werden. Geblieben ist die Unterscheidung von Wissen und Meinung und der Satz, dass Erklärung den Grund nennt – und die Warnung, eine Wissenschaft, die ihre Anfänge nicht kennt, sei noch keine.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
