Foundations in Sociolinguistics: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | Hymes erweitert die grammatische Kompetenz zur kommunikativen. Wer Sätze bilden kann, kann noch nicht angemessen sprechen | + | Hymes erweitert die grammatische Kompetenz zur kommunikativen. Wer Sätze bilden kann, kann noch nicht angemessen sprechen, weil Angemessenheit Teilnehmer, Zwecke, den Ort, den Ton und das Recht voraussetzt, den Mund aufzumachen. Eine Grammatik ohne Regeln des Gebrauchs bliebe leer, sagt er, weil niemand in der Luft redet. Die Merkhilfe SPEAKING ordnet diese Dimensionen: Lage und Szene, Teilnehmer, Zwecke, Ablauf der Akte, Ton, Mittel, Normen und Gattung. Sie ist schulmäßig und trotzdem die Einladung, den isolierten Satz zu verlassen und das Ereignis zu beschreiben, in dem der Satz erst etwas gilt. Hymes schreibt als Anthropologe, der Sprachen nicht nur als Systeme, sondern als Weisen des Sprechens in Gemeinschaften kennt. Die Frage ist nicht zuerst, ob ein Satz wohlgeformt ist. Die Frage ist, ob er in dieser Lage gesagt werden darf und was er dort tut. |
| − | Das Buch sammelt Aufsätze gegen eine Linguistik, die den idealen Sprecher in einer | + | Das Buch sammelt Aufsätze gegen eine Linguistik, die den idealen Sprecher in einer gleichförmigen Gemeinschaft denkt. Solche Gemeinschaften sind die Ausnahme. Die Regel ist die Rede mit Brüchen, mit Macht, mit dem Recht, zu schweigen oder zu unterbrechen, mit Sprachen, die in derselben Stadt verschiedene Ereignisse bedienen. Ethnographie ist deshalb keine Zugabe zur eigentlichen Grammatik. Sie ist die Methode, weil nur die Beschreibung des Ereignisses zeigt, welche Grammatik überhaupt in Kraft ist. Hymes bleibt [[Autor:Noam Chomsky|Noam Chomsky]] gegenüber höflich und unerbittlich: Das Vermögen, Sätze zu erzeugen, erklärt nicht das Vermögen, sie in der Lage geltend zu machen. [[Autor:William Labov|William Labov]] zählte Variable in der Stadt; Hymes verlangt darüber hinaus das Ereignis, in dem die Variable einen Sinn hat. Beide holen die Rede zurück, auf verschiedenen Wegen. |
| − | Der Ton ist programmatisch, amerikanisch-anthropologisch, | + | Der Ton ist programmatisch, amerikanisch-anthropologisch, aus der Feldarbeit und aus der Kritik am Seminar, das den Satz vom Sprecher löste. Hymes häuft Forderungen an eine künftige Wissenschaft, statt eine fertige Grammatik des Gesprächs zu liefern. Genau das hat das Buch zum Gründungsdokument gemacht und zur Enttäuschung für Leser, die ein geschlossenes System erwarten. Eine Satzlehre findet man hier nicht; man findet ein Forschungsprogramm und die Behauptung, dass Linguistik ohne Situation leer bleibt. Die germanistische Gesprächsanalyse hat dieses Programm später mit Transkripten gefüllt, die Hymes so nicht schrieb. Der Anstoß bleibt die Verschiebung des Gegenstands: vom möglichen Satz zum ereigneten Sprechen. |
== Einordnung == | == Einordnung == | ||
| − | 1974 ist die Gründung der Ethnographie des Sprechens. [[Autor:William Labov|Labov]] zählte Variable; Hymes beschrieb Ereignisse | + | 1974 ist die Gründung der Ethnographie des Sprechens, jener Richtung, die das Gespräch als kulturelles Ereignis beschreibt statt als Ableitung aus der Grammatik. [[Autor:William Labov|Labov]] zählte Variable; Hymes beschrieb Ereignisse; [[Autor:John J. Gumperz|John J. Gumperz]] hat die Hinweise im Gespräch später geschärft, an denen Missverstehen hängt. Die germanistische Gesprächsanalyse, die Schule und Gericht als Situationen nimmt, arbeitet in diesem Erbe, oft ohne den Namen SPEAKING. Die Kritik nennt das Raster zu schulmäßig, das Programm zu weit und die Absage an Chomsky zu grundsätzlich, weil ohne grammatisches Vermögen auch kein Ereignis zu beschreiben wäre. Geblieben ist die Einsicht, dass Können mehr ist als Wohlgeformtheit, und die Pflicht, nach dem Recht zu fragen, nicht nur nach der Form. Ohne Hymes wäre die Soziolinguistik eine Lautstatistik geblieben, der die Lage fehlt. |
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Aktuelle Version vom 21. August 2026, 16:44 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Foundations in Sociolinguistics |
| Autor(en): | Dell Hymes |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | University of Pennsylvania Press |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1974 |
| Seitenanzahl: | 245 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 0812210654 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9780812210651 |
| Schlagwörter: | Sprechen, Ethnographie, Kompetenz, Situation |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Sprachwissenschaft |
| Rezensionen | |
Foundations in Sociolinguistics. An Ethnographic Approach ist die 1974 erschienene Programmschrift von Dell Hymes. Hymes verlangt, Sprechen als Ereignis zu beschreiben: wer darf wann zu wem wie reden, zu welchem Zweck, in welchem Ton und nach welchen Normen – nicht nur, welche Sätze grammatisch möglich sind.
Inhalt
Hymes erweitert die grammatische Kompetenz zur kommunikativen. Wer Sätze bilden kann, kann noch nicht angemessen sprechen, weil Angemessenheit Teilnehmer, Zwecke, den Ort, den Ton und das Recht voraussetzt, den Mund aufzumachen. Eine Grammatik ohne Regeln des Gebrauchs bliebe leer, sagt er, weil niemand in der Luft redet. Die Merkhilfe SPEAKING ordnet diese Dimensionen: Lage und Szene, Teilnehmer, Zwecke, Ablauf der Akte, Ton, Mittel, Normen und Gattung. Sie ist schulmäßig und trotzdem die Einladung, den isolierten Satz zu verlassen und das Ereignis zu beschreiben, in dem der Satz erst etwas gilt. Hymes schreibt als Anthropologe, der Sprachen nicht nur als Systeme, sondern als Weisen des Sprechens in Gemeinschaften kennt. Die Frage ist nicht zuerst, ob ein Satz wohlgeformt ist. Die Frage ist, ob er in dieser Lage gesagt werden darf und was er dort tut.
Das Buch sammelt Aufsätze gegen eine Linguistik, die den idealen Sprecher in einer gleichförmigen Gemeinschaft denkt. Solche Gemeinschaften sind die Ausnahme. Die Regel ist die Rede mit Brüchen, mit Macht, mit dem Recht, zu schweigen oder zu unterbrechen, mit Sprachen, die in derselben Stadt verschiedene Ereignisse bedienen. Ethnographie ist deshalb keine Zugabe zur eigentlichen Grammatik. Sie ist die Methode, weil nur die Beschreibung des Ereignisses zeigt, welche Grammatik überhaupt in Kraft ist. Hymes bleibt Noam Chomsky gegenüber höflich und unerbittlich: Das Vermögen, Sätze zu erzeugen, erklärt nicht das Vermögen, sie in der Lage geltend zu machen. William Labov zählte Variable in der Stadt; Hymes verlangt darüber hinaus das Ereignis, in dem die Variable einen Sinn hat. Beide holen die Rede zurück, auf verschiedenen Wegen.
Der Ton ist programmatisch, amerikanisch-anthropologisch, aus der Feldarbeit und aus der Kritik am Seminar, das den Satz vom Sprecher löste. Hymes häuft Forderungen an eine künftige Wissenschaft, statt eine fertige Grammatik des Gesprächs zu liefern. Genau das hat das Buch zum Gründungsdokument gemacht und zur Enttäuschung für Leser, die ein geschlossenes System erwarten. Eine Satzlehre findet man hier nicht; man findet ein Forschungsprogramm und die Behauptung, dass Linguistik ohne Situation leer bleibt. Die germanistische Gesprächsanalyse hat dieses Programm später mit Transkripten gefüllt, die Hymes so nicht schrieb. Der Anstoß bleibt die Verschiebung des Gegenstands: vom möglichen Satz zum ereigneten Sprechen.
Einordnung
1974 ist die Gründung der Ethnographie des Sprechens, jener Richtung, die das Gespräch als kulturelles Ereignis beschreibt statt als Ableitung aus der Grammatik. Labov zählte Variable; Hymes beschrieb Ereignisse; John J. Gumperz hat die Hinweise im Gespräch später geschärft, an denen Missverstehen hängt. Die germanistische Gesprächsanalyse, die Schule und Gericht als Situationen nimmt, arbeitet in diesem Erbe, oft ohne den Namen SPEAKING. Die Kritik nennt das Raster zu schulmäßig, das Programm zu weit und die Absage an Chomsky zu grundsätzlich, weil ohne grammatisches Vermögen auch kein Ereignis zu beschreiben wäre. Geblieben ist die Einsicht, dass Können mehr ist als Wohlgeformtheit, und die Pflicht, nach dem Recht zu fragen, nicht nur nach der Form. Ohne Hymes wäre die Soziolinguistik eine Lautstatistik geblieben, der die Lage fehlt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
