Kultur der Kontrolle: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 22. August 2026, 17:42 Uhr
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Kultur der Kontrolle |
| Autor(en): | David Garland |
| Originaltitel: | The Culture of Control. Crime and Social Order in Late Modernity |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 2001 |
| Schlagwörter: | Strafe, Kontrolle, Verbrechen, Spätmoderne |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Campus
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 384 Seiten |
| ISBN: | 9783593385853 |
| Verweise | |
Kultur der Kontrolle. Verbrechensbekämpfung und soziale Ordnung in der Gegenwart ist das 2001 in Oxford und Chicago erschienene kriminologisch-soziologische Buch von David Garland über den Wandel von Strafe und sozialer Ordnung in der spätmodernen Gesellschaft der Vereinigten Staaten und Großbritanniens. Die deutsche Übersetzung von Andreas Wirthensohn kam 2008 bei Campus heraus. Es ist nach Punishment and Welfare (1985) und Punishment and Modern Society (1990) der abschließende Band einer Trilogie zur Kriminalpolitik seit den siebziger Jahren. In Deutschland war das Echo vergleichsweise gering; die kritische Kriminologie würdigte den Ansatz schon in einem Sonderband des Kriminologischen Journals, bevor die Übersetzung vorlag.
Inhalt
Garland schreibt gegen die Vorstellung, härtere Strafen und mehr Überwachung seien natürliche Antworten auf mehr Verbrechen. Seit den siebziger Jahren sei in den USA und in Großbritannien das Ideal der Besserung niedergangen; Resozialisierungsprogramme wurden zurückgenommen. Wiedergekehrt sei eine Strafpraxis der Vergeltung, dazu eine zunehmende Vermarktung der Verbrechenskontrolle. Die Kriminalpolitik folge volkstümlichen Motiven: delinquentes Verhalten werde aus sozialen Zusammenhängen gelöst und allein der individuellen Verantwortung und der vernünftigen Entscheidung zugerechnet. Das entspreche einer wirtschaftsliberalen Sozialpolitik. Der Abbau sozialer Reformen und der Verfall von Solidaritätsnormen machten Kontrolle und Verurteilung von Außenseitern und Unterschichten möglich, ohne das Verhalten von Märkten, Unternehmen und wohlhabenden Schichten zu thematisieren.
Die Behauptung entfaltet sich an Institutionen und Stimmungen der Spätmoderne. Gefängnisse wachsen, die Polizei wird zum Sicherheitsdienst der Angst, Opfer bekommen eine Stimme, die Täter als Ungeheuer braucht. Private Gefängnisse und Wachfirmen machen Kontrolle zur Ware. Garland bindet diesen Wandel an den Umbau des Wohlfahrtsstaates, nicht an eine rätselhafte Verrohung. Wer sozial nicht mehr gehalten wird, wird strafrechtlich gehalten. Die Kultur der Kontrolle ist keine Verschwörung, sondern ein Geflecht aus Politik, Medien, Professionen und Alltagssorgen, das sich selbst verstärkt. Thomas Mirbach hat die deutsche Ausgabe als Diagnose gelesen, die den kontinentalen Wohlfahrtsstrafrecht noch als Gegenbild kennt.
Unsicher wird das Buch, wo die angloamerikanische Spätmoderne zur allgemeinen Lage der Gegenwart erklärt wird. Die geringere deutsche Aufnahme hat genau hier ihren Grund: andere Strafkultur, anderer Sozialstaat, andere Medien. Garland weiß, dass er zwei Länder schreibt, und beharrt darauf, dass die Richtung übertragbar sei. Der Ton ist der der historischen Soziologie, dicht und ohne Feuilleton. Daniela Klimke und Aldo Legnaro haben den Text unter die kriminologischen Grundlagentexte aufgenommen. Die Grenze, die er zieht – Kontrolle statt Wohlfahrt –, ist eine Zeitdiagnose der Strafe, keine Anleitung für Innenminister.
Einordnung
Als Abschluss der Trilogie hat Kultur der Kontrolle eine internationale Forschung ausgelöst, die Kontrollkulturen in anderen Staaten prüft. Nachbarschaft hat der Band zu Michel Foucaults Überwachen und Strafen, das Disziplin älter und anders fasst, und zu den Beiheften, die Henner Hess, Lars Ostermeier und Bettina Paul dem Anschluss an Garland gewidmet haben. Die Campus-Übersetzung kam spät; das Kriminologische Journal war früher da. Perlentaucher sammelt die deutschen Rezensionen einer Debatte, die außerhalb der Kriminologie schmal blieb.
Geblieben ist der Satz, dass spätmoderne Gesellschaften Unsicherheit nicht mit Solidarität, sondern mit Kontrolle beantworten. Wer nach 2001 über Gefängniswachstum, Vergeltung und die Bestrafung der Armut spricht, spricht hinter diesem Buch. Die deutsche Zurückhaltung ist selbst ein Befund: Hierzulande galt dasselbe Muster lange als amerikanische Übertreibung, bis die Sicherheitspolitik nachzog.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
