Beschleunigung und Entfremdung: Unterschied zwischen den Versionen

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Das Missverständnis liegt darin, Rosa zum Feind der Moderne oder zum Ratgeber der Entschleunigung zu machen. Er kritisiert ein Regime der Fristen, das Lebensentwürfe scheitern lässt, und sucht Formen nichtentfremdeten Lebens, ohne die Uhr anzuhalten. Geblieben ist die Dreiteilung der Beschleunigung – und die Einsicht, dass gewonnene Zeit nicht frei wird, wenn sie sogleich wieder gefüllt werden muss.
Das Missverständnis liegt darin, Rosa zum Feind der Moderne oder zum Ratgeber der Entschleunigung zu machen. Er kritisiert ein Regime der Fristen, das Lebensentwürfe scheitern lässt, und sucht Formen nichtentfremdeten Lebens, ohne die Uhr anzuhalten. Geblieben ist die Dreiteilung der Beschleunigung – und die Einsicht, dass gewonnene Zeit nicht frei wird, wenn sie sogleich wieder gefüllt werden muss.
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Version vom 23. August 2026, 18:57 Uhr

Hartmut Rosa · 2013 · Sachbuch, Soziologie


Das Werk
Deutscher Titel: Beschleunigung und Entfremdung
Autor(en): Hartmut Rosa
Originaltitel: Alienation and Acceleration. Towards a Critical Theory of Late-Modern Temporality
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2013
Schlagwörter: Beschleunigung, Entfremdung, Zeit, Leben
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 154 Seiten
ISBN: 9783518585962
Verweise


Beschleunigung und Entfremdung ist die 2013 bei Suhrkamp erschienene Abhandlung von Hartmut Rosa über eine kritische Theorie spätmoderner Zeitlichkeit; das englische Original war kurz zuvor herausgekommen, Robin Celikates hat mitübersetzt. Rosa fragt, warum uns das gute Leben misslingt, obwohl die Freiräume, es zu wählen, größer sind als je. Die Antwort lautet: Die fortlaufende Beschleunigung des sozialen Lebens erzeugt Entfremdung. Der schmale Band verdichtet, was Rosa 2005 in der großen Studie Beschleunigung ausgeführt hatte, und öffnet den Weg zur späteren Resonanz. Er ist Entwurf, nicht Summe.

Inhalt

Rosa schreibt gegen eine Sozialwissenschaft, die die Zeit als Rahmen behandelt und nicht als das, was das Leben formt, und gegen die Hoffnung, technische Erleichterung schaffe Muße. Soziale Beschleunigung zerfällt in drei Dimensionen: technische Beschleunigung von Transport, Nachrichten und Produktion; Beschleunigung des sozialen Wandels in Werten, Berufen und Bindungen; Beschleunigung des Lebenstempos, gemessen als Zahl der Handlungen und Erlebnisse je Zeiteinheit. Die drei treiben einander im Kreis: Zeitnot erzeugt Technik, Technik verändert Gesellschaft, die schrumpfende Gegenwart verdichtet den Alltag, der wieder nach Technik verlangt. Äußere Motoren sind Wettbewerb und das Versprechen, im Endlichen Unendliches zu erreichen. Die Gegenwart schrumpft, wo Erfahrungsraum und Erwartung nur noch im Augenblick zusammenfallen.

Entfremdung heißt, dass die Beziehung zwischen Selbst und Welt verzerrt wird. Vom Raum: häufige Ortswechsel und der digitale Verkehr entwöhnen vom Einleben; nur Büro, Laden und Kindergarten bleiben verinnerlicht. Von den Dingen: was billiger ersetzt als repariert wird, trägt keine Geschichte mehr; fehlende Kenntnis der Geräte erzeugt ein schlechtes Gewissen gegenüber der Dingwelt. Von der Zeit: erlebte und erinnerte Dauer treten auseinander, viele Reize hinterlassen keine Erfahrung, nur isolierte Episoden. Von den eigenen Handlungen: man tut, was man nicht tun wollte, weil Nachrichten und Pflichten dazwischentreten; oder man handelt an Geräten, deren Gebrauch man nie gelernt hat. Sozial wird die Beziehung oberflächlich, weil Bindung Zeit kostet. Am Ende entfremdet der Mensch sich selbst, weil Identität aus genau diesen Bezügen besteht.

Unsicher wird die Schrift, wo Beschleunigung zum Metaphänomen aller Übel wird und wo die Beispiele – Schnellimbiss, verdichtete Pausen, ungelesene Beipackzettel – die Theorie tragen müssen, die noch folgen soll. Thomas Gross hat in der Frankfurter Allgemeinen genau das eingewandt: Einsichtiges, das auf die große Theorie neugierig macht, ohne sie schon zu sein. Wolfgang Storz lobte in der taz die Verständlichkeit für den Laien. Der Ton ist soziologisch und pastoral zugleich, ohne Zahlenfetisch. Eine Lesart, die nur Tempo kritisiert, verfehlt die Entfremdung; eine, die nur Entfremdung sagt, verfehlt den Zirkel der drei Beschleunigungen.

Einordnung

Der Band steht zwischen der Habilitationsschrift von 2005 und Resonanz von 2016: erst die Diagnose der Zeit, dann der Gegenbegriff einer gelingenden Weltbeziehung. Nachbarschaft hat er zur Kritischen Theorie, deren Varianten Rosa prüft – Desynchronisierung, Ideologie der Zeitnormen, gebrochenes Versprechen der Moderne –, und zur Wachstumskritik, etwa Niko Paechs Postwachstumsökonomie, ohne deren Programm zu übernehmen. Sebastian Hammelehle hat im Spiegel bemerkt, die Beschleunigung verdiene mindestens so viel Aufmerksamkeit wie das Wort Weltverflechtung. Die Wirkung lag in Feuilleton und Hörsaal; der Leibniz-Preis 2023 gilt dem ganzen Werk, dessen kürzeste Fassung diese Abhandlung ist.

Das Missverständnis liegt darin, Rosa zum Feind der Moderne oder zum Ratgeber der Entschleunigung zu machen. Er kritisiert ein Regime der Fristen, das Lebensentwürfe scheitern lässt, und sucht Formen nichtentfremdeten Lebens, ohne die Uhr anzuhalten. Geblieben ist die Dreiteilung der Beschleunigung – und die Einsicht, dass gewonnene Zeit nicht frei wird, wenn sie sogleich wieder gefüllt werden muss.


Ideen

Entfremdung

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.