Hou Hanshu: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 22. August 2026, 17:41 Uhr
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Hou Hanshu |
| Autor(en): | Fan Ye |
| Originaltitel: | 後漢書 |
| Originalsprache: | chinesisch |
| Erstveröffentlichung: | 445 |
| Schlagwörter: | Han-Dynastie, Chronik, Kaiserreich, Geschichtsschreibung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Harrassowitz
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 214 Seiten |
| ISBN: | 9783447109925 |
| Verweise | |
Das Hou Hanshu, die Schriften der Späteren Han, ist die im fünften Jahrhundert von Fan Ye zusammengestellte Geschichte der östlichen Han-Dynastie von 25 bis 220 nach Christus. Fan Ye, 398 geboren und 445 hingerichtet, arbeitete aus älteren Dokumenten, darunter den Aufzeichnungen der Han aus dem Östlichen Aufenthalt und den verlorenen Aufzeichnungen der Späteren Han des Yuan Hong; die letzten dreißig Rollen stammen aus der Fortsetzung des Buchs der Han von Sima Biao und wurden im sechsten Jahrhundert unter Liu Zhao angefügt. Das Werk ist die dritte der vierundzwanzig Dynastiegeschichten, nach den Aufzeichnungen des Großen Historikers des Sima Qian und dem Buch der Han des Ban Gu, vor den Chroniken der Drei Reiche. Eine vollständige deutsche Übersetzung fehlt; die Angaben der Infobox beziehen sich auf die deutschsprachige Monographie Sebastian Eichers von 2018, die das Hou Hanshu gegen das parallele Hou Han ji liest. August Pfizmaier hatte 1869 in Wien lediglich einzelne Aufstände übertragen, Johann Michael Streffer 1971 ein Kapitel über die Südvölker.
Inhalt
Das Buch ist gegen das Vergessen einer Dynastie geschrieben, die das Reich wiederhergestellt und dann an Kriegsherren verloren hatte. Fan Ye ordnet Annalen, Biographien, Abhandlungen und Tabellen nach dem Muster der älteren Dynastiegeschichten, nicht als Roman, sondern als Kanon: Kaiser und Kaiserinnen, Beamte, Gelehrte, Barbaren an den Rändern, Riten, Strafen, Speise und Kalender. Die östliche Han hatte die Hauptstadt nach Luoyang verlegt, das Prüfungswesen und die Konfuzianer gestärkt, eunuchische Cliquen und Großfamilien zugleich wachsen lassen. Fan Ye erzählt Wiederherstellung, Hochstand und Zerfall, ohne die Moralpredigt an die Stelle der Chronik zu setzen. Urteil und Auswahl stecken in der Anordnung, im Weglassen, in der Charakterskizze des Beamten, der sich dem Thron widersetzt oder ihm dient.
Besonders die Abhandlung über die westlichen Regionen, Band 88, hat die historische Geographie Zentralasiens, Vorderasiens und des Römischen Reichs gespeist. Grundlage waren die Aufzeichnungen Ban Yongs von 127; Fan Ye vermerkt am Kapitelende, er habe einzelne Angaben aus den Westlanden berichtigt. Gesandtschaften, Tribut, die Seidenstraßen, das ferne Daqin – Rom als Hörensagen einer Kanzlei – stehen neben der Politik an den Grenzen. Die Biographien der Kaiserinnen und der Eunuchen, der Generäle und der Einsiedler zeigen eine Gesellschaft, in der Hofintrige und Provinzverwaltung ineinanderliegen. Fan Ye übernimmt ältere Titel und Sätze wörtlich; Originalität heißt hier Komposition, nicht Erfindung. Die vierundzwanzig Geschichten haben dieses Verfahren zur Norm gemacht: Jede Dynastie schreibt die vorige zu Ende und setzt sich selbst die nächste Aufgabe.
Unsicher wird das Werk, wo die Quellenreihen abrechen und wo Fan Yes eigene Lage durchscheint. Er schrieb unter den Liu-Song, nicht unter den Han, und starb als politischer Gefangener; die Frage, wie viel Anklage in der Darstellung korrupter Cliquen steckt, bleibt die der Lesenden. Yuan Hongs älteres Hou Han ji schöpft aus derselben Materialbasis und erzählt anders: andere Gewichte, andere Fragen an dieselben Ereignisse. Eicher hat gezeigt, dass das Hou Hanshu nicht einfach die bessere Kurzfassung ist, sondern eine Auswahl mit eigenem Urteil. Wer nur Fan Ye liest, hält eine Version für die Geschichte; wer beide liest, sieht die Hand des Geschichtsschreibers. Die Lücken der Überlieferung – verlorene Vorgänger, ergänzte Schlussrollen – machen das Buch zu einem gebauten, nicht zu einem einheitlich aus einem Guss geflossenen Text.
Einordnung
Im Kanon der Dynastiegeschichten ist das Hou Hanshu die Schwelle vom frühen Kaiserreich zur Zerfallszeit, die der Roman Die Geschichte der Drei Reiche später in Helden und Schwüre übersetzt hat. Sima Qian hatte die durchlaufende Chronik erfunden, Ban Gu die Dynastie als geschlossenen Körper; Fan Ye wendet das Muster auf ein Reich an, das sich nach dem Zwischenreich Wang Mangs neu gründet und an den Rändern, in den Eunuchenkämpfen und in den Kriegsherren endet. Die westlichen Regionen dieses Bandes sind für die europäische Altertumswissenschaft lange die chinesische Auskunft über Rom und die Tarimbeckenstaaten gewesen, oft genauer in der Erwartung als in der Geographie. Damit steht das Werk nicht nur in der ostasiatischen Kanzleitradition, sondern auch in der Weltgeschichte der alten Reiche.
Die deutsche Philologie hat das Werk in Bruchstücken betreten: Pfizmaiers Wiener Übertragungen des neunzehnten Jahrhunderts, Streffers Tübinger Kapitel über die südlichen Barbaren, Eichers Vergleich der zwei Spät-Han-Chroniken. Eine Lektüre des Ganzen bleibt an das Chinesische und an englische Teilübersetzungen wie die John E. Hills zum Westkapitel gebunden. Das Missverständnis ist, Dynastiegeschichte für unparteiische Registratur zu halten. Fan Ye komponiert, streicht und korrigiert; genau darin steht er in der Nachfolge Sima Qians, nicht in der einer Behörde, die nur zählt. Wer nach dem Ende der Han über Ordnung und Zerfall in China spricht, spricht hinter diesem Buch, auch dann, wenn er den Roman der Drei Reiche für die eigentliche Erzählung hält.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
