Syntaktische Strukturen: Unterschied zwischen den Versionen

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''Syntaktische Strukturen'' (englisch ''Syntactic Structures'') ist die 1957 erschienene Untersuchung von [[Autor:Noam Chomsky|Noam Chomsky]], auf Deutsch als ''Strukturen der Syntax'' verbreitet. Sie behauptet, dass eine Grammatik endliche Mittel so kombinieren muss, dass unendlich viele Sätze möglich werden – und dass der Sprecher dieses Vermögen hat, nicht nur gehörte Ketten wiederholt.
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''Syntaktische Strukturen'' (englisch ''Syntactic Structures'') ist die 1957 erschienene Untersuchung von [[Autor:Noam Chomsky|Noam Chomsky]], auf Deutsch auch als ''Strukturen der Syntax'' verbreitet. Chomsky behauptet, dass eine Grammatik endliche Mittel so kombinieren muss, dass unendlich viele wohlgeformte Sätze möglich werden – und dass dieses Vermögen dem Sprecher gehört, nicht einer Sammlung bereits gehörter Ketten.
  
 
== Inhalt ==
 
== Inhalt ==
  
Chomsky bricht mit der Vorstellung, Linguistik beschreibe vor allem, was in Texten vorkommt. Wer eine Sprache kann, erkennt und erzeugt Sätze, die im Korpus fehlen, und weist Unsinn zurück, der lautgesetzlich möglich wäre. Daraus folgt eine Grammatik als System von Regeln, das Strukturen aufbaut, nicht eine Liste. Der berühmte Beispielsatz, der grammatisch und doch ohne Weltgehalt ist, soll genau das zeigen: Grammatikalität ist nicht Bedeutung.
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Chomsky bricht mit der Vorstellung, die Sprachwissenschaft habe vor allem zu verzeichnen, welche Wortfolgen in Texten vorkommen. Wer eine Sprache kann, erkennt und erzeugt Sätze, die in keiner Sammlung stehen, und weist Folgen zurück, die lautgesetzlich möglich wären und dennoch als ungrammatisch gelten. Grammatikalität ist deshalb etwas anderes als Häufigkeit und etwas anderes als Weltgehalt. Der berühmte Beispielsatz von den farblosen grünen Ideen, die wütend schlafen, ist grammatisch gebaut und bleibt ohne erkennbare Lage in der Welt; genau das soll zeigen, dass die Formregeln nicht aus der Bedeutung abzuleiten sind. Eine Liste gehörter Äußerungen erklärt dieses Urteil nicht, weil das Urteil über das Gehörte hinausgeht. Chomsky verlangt deshalb eine Grammatik als erzeugendes System: endliche Regeln, die Strukturen aufbauen und dabei eine offene Menge von Sätzen zulassen. Die ältere Verteilungskunde, die Ketten an Textsammlungen maß, erscheint ihm als Beschreibung des Hervorgebrachten, nicht als Theorie des Vermögens.
  
Das Buch bleibt knapp und technisch. Es führt von der endlichen Zustandssprache über die Phrasenstruktur zur transformationellen Operation, die Sätze ineinander überführt. Chomsky schreibt gegen den Behaviorismus: Sprache ist nicht verstärkte Gewohnheit. Kinder hören Bruchstücke und kommen bei einem Wissen an, das die Bruchstücke übersteigt. Die Erklärung muss deshalb im Vermögen liegen, nicht nur in der Umgebung.
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Das schmale Buch führt diese Forderung durch drei Modelle. Eine Grammatik endlicher Zustände, die Wort für Wort nur den nächsten Schritt kennt, reicht für die Verschachtelung menschlicher Sätze nicht aus. Die Phrasenstruktur, also Regeln, die den Satz in Teile und Teile von Teilen gliedern, kommt weiter, bleibt aber unhandlich, wo ganze Sätze ineinander überführt werden müssen. Deshalb setzt Chomsky die transformationelle Operation darauf: Passiv, Frage und Einbettung erscheinen als geregelte Umformung einer zugrunde liegenden Struktur, nicht als neue Liste. Gegen den Behaviorismus [[Autor:B. F. Skinner|B. F. Skinner]]s schreibt er, Sprache sei nicht verstärkte Gewohnheit. Kinder hören Bruchstücke, oft fehlerhaft und unvollständig, und gelangen zu einem Wissen, das diese Bruchstücke übersteigt; die Erklärung muss deshalb im Vermögen liegen, nicht allein in der Umgebung. Die Formeln sind hier das Argument, nicht die Verzierung eines geistesgeschichtlichen Essays.
  
Der Ton ist der einer Kampfschrift im Gewand einer Monographie. Die Formeln sind das Argument. Wer eine Kulturgeschichte der Sprache erwartet, findet ein Modell. Wer nur das Modell erwartet, findet die Behauptung, dass Linguistik eine Wissenschaft vom Geist ist. Die spätere Universalgrammatik steckt hier schon als Zumutung, noch ohne den ganzen Apparat der sechziger Jahre.
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Der Ton ist der einer Kampfschrift im Gewand einer Monographie: knapp, technisch, ohne Schonung für die Schule, die Linguistik als Klassifikation betrieb. Chomsky behauptet damit mehr als ein besseres Satzmodell. Er behauptet, dass die Grammatik eine Wissenschaft vom Geist ist, weil sie ein stilles Wissen beschreibt, das der Sprecher hat, ohne es aufsagen zu können. Die spätere Unterscheidung von Kompetenz und Performanz – Vermögen gegen tatsächliche Rede – ist hier schon angelegt, auch wenn die Wörter noch nicht das spätere Lehrbuchpaar sind. Ebenso steckt die Zumutung einer Universalgrammatik schon in der Behauptung, das Kind bringe Erwartungen mit, die keine Umgebung vollständig lehrt. Eine Lektüre, die nur die Syntaxmaschine sieht, verfehlt diese Wendung zum Geist. Eine Lektüre, die nur die Philosophie sieht, verfehlt, dass Chomsky die Philosophie in Ableitungen austrägt.
  
 
== Einordnung ==
 
== Einordnung ==
  
1957 ist die Zäsur der modernen Linguistik. Was danach Kompetenz und Performanz, Tiefe und Oberfläche hieß, beginnt in diesem schmalen Band. [[Autor:Steven Pinker|Steven Pinker]] hat die These popularisiert, [[Autor:Michael Tomasello|Michael Tomasello]] hat den Erwerb gegen das Eingeborene gesetzt. Die Korpuslinguistik arbeitet bis heute an diesem Widerspruch. Wer nach Chomsky über Grammatik spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es.
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Das Jahr 1957 gilt seitdem als Einschnitt der neueren Sprachwissenschaft, auch bei denen, die Chomsky später widersprechen. Was in den sechziger Jahren Kompetenz und Performanz, Tiefe und Oberfläche hieß, beginnt in diesem Band, der kaum dicker ist als eine lange Abhandlung. [[Autor:Steven Pinker|Steven Pinker]] hat die These vom eingeborenen Vermögen einem großen Publikum erzählt; [[Autor:Michael Tomasello|Michael Tomasello]] hat den Erwerb gegen das Eingeborene vom gemeinsamen Handeln her gesetzt; die an Textsammlungen arbeitende Linguistik arbeitet bis heute an dem Widerspruch, dass man zählen muss, was Chomsky dem bloßen Vorkommen absprechen wollte. Die generative Schule hat den Apparat vervielfacht, verworfen und neu gebaut; der schmale Anstoß blieb der Bezugspunkt. Die Kritik nennt das Modell weltlos, weil es den idealen Sprecher in einer gleichförmigen Gemeinschaft denkt und die soziale Streuung der Rede streicht. Die Debatte über Grammatik nach 1957 kommt an diesem Band nicht vorbei, auch wo sie ihn verwirft.
  
 
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Aktuelle Version vom 21. August 2026, 16:43 Uhr

Noam Chomsky · 1957 · Sachbuch, Sprachwissenschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Syntaktische Strukturen
Autor(en): Noam Chomsky
Originaltitel: Syntactic Structures
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1957
Schlagwörter: Grammatik, Syntax, Kompetenz, Erzeugung
Sachgebiete: Sachbuch, Sprachwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: De Gruyter


Umfang dieser Ausgabe: 136 Seiten
ISBN: 9783110152418
Verweise
Umschlag

Syntaktische Strukturen (englisch Syntactic Structures) ist die 1957 erschienene Untersuchung von Noam Chomsky, auf Deutsch auch als Strukturen der Syntax verbreitet. Chomsky behauptet, dass eine Grammatik endliche Mittel so kombinieren muss, dass unendlich viele wohlgeformte Sätze möglich werden – und dass dieses Vermögen dem Sprecher gehört, nicht einer Sammlung bereits gehörter Ketten.

Inhalt

Chomsky bricht mit der Vorstellung, die Sprachwissenschaft habe vor allem zu verzeichnen, welche Wortfolgen in Texten vorkommen. Wer eine Sprache kann, erkennt und erzeugt Sätze, die in keiner Sammlung stehen, und weist Folgen zurück, die lautgesetzlich möglich wären und dennoch als ungrammatisch gelten. Grammatikalität ist deshalb etwas anderes als Häufigkeit und etwas anderes als Weltgehalt. Der berühmte Beispielsatz von den farblosen grünen Ideen, die wütend schlafen, ist grammatisch gebaut und bleibt ohne erkennbare Lage in der Welt; genau das soll zeigen, dass die Formregeln nicht aus der Bedeutung abzuleiten sind. Eine Liste gehörter Äußerungen erklärt dieses Urteil nicht, weil das Urteil über das Gehörte hinausgeht. Chomsky verlangt deshalb eine Grammatik als erzeugendes System: endliche Regeln, die Strukturen aufbauen und dabei eine offene Menge von Sätzen zulassen. Die ältere Verteilungskunde, die Ketten an Textsammlungen maß, erscheint ihm als Beschreibung des Hervorgebrachten, nicht als Theorie des Vermögens.

Das schmale Buch führt diese Forderung durch drei Modelle. Eine Grammatik endlicher Zustände, die Wort für Wort nur den nächsten Schritt kennt, reicht für die Verschachtelung menschlicher Sätze nicht aus. Die Phrasenstruktur, also Regeln, die den Satz in Teile und Teile von Teilen gliedern, kommt weiter, bleibt aber unhandlich, wo ganze Sätze ineinander überführt werden müssen. Deshalb setzt Chomsky die transformationelle Operation darauf: Passiv, Frage und Einbettung erscheinen als geregelte Umformung einer zugrunde liegenden Struktur, nicht als neue Liste. Gegen den Behaviorismus B. F. Skinners schreibt er, Sprache sei nicht verstärkte Gewohnheit. Kinder hören Bruchstücke, oft fehlerhaft und unvollständig, und gelangen zu einem Wissen, das diese Bruchstücke übersteigt; die Erklärung muss deshalb im Vermögen liegen, nicht allein in der Umgebung. Die Formeln sind hier das Argument, nicht die Verzierung eines geistesgeschichtlichen Essays.

Der Ton ist der einer Kampfschrift im Gewand einer Monographie: knapp, technisch, ohne Schonung für die Schule, die Linguistik als Klassifikation betrieb. Chomsky behauptet damit mehr als ein besseres Satzmodell. Er behauptet, dass die Grammatik eine Wissenschaft vom Geist ist, weil sie ein stilles Wissen beschreibt, das der Sprecher hat, ohne es aufsagen zu können. Die spätere Unterscheidung von Kompetenz und Performanz – Vermögen gegen tatsächliche Rede – ist hier schon angelegt, auch wenn die Wörter noch nicht das spätere Lehrbuchpaar sind. Ebenso steckt die Zumutung einer Universalgrammatik schon in der Behauptung, das Kind bringe Erwartungen mit, die keine Umgebung vollständig lehrt. Eine Lektüre, die nur die Syntaxmaschine sieht, verfehlt diese Wendung zum Geist. Eine Lektüre, die nur die Philosophie sieht, verfehlt, dass Chomsky die Philosophie in Ableitungen austrägt.

Einordnung

Das Jahr 1957 gilt seitdem als Einschnitt der neueren Sprachwissenschaft, auch bei denen, die Chomsky später widersprechen. Was in den sechziger Jahren Kompetenz und Performanz, Tiefe und Oberfläche hieß, beginnt in diesem Band, der kaum dicker ist als eine lange Abhandlung. Steven Pinker hat die These vom eingeborenen Vermögen einem großen Publikum erzählt; Michael Tomasello hat den Erwerb gegen das Eingeborene vom gemeinsamen Handeln her gesetzt; die an Textsammlungen arbeitende Linguistik arbeitet bis heute an dem Widerspruch, dass man zählen muss, was Chomsky dem bloßen Vorkommen absprechen wollte. Die generative Schule hat den Apparat vervielfacht, verworfen und neu gebaut; der schmale Anstoß blieb der Bezugspunkt. Die Kritik nennt das Modell weltlos, weil es den idealen Sprecher in einer gleichförmigen Gemeinschaft denkt und die soziale Streuung der Rede streicht. Die Debatte über Grammatik nach 1957 kommt an diesem Band nicht vorbei, auch wo sie ihn verwirft.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.