Über dialektischen und historischen Materialismus: Unterschied zwischen den Versionen
(Formulierungen durchgesehen und berichtigt (Claude Opus 5); Vermerk im Abbinder.) |
|||
| Zeile 21: | Zeile 21: | ||
== Inhalt == | == Inhalt == | ||
| − | Der Text ist kurz und als Katechismus gebaut. Zuerst die Begriffe: Dialektischer Materialismus heiße, die Natur | + | Der Text ist kurz und als Katechismus gebaut. Zuerst die Begriffe: Dialektischer Materialismus heiße, die Natur dialektisch zu betrachten und materialistisch zu deuten; historischer Materialismus sei dieselbe Lehre, angewandt auf die Gesellschaft. Dann vier Züge der Dialektik: Alles hänge zusammen; alles bewege sich; Quantität schlage in Qualität um; der Motor seien innere Widersprüche. Drei Züge des Materialismus: Die Welt sei Materie; die Materie sei unabhängig vom Bewusstsein; sie sei erkennbar, und die Praxis entscheide über Wahrheit. Jeder Zug wird sofort auf die Gesellschaft übertragen. Der Klassenkampf erscheint so nicht als Politik, sondern als Naturgesetz. |
| − | Daraus folgt, was der Text nicht ausspricht und doch verlangt. Wenn die Entwicklung gesetzmäßig zum Sozialismus führt, ist, wer widerspricht, nicht anderer Meinung, sondern objektiv im Unrecht. Die Partei, die diese Gesetze | + | Daraus folgt, was der Text nicht ausspricht und doch verlangt. Wenn die Entwicklung gesetzmäßig zum Sozialismus führt, ist, wer widerspricht, nicht anderer Meinung, sondern objektiv im Unrecht. Die Partei, die diese Gesetze zu kennen behauptet, spricht mit der Autorität der Naturwissenschaft. Stalin schreibt im Ton des Lehrers, der Kompliziertes für Funktionäre zurechtlegt; Hegel und Feuerbach werden als Vorstufen abgehakt, Marx und Lenin als Lösung. Philosophie ist hier keine Untersuchung, sondern eine Liste, die man hersagen kann. |
Wirksam wurde die Schrift, weil sie nicht allein stand. Sie war das vierte Kapitel des ''Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU (B)'', jenes Buchs, das die Parteigeschichte so umschrieb, dass sämtliche Gegner Stalins von Anfang an Saboteure gewesen waren. Wer den Lehrgang auswendig lernte – und das musste, wer in der Sowjetunion vorankommen oder auch nur unauffällig bleiben wollte –, lernte zugleich, dass der Große Terror von 1937/38 keine Willkür war, sondern angewandte Dialektik: qualitative Umschläge, Beseitigung von Widersprüchen. Nach 1945 wanderte derselbe Text in die Lehrpläne der Volksdemokratien. | Wirksam wurde die Schrift, weil sie nicht allein stand. Sie war das vierte Kapitel des ''Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU (B)'', jenes Buchs, das die Parteigeschichte so umschrieb, dass sämtliche Gegner Stalins von Anfang an Saboteure gewesen waren. Wer den Lehrgang auswendig lernte – und das musste, wer in der Sowjetunion vorankommen oder auch nur unauffällig bleiben wollte –, lernte zugleich, dass der Große Terror von 1937/38 keine Willkür war, sondern angewandte Dialektik: qualitative Umschläge, Beseitigung von Widersprüchen. Nach 1945 wanderte derselbe Text in die Lehrpläne der Volksdemokratien. | ||
| Zeile 35: | Zeile 35: | ||
{{KI-Hinweis|Grok 4.6, xAI}} | {{KI-Hinweis|Grok 4.6, xAI}} | ||
| + | {{KI-Korrektur|Claude Opus 5, Anthropic}} | ||
Aktuelle Version vom 13. August 2026, 12:21 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Über dialektischen und historischen Materialismus |
| Autor(en): | Josef Stalin |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Dietz Verlag |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1938 |
| Seitenanzahl: | 41 Seiten |
| Originaltitel: | O dialektičeskom i istoričeskom materializme |
| Originalsprache: | russisch |
| ISBN-10: | |
| ISBN-13/
EAN-Code: | |
| Schlagwörter: | Stalinismus, Marxismus-Leninismus, Parteidogma, Sowjetunion |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Ideologie |
| Rezensionen | |
Über dialektischen und historischen Materialismus ist die 1938 erschienene philosophische Pflichtschrift Josef Stalins. Sie stand als Kapitel im Kurzen Lehrgang der Parteigeschichte und hat aus einer Weltanschauung ein Prüfungsfach gemacht, in dem Abweichung tödlich sein konnte.
Inhalt
Der Text ist kurz und als Katechismus gebaut. Zuerst die Begriffe: Dialektischer Materialismus heiße, die Natur dialektisch zu betrachten und materialistisch zu deuten; historischer Materialismus sei dieselbe Lehre, angewandt auf die Gesellschaft. Dann vier Züge der Dialektik: Alles hänge zusammen; alles bewege sich; Quantität schlage in Qualität um; der Motor seien innere Widersprüche. Drei Züge des Materialismus: Die Welt sei Materie; die Materie sei unabhängig vom Bewusstsein; sie sei erkennbar, und die Praxis entscheide über Wahrheit. Jeder Zug wird sofort auf die Gesellschaft übertragen. Der Klassenkampf erscheint so nicht als Politik, sondern als Naturgesetz.
Daraus folgt, was der Text nicht ausspricht und doch verlangt. Wenn die Entwicklung gesetzmäßig zum Sozialismus führt, ist, wer widerspricht, nicht anderer Meinung, sondern objektiv im Unrecht. Die Partei, die diese Gesetze zu kennen behauptet, spricht mit der Autorität der Naturwissenschaft. Stalin schreibt im Ton des Lehrers, der Kompliziertes für Funktionäre zurechtlegt; Hegel und Feuerbach werden als Vorstufen abgehakt, Marx und Lenin als Lösung. Philosophie ist hier keine Untersuchung, sondern eine Liste, die man hersagen kann.
Wirksam wurde die Schrift, weil sie nicht allein stand. Sie war das vierte Kapitel des Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU (B), jenes Buchs, das die Parteigeschichte so umschrieb, dass sämtliche Gegner Stalins von Anfang an Saboteure gewesen waren. Wer den Lehrgang auswendig lernte – und das musste, wer in der Sowjetunion vorankommen oder auch nur unauffällig bleiben wollte –, lernte zugleich, dass der Große Terror von 1937/38 keine Willkür war, sondern angewandte Dialektik: qualitative Umschläge, Beseitigung von Widersprüchen. Nach 1945 wanderte derselbe Text in die Lehrpläne der Volksdemokratien.
Einordnung
Als Philosophie ist die Broschüre dürftig; als Herrschaftsinstrument war sie kaum zu überbieten. Sie hat den Marxismus auf ein Dutzend Sätze reduziert, die man in Schulungen abprüfen und in Schauprozessen zitieren konnte. Nach Stalins Tod und der Geheimrede von 1956 verlor sie den Rang einer unantastbaren Schrift, blieb aber in Umrissen die Schulsprache des Marxismus-Leninismus, bis dieser Staat zu Ende war. Die Angaben im Kasten nennen die Dietz-Ausgabe, in der die SED sie verbreitete.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
Später durchgesehen: Ein zweites KI-Sprachmodell hat den Text geprüft und einzelne Formulierungen berichtigt (Claude Opus 5, Anthropic). Bestand, Auswahl und Ausgabendaten blieben dabei unverändert; welche Sätze geändert wurden, zeigt die Versionsgeschichte.