Momo: Unterschied zwischen den Versionen
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SCHLAGWORT = Zeit, graue Herren, Kind, Diebstahl| | SCHLAGWORT = Zeit, graue Herren, Kind, Diebstahl| | ||
SACH = Jugendroman| | SACH = Jugendroman| | ||
Aktuelle Version vom 22. August 2026, 17:42 Uhr
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Momo |
| Autor(en): | Michael Ende |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Thienemann |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1973 |
| Seitenanzahl: | 284 Seiten |
| Originaltitel: | Momo |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3522204069 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783522204064 |
| Schlagwörter: | Zeit, graue Herren, Kind, Diebstahl |
| Sachgebiete: | Jugendroman |
| Rezensionen | |
Momo ist der Märchenroman von Michael Ende, 1973 bei Thienemann erschienen, mit dem Untertitel von den Zeitdieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Ende, der mit der Unendlichen Geschichte später noch bekannter wurde, hat hier kein Schulbuch über das Zeitmanagement geschrieben, sondern eine Geschichte, in der Zuhören eine Kraft ist und Sparsamkeit eine Falle. Die grauen Herren treten auf wie Vertreter; sie sind es nicht. Der Band wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und bleibt, neben dem späteren großen Fantasieroman, Endes schärfstes Buch über das, was die moderne Stadt den Kindern und den Alten wegnimmt.
Inhalt
Momo, ein kleines Mädchen ungewissen Alters mit wildem Haar und einem viel zu großen Mantel, lebt in den Ruinen eines Amphitheaters am Rand einer großen Stadt. Sie besitzt nichts, das man verkaufen könnte, und hat die Gabe, anderen so zuzuhören, dass sie wieder zu sich kommen: Kinder erfinden im Spiel ganze Städte, Erwachsene finden Sätze, die ihnen vorher fehlten. Der Straßenkehrer Beppo und der Gastwirt Gigi, ein Geschichtenerzähler, gehören zu ihrem Kreis. In diese offene Zeit bricht die Agentur der grauen Herren ein. Die Männer in Grau überreden die Stadt, Zeit auf einem Sparbuch anzulegen; wer schneller arbeitet und das Überflüssige streicht – das Gespräch, das Spiel, die Pause –, dem werde später ein Vermögen an Stunden ausgezahlt. Die Menschen werden hektisch und einsam. Die Kinder hören auf zu spielen, weil Spielen nichts einbringt. Gigi wird zum berühmten Unterhalter und verliert die Geschichten, die er Momo erzählt hat.
Momo durchschaut, dass die gesparte Zeit nicht zurückkommt. Die grauen Herren leben von ihr: Sie rauchen die gestohlenen Stunden als graue Zigarren und würden ohne diesen Rauch zerfallen. Meister Hora, der in einem Haus außerhalb der messbaren Uhren die Zeit der Welt hütet, erklärt dem Kind, dass jede Stunde einzig ist und dass die Diebe eine Lüge verkaufen. Hora schickt Momo mit der Schildkröte Kassiopeia aus, die Antworten eine halbe Stunde im Voraus auf ihrem Panzer trägt. Die grauen Herren setzen ein Kopfgeld auf Momo aus, treiben Beppo in die Erschöpfung und machen aus Gigi einen Verräter, der das Kind in eine Falle locken soll. Die Stadt friert in einer Scheinordnung ein: Niemand hat mehr Zeit, und alle haben das Gefühl, sie müssten noch mehr sparen.
Im Haus des Meister Hora bleibt die Uhr der Welt stehen, damit Momo den Dieben nachstellen kann, ohne dass sie sie bemerken. Sie findet das Depot der geraubten Stunden, die als Zigarren lagern, und gibt der Stadt die Zeit zurück. Die grauen Herren, ihrer Nahrung beraubt, lösen sich auf. Als die Uhren wieder gehen, ist nur ein Augenblick vergangen; für Momo war es eine lange Jagd. Beppo kehrt zum gleichmäßigen Kehren zurück, Gigi zu den Geschichten, die niemandem gehören, und die Kinder spielen wieder im Amphitheater. Der Roman schließt nicht mit einer Moraltafel, sondern mit dem Bild einer Stadt, die noch wissen könnte, dass Zeit sich nicht aufbewahren lässt. Momo bleibt, wer sie war: arm, unabhängig und diejenige, der man zuhört, weil sie zuerst zugehört hat.
Einordnung
Ende hat die Kritik der beschleunigten Gesellschaft in ein Kindermärchen gelegt, ohne die Kinder zu schonen. Die grauen Herren sind keine Teufel aus einer anderen Welt; sie sprechen die Sprache der Agentur, der Lebensversicherung und des Fortschritts, und genau deshalb sind sie unheimlich. Wer in den siebziger Jahren über Wachstum, Freizeit und Entfremdung nachdachte, fand hier keine Theorie, sondern Figuren: den Kehrer, der seine Bahn nicht verkürzen will, den Erzähler, der sich verkauft, das Kind, das nichts besitzt und deshalb nicht erpressbar ist. Der Roman steht neben der späteren Unendlichen Geschichte, zielt aber weniger auf das Innere der Fantasie als auf den öffentlichen Diebstahl der Lebenszeit. Pädagogen haben ihn als Lehrstück über Achtsamkeit vereinnahmt; das Buch ist kälter, als diese Lesart zulässt.
Die Verfilmungen – darunter die Kinoversion von 1986 mit Ende als Mitwirkendem – haben die Bilder der grauen Herren festgesetzt und die Langsamkeit des Zuhörens oft in Spektakel übersetzt. Im deutschsprachigen Jugendbuch nach 1970 gehört Momo zu den wenigen Titeln, die zugleich Volksbuch und Zeitdiagnose sind. Dass Kinder den Band zuerst in die Hand bekommen, ändert nichts an der Härte gegen die Erwachsenen, die ihre Stunden verkaufen. Wer nach Ende über das Sparen von Stunden spricht, spricht hinter diesem Roman; wer ihn nur als Märchen gegen die Hektik liest, unterschlägt, dass die Diebe gewinnen, sobald die Erwachsenen der Lüge glauben, Zeit sei ein Guthaben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
