Wie Bilder Sinn erzeugen: Unterschied zwischen den Versionen

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''Wie Bilder Sinn erzeugen. Die Macht des Zeigens'' ist die 2007 erschienene Untersuchung von [[Autor:Gottfried Boehm|Gottfried Boehm]]. Sie fasst, was ein Bild tut, wenn es nicht Illustration eines Satzes ist.
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''Wie Bilder Sinn erzeugen. Die Macht des Zeigens'' ist die 2007 erschienene Untersuchung von [[Autor:Gottfried Boehm|Gottfried Boehm]]. Sie fasst, was ein Bild tut, wenn es nicht Illustration eines Satzes ist. Sinn entsteht im Zeigen: etwas wird sichtbar als etwas, ohne in der Aussage aufzugehen.
  
 
== Inhalt ==
 
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Boehm nennt ikonische Differenz den Abstand, der das Bild vom Ding und vom Wort trennt. Sinn entsteht im Zeigen: etwas wird sichtbar als etwas, ohne in der Aussage aufzugehen. Wer Bilder liest wie Texte, verfehlt diese Logik. Wer sie für stumm hält, ebenfalls.
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Boehm nennt ikonische Differenz den Abstand, der das Bild vom Ding und vom Wort trennt. Ein Bild ist nicht das, was es zeigt, und es ist nicht der Satz, den man darüber sagen kann; zwischen beiden liegt eine Sichtbarkeit, die Sinn erzeugt, indem sie zeigt. Wer Bilder liest wie Texte, verfehlt diese Logik, weil er das Zeigen in eine Aussage übersetzt und den Rest für Schmuck hält. Wer sie für stumm hält, verfehlt sie ebenfalls, weil Stummheit nur die Kehrseite derselben Textgläubigkeit ist. Boehm schreibt eine Philosophie der Kunstgeschichte, nicht eine Methode der Entzifferung: Hermeneutik und Phänomenologie sind das Werkzeug, mit Distanz zu [[Autor:Hans-Georg Gadamer|Hans-Georg Gadamer]] und mit Nähe zu der Frage, wie Verstehen am Sichtbaren ansetzt. Beispiele tragen die Unterscheidung, ohne Katalog zu werden. Das Bild hat Macht, weil es zeigt, nicht weil es befiehlt oder weil es eine Lehre versteckt.
  
Das Buch sammelt und verdichtet, was der Band ''Was ist ein Bild?'' 1994 eröffnet hatte. Hermeneutik, Phänomenologie, die Distanz zu Gadamer und die Nähe: Boehm schreibt Philosophie der Kunstgeschichte, nicht Methode der Entzifferung. Beispiele tragen, ohne Katalog zu werden.
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Das Buch sammelt und verdichtet, was der Band ''Was ist ein Bild?'' 1994 eröffnet hatte, und gibt der ikonischen Wende auf Deutsch eine Summe. Neben [[Autor:Hans Belting|Hans Belting]]s Anthropologie und [[Autor:W. J. T. Mitchell|W. J. T. Mitchell]]s pictorial turn, der bildlichen Wende, ist das die Basler Adresse derselben Umstellung. Belting fragt nach Körper und Medium, Mitchell nach dem Begehren der Bilder; Boehm fragt nach dem Sinn, der nur im Sichtbaren entsteht. Der Ton ist begrifflich, ohne den Apparat der Bildwissenschaft zum Jargon zu machen. Seminare haben Boehm als Pflicht gelesen, oft ohne die Geduld der Unterscheidung, die das Buch verlangt: Differenz ist kein Schlagwort für alles Nichtsprachliche. Sie ist der genaue Abstand, ohne den weder Ding noch Wort das Bild erklären. Genau diese Genauigkeit macht den Band anstrengender und haltbarer als manches Manifest der Wende.
  
Der Ton ist begrifflich, ohne den Apparat der Bildwissenschaft zum Jargon zu machen. Neben [[Autor:Hans Belting|Belting]]s Anthropologie und [[Autor:W. J. T. Mitchell|Mitchell]]s pictorial turn ist das die Basler Adresse der Wende.
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Gegen die ältere Deutung, Bedeutung sitze im Stoff oder in der Absicht des Künstlers, hält Boehm das Zeigen fest. Kritik hat das zu philosophisch und zu wenig historisch genannt: Epochen, Institutionen und Macht gerieten hinter die Differenz, und das Bild drohe zu einem zeitlosen Sinnereignis zu werden. Das Buch räumt der Sozialgeschichte in der Tat weniger Platz ein als der Logik der Fläche, und es tut das absichtlich, weil ohne diese Logik die Sozialgeschichte wieder nur Stoffe liest. Es steht damit näher an der Phänomenologie als an der politischen Ikonographie, näher an der Hermeneutik als an [[Autor:Michel Foucault|Michel Foucault]]. Die Summe von 2007 hat die ikonische Wende nicht beendet, aber gebündelt. Bildsinn nach diesem Band bleibt an die Differenz gebunden, auch wo man sie für unzureichend hält. Die Macht des Zeigens bleibt das Angebot, Sinn jenseits der Aussage zu denken.
  
 
== Einordnung ==
 
== Einordnung ==
  
2007 ist die Summe der ikonischen Wende auf Deutsch. Die Seminare haben Boehm als Pflicht gelesen, oft ohne die Geduld der Unterscheidung. Wer nach ihm über Bildsinn spricht, ohne Differenz, spricht hinter diesem Band.
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2007 ist der Band die Summe der ikonischen Wende auf Deutsch geworden, weil er die Frage von 1994 – was ein Bild sei – in eine Lehre vom Sinn des Zeigens überführt. Belting und Mitchell sind die Nachbarn, Kemp und Bredekamp die kunsthistorischen Verwandten, die Ort und Akt betonen, während Boehm bei der Differenz bleibt. Die Seminare haben ihn als Pflicht gelesen, oft verdünnt auf den Satz, Bilder seien keine Texte; seltener mit der philosophischen Geduld, die das Buch verlangt. Die Kritik an der geringen Historisierung hat Ergänzungen aus Sozial- und Mediengeschichte nach sich gezogen, den Grundsatz aber nicht ersetzt. Bildwissenschaft nach der Jahrtausendwende arbeitet mit Boehms Abstand, auch wo sie ihn politisch oder anthropologisch auffüllt. Die Nachwirkung liegt darin, dass Sinn im Sichtbaren seither eine eigene Logik beanspruchen darf, ohne sich vor dem Satz zu rechtfertigen.
  
 
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Aktuelle Version vom 21. August 2026, 16:44 Uhr

Gottfried Boehm· 2007· Sachbuch, Kunstgeschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Wie Bilder Sinn erzeugen
Autor(en): Gottfried Boehm


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2007
Schlagwörter: ikonische Differenz, Sinn, Zeigen, Bild
Sachgebiete: Sachbuch, Kunstgeschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Berlin University Press


Umfang dieser Ausgabe: 282 Seiten
ISBN: 9783737413039
Rezensionen
Umschlag

Wie Bilder Sinn erzeugen. Die Macht des Zeigens ist die 2007 erschienene Untersuchung von Gottfried Boehm. Sie fasst, was ein Bild tut, wenn es nicht Illustration eines Satzes ist. Sinn entsteht im Zeigen: etwas wird sichtbar als etwas, ohne in der Aussage aufzugehen.

Inhalt

Boehm nennt ikonische Differenz den Abstand, der das Bild vom Ding und vom Wort trennt. Ein Bild ist nicht das, was es zeigt, und es ist nicht der Satz, den man darüber sagen kann; zwischen beiden liegt eine Sichtbarkeit, die Sinn erzeugt, indem sie zeigt. Wer Bilder liest wie Texte, verfehlt diese Logik, weil er das Zeigen in eine Aussage übersetzt und den Rest für Schmuck hält. Wer sie für stumm hält, verfehlt sie ebenfalls, weil Stummheit nur die Kehrseite derselben Textgläubigkeit ist. Boehm schreibt eine Philosophie der Kunstgeschichte, nicht eine Methode der Entzifferung: Hermeneutik und Phänomenologie sind das Werkzeug, mit Distanz zu Hans-Georg Gadamer und mit Nähe zu der Frage, wie Verstehen am Sichtbaren ansetzt. Beispiele tragen die Unterscheidung, ohne Katalog zu werden. Das Bild hat Macht, weil es zeigt, nicht weil es befiehlt oder weil es eine Lehre versteckt.

Das Buch sammelt und verdichtet, was der Band Was ist ein Bild? 1994 eröffnet hatte, und gibt der ikonischen Wende auf Deutsch eine Summe. Neben Hans Beltings Anthropologie und W. J. T. Mitchells pictorial turn, der bildlichen Wende, ist das die Basler Adresse derselben Umstellung. Belting fragt nach Körper und Medium, Mitchell nach dem Begehren der Bilder; Boehm fragt nach dem Sinn, der nur im Sichtbaren entsteht. Der Ton ist begrifflich, ohne den Apparat der Bildwissenschaft zum Jargon zu machen. Seminare haben Boehm als Pflicht gelesen, oft ohne die Geduld der Unterscheidung, die das Buch verlangt: Differenz ist kein Schlagwort für alles Nichtsprachliche. Sie ist der genaue Abstand, ohne den weder Ding noch Wort das Bild erklären. Genau diese Genauigkeit macht den Band anstrengender und haltbarer als manches Manifest der Wende.

Gegen die ältere Deutung, Bedeutung sitze im Stoff oder in der Absicht des Künstlers, hält Boehm das Zeigen fest. Kritik hat das zu philosophisch und zu wenig historisch genannt: Epochen, Institutionen und Macht gerieten hinter die Differenz, und das Bild drohe zu einem zeitlosen Sinnereignis zu werden. Das Buch räumt der Sozialgeschichte in der Tat weniger Platz ein als der Logik der Fläche, und es tut das absichtlich, weil ohne diese Logik die Sozialgeschichte wieder nur Stoffe liest. Es steht damit näher an der Phänomenologie als an der politischen Ikonographie, näher an der Hermeneutik als an Michel Foucault. Die Summe von 2007 hat die ikonische Wende nicht beendet, aber gebündelt. Bildsinn nach diesem Band bleibt an die Differenz gebunden, auch wo man sie für unzureichend hält. Die Macht des Zeigens bleibt das Angebot, Sinn jenseits der Aussage zu denken.

Einordnung

2007 ist der Band die Summe der ikonischen Wende auf Deutsch geworden, weil er die Frage von 1994 – was ein Bild sei – in eine Lehre vom Sinn des Zeigens überführt. Belting und Mitchell sind die Nachbarn, Kemp und Bredekamp die kunsthistorischen Verwandten, die Ort und Akt betonen, während Boehm bei der Differenz bleibt. Die Seminare haben ihn als Pflicht gelesen, oft verdünnt auf den Satz, Bilder seien keine Texte; seltener mit der philosophischen Geduld, die das Buch verlangt. Die Kritik an der geringen Historisierung hat Ergänzungen aus Sozial- und Mediengeschichte nach sich gezogen, den Grundsatz aber nicht ersetzt. Bildwissenschaft nach der Jahrtausendwende arbeitet mit Boehms Abstand, auch wo sie ihn politisch oder anthropologisch auffüllt. Die Nachwirkung liegt darin, dass Sinn im Sichtbaren seither eine eigene Logik beanspruchen darf, ohne sich vor dem Satz zu rechtfertigen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.