Terror und Traum. Moskau 1937: Unterschied zwischen den Versionen

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Schlögel ordnet das Jahr nach Räumen und Gleichzeitigkeiten. Moskau baut Metro und Allunionsausstellung, feiert Puschkin, schickt Flugzeuge über den Pol, zählt seine Einwohner – und die NKWD-Troikas unterschreiben Listen. Der Terror ist keine Nachtseite, die man von der Modernisierung abziehen könnte. Er ist in denselben Wochen, denselben Vierteln, oft in denselben Behörden.
 
Schlögel ordnet das Jahr nach Räumen und Gleichzeitigkeiten. Moskau baut Metro und Allunionsausstellung, feiert Puschkin, schickt Flugzeuge über den Pol, zählt seine Einwohner – und die NKWD-Troikas unterschreiben Listen. Der Terror ist keine Nachtseite, die man von der Modernisierung abziehen könnte. Er ist in denselben Wochen, denselben Vierteln, oft in denselben Behörden.
  
Die Schauprozesse gegen Radek, Pjatakow, Bucharin liegen neben dem Alltag der Warteschlangen, der neuen Wohnungen, der Gorki-Park-Kultur. Schlögel benutzt Zeitungen, Adressbücher, Stadtpläne, Memoiren. Die Methode ist die des Spatium: Wer die Stadt liest, sieht, dass der stalinistische Traum von der neuen Welt und die Vernichtung der alten Kader nicht nacheinander kommen. Sie sind dasselbe Projekt in zwei Tempi.
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Die Schauprozesse gegen Radek, Pjatakow, Bucharin liegen neben dem Alltag der Warteschlangen, der neuen Wohnungen, der Gorki-Park-Kultur. Schlögel benutzt Zeitungen, Adressbücher, Stadtpläne, Memoiren. Die Methode ist das Lesen im Raum: Wer die Stadt liest, sieht, dass der stalinistische Traum von der neuen Welt und die Vernichtung der alten Kader nicht nacheinander kommen. Sie sind dasselbe Projekt in zwei Geschwindigkeiten.
  
Das Buch hat Helden ohne Heldentum: den Architekten, die Witwe, den Funktionär, der noch unterschreibt und bald selbst auf der Liste steht. 1937 wird so aus einem Datum der Politikgeschichte ein bewohnbares, unerträgliches Jahr. Schlögel moralisiert wenig. Er zeigt die Nähe, aus der das Unfassbare bestand.
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Das Buch hat Helden ohne Heldentum: den Architekten, die Witwe, den Funktionär, der noch unterschreibt und bald selbst auf der Liste steht. 1937 wird so aus einem Datum der Politikgeschichte ein bewohnbares, unerträgliches Jahr. Schlögel moralisiert wenig. Er zeigt, wie nah das Unfassbare am Alltag lag.
  
 
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Schlögel hat die deutsche Osteuropageschichte um die Raumgeschichte erweitert: nicht These zuerst, sondern Lage. Neben [[Bloodlands]] und den Totalitarismusanalysen von [[Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft|Arendt]] steht hier die Stadt als Beweisstück. Wer Stalinismus nur als Ideologie kennt, hat Moskau in diesem Jahr nicht betreten.
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Schlögel hat die deutsche Osteuropageschichte um die Raumgeschichte erweitert: nicht These zuerst, sondern Lage. Neben Snyders [[Bloodlands]] und Arendts [[Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft]] steht hier die Stadt als Beweisstück. Wer Stalinismus nur als Ideologie kennt, hat Moskau in diesem Jahr nicht betreten.
  
 
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Aktuelle Version vom 13. August 2026, 12:29 Uhr

Daten zum Buch
Deutscher Titel: Terror und Traum. Moskau 1937
Autor(en): Karl Schlögel
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Hanser
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 811 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3446230815
ISBN-13/

EAN-Code:

9783446230811
Schlagwörter: Stalinismus, Großer Terror, Moskau, Raumgeschichte
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Rezensionen

Terror und Traum. Moskau 1937 erschien 2008. Karl Schlögel schreibt das Jahr des Großen Terrors nicht als Politbürogeschichte, sondern als Geschichte einer Stadt, in der Fest und Erschießung denselben Kalender teilen.

Inhalt

Schlögel ordnet das Jahr nach Räumen und Gleichzeitigkeiten. Moskau baut Metro und Allunionsausstellung, feiert Puschkin, schickt Flugzeuge über den Pol, zählt seine Einwohner – und die NKWD-Troikas unterschreiben Listen. Der Terror ist keine Nachtseite, die man von der Modernisierung abziehen könnte. Er ist in denselben Wochen, denselben Vierteln, oft in denselben Behörden.

Die Schauprozesse gegen Radek, Pjatakow, Bucharin liegen neben dem Alltag der Warteschlangen, der neuen Wohnungen, der Gorki-Park-Kultur. Schlögel benutzt Zeitungen, Adressbücher, Stadtpläne, Memoiren. Die Methode ist das Lesen im Raum: Wer die Stadt liest, sieht, dass der stalinistische Traum von der neuen Welt und die Vernichtung der alten Kader nicht nacheinander kommen. Sie sind dasselbe Projekt in zwei Geschwindigkeiten.

Das Buch hat Helden ohne Heldentum: den Architekten, die Witwe, den Funktionär, der noch unterschreibt und bald selbst auf der Liste steht. 1937 wird so aus einem Datum der Politikgeschichte ein bewohnbares, unerträgliches Jahr. Schlögel moralisiert wenig. Er zeigt, wie nah das Unfassbare am Alltag lag.

Einordnung

Schlögel hat die deutsche Osteuropageschichte um die Raumgeschichte erweitert: nicht These zuerst, sondern Lage. Neben Snyders Bloodlands und Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft steht hier die Stadt als Beweisstück. Wer Stalinismus nur als Ideologie kennt, hat Moskau in diesem Jahr nicht betreten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

Später durchgesehen: Ein zweites KI-Sprachmodell hat den Text geprüft und einzelne Formulierungen berichtigt (Claude Opus 5, Anthropic). Bestand, Auswahl und Ausgabendaten blieben dabei unverändert; welche Sätze geändert wurden, zeigt die Versionsgeschichte.